Australian Academic Alumni Association - Auslandsstudium Australien
Australian Academic Alumni Association    
  
Studium in Australien | Studium in Neuseeland | Universitäts-Portraits | Mitgliedsbereich    
Startseite | Über den 4A Club | Leistungen | Erfahrungsberichte | Links | Impressum    
Australian Academic Alumni Association
Australian Academic Alumni Association

  Nachrichten aus australischer und neuseeländischer Wissenschaft und Forschung
  [08.07.2010] Fern sehen - Studieren in Down Under ganz nah auf Ranke-Heinemann TV
  [15.06.2010] Down UNIder - Magazin von Studenten für Studenten - neue Ausgabe erschienen
  [07.06.2010] Neue Erkenntnisse in der Bakterienforschung zur Verbesserung von Implantaten
  [11.03.2010] Fähigkeit zur Gesichterkennung liegt in unseren Genen
  [24.02.2010] Forscherteam macht wichtige Entdeckung für die nächste Solarzellengeneration

  > Auslandsstudium Australien / Neuseeland > Erfahrungsberichte > Karin Rothgänger
Mittlerweile habt ihr wahrscheinlich schon einige Erfahrungsberichte gelesen und seit bis oben hin voll gestopft mit Informationen rund um Krankenversicherung, Handykarte, die Kooperation zwischen der Deutschen Bank und der Westpac und, und, und. Damit ihr diese Informationen nicht alle noch einmal lesen müsst, habe ich meinen Erfahrungsbericht ein bisschen anders aufgebaut. Ich schreibe hier auf, wie ich mich bei der ganzen Sache gefühlt habe und versuche ein paar der Kleinigkeiten, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind, zu erzählen. Los geht’s:

Empfangen hat mich am 14. Juli 2004 um sechs Uhr in der Früh ein strahlend blauer Himmel in Sydney. Der hat mich für den Moment alles vergessen lassen. Den tränenreichen Abschied von meiner Familie und meinen Freunden am Frankfurter Flughafen, die unendliche Müdigkeit nach 40 Stunden auf den Beinen und die Unsicherheit, was in den kommenden sieben Monaten in Australien vor mir liegen wird.

Fange ich mal von vorne an. Ich studiere Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster und wollte vor meiner Examensarbeit Motivation tanken, meine Englischkenntnisse verbessern, ein anderes Studiensystem kennen lernen und einfach mal raus kommen. Schon lange hat der Gedanke in mir gebrodelt und ca. ein dreiviertel Jahr vorher wurde es konkret. Nach dem TOEFL-Test in Frankfurt habe ich mich über Ranke-Heinemann an drei Unis in Sydney beworben. Ich habe Auslandsbafög beantragt, mir meine Scheine beglaubigen lassen, Bewerbungsformulare ausgefüllt und so weiter.

Im Mai hatte ich die Zusagen aller drei Unis und stand vor der Qual der Wahl. Letztlich habe ich mich für die University of Technology in Sydney entschieden. Über die Kontaktdatenbank von Ranke-Heinemann habe ich ein paar Studenten angemailt, die schon an der Uni studiert haben und die haben mir bereitwillig mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Insgesamt hat mir der Austausch mit Studenten, die schon in Australien waren, sehr geholfen. Alle mit denen ich persönlich gesprochen habe, hatten so ein Glänzen in den Augen, wenn sie von Ihrer Zeit in Australien berichtet haben. Genau so geht es mir jetzt auch. Auch ich habe mittlerweile schon vielen Studenten geholfen, die nach Australien gehen möchten und Reisetipps an Freunde und Bekannte – und Bekannte von Bekannten –
verteilt.

Ich denke einfach nur gerne an die Zeit zurück. Die altbekannte Frage nach dem – Und? Wie war´s? – ist nicht mit drei Sätzen zu beantworten. Es war auf jeden Fall ereignisreich. Auch wenn es nicht nur gute Zeiten gab. Meine sieben Monate in Australien haben aus Höhen und Tiefen bestanden. Das Besondere an diesen Höhen und Tiefen in der Ferne ist, dass die Höhen höher und die Tiefen tiefer sind. Ich habe Dinge erlebt, von denen ich nie dachte, dass ich sie mal erleben könnte und manchmal habe ich meine Lieben ganz schrecklich vermisst. Aber dafür gibt es E-Mail und Telefon und glücklicherweise ist der Wettbewerb auf dem australischen Telefonkartenmarkt so hart, dass ein Telefonat von Australien nach Deutschland günstiger ist als ein Ortsgespräch in Münster mit der Deutschen Telekom. Das ist unglaublich, aber es ist wirklich so. Ich musste mich nur ein wenig daran gewöhnen, dass der Zeitunterschied acht (Sommerzeit) oder zehn Stunden (Winterzeit) beträgt. Ich hatte zehn Uhr abends, es ist stockdunkel und meine Eltern sitzen beim Mittagessen. Manchmal habe ich meine liebe Freundin Judith nach einer Party angerufen und sie hat sich grade fertig gemacht zum Ausgehen. Das war ein seltsames Gefühl.

Im Mittelpunkt meiner ersten fünf Monate in Sydney stand die Uni. Ich habe die Uni in Sydney im Gegensatz zu meiner alteingesessenen Uni in Deutschland als Dienstleistungsunternehmen erlebt. Alles war super durchorganisiert und man konnte mit allen Problemen ins International Office gehen. Ich bin angekommen, ohne eine Unterkunft zu haben. Im Housing Service der Uni wurde mir sofort geholfen. Weiter ging es mit einer Woche „Orientation Week“, bevor die Uni regulär losging. Rund 100 „Peer Networker“ (Studenten älteren Semesters) waren in knatsch-orange-farbenen T-Shirts für uns da, haben uns alles geduldig noch mal und noch mal erklärt, haben mit uns Barbie (das traditionelle australische Barbecue) gemacht, uns abends bei einem pub crawl (Kneipentour) die besten Kneipen in Sydney gezeigt und das Uni-System wieder und wieder erläutert. Da war es überhaupt kein Problem, Kontakte mit netten Studenten zu knüpfen. Ich habe Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt – aus den USA, Indien, China, Südkorea, Chile, Mexiko, Schweden, Frankreich und, und, und. Allerdings auch jede Menge Deutsche – Australien scheint ziemlich „in“ zu sein im Moment. Man hört hier ziemlich häufig Deutsch. Die erste Woche war total anstrengend und ich bin abends einfach wie ein Stein in mein Bett in meinem neuen WG-Zimmer gefallen und habe geschlafen wie ein Baby. Aber es war auch total aufregend, so viel Neues kennen zu lernen.

Am Anfang stand ich vor der Frage, drei oder vier Kurse für das Semester zu belegen. Ich habe keinen Abschluss gemacht, sondern ein Semester „study abroad“ studiert. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, fakultätsübergreifend zu studieren. Da ich in Deutschland eigentlich schon scheinfrei bin, habe ich auch bunt gewürfelt nach meinen eigenen Interessen studiert. Das waren letztlich drei Kurse: Fotografie I, Event Management und International Economics, da ich Deutschland noch Wirtschaft im Nebenfach studiere. Letztlich bin ich froh, dass ich nur drei Kurse gewählt habe. Da war ich vollkommen ausgelastet. Insgesamt ist der Aufwand auf jeden Fall höher als für meine deutschen Scheine gewesen. Es war aber auch etwas Neues für mich, Menschen nach groben Rahmenvorgaben zu fotografieren und selbst gestalterisch tätig zu werden. Das hat mich in ganz besonderer Weise gefordert und mir erst ein paar schlaflose Stunden (Nächte wäre zu viel gesagt) bereitet.

Was ich besonders schön fand, war das Verhältnis zu den Professoren. Das waren für mich Ian, Lisa und Gordon. Durch diese persönliche Ansprache war auch das ganze Verhältnis irgendwie persönlicher. Die Klassen waren klein und die Lehrenden kamen aus der Praxis. Ian mein lecturer für Event Management war vorher Marketing Direktor bei Quantas (die nationale Fluggesellschaft, die vielleicht auch euch nach Australien bringt) und Gordon (der von International Economics) war vorher bei der Weltbank und hatte dann noch schnell in Oxford promoviert. Die Art und Weise Unterricht zu machen, war eine andere. Ein Teil unserer Leistung für International Economics bestand beispielsweise darin, 48 Stunden zu hungern und eine Woche so günstig wie möglich zu leben. Denn es ging um globale Armut und wir mussten einen report darüber schreiben und auch unsere Erfahrungen einbringen. Das war kein Spaß und ich war noch nie so froh, wieder was zu essen zu bekommen. Keine Angst, das Projekt war gut vorbereitet, man hätte immer unterbrechen können und es gab ein Alternativprojekt für die, die nicht hungern wollten. Für mich war es aber eine sehr interessante Erfahrung.

Alles in allem machen sich die Studiengebühren – schlappe 4.400 Euro, die ja glücklicherweise das Auslandsbafögamt für mich gezahlt hat – bemerkbar. Die Lehre ist besser, die Computerausstattung vom Feinsten und die Lehrenden und alle Angestellten der Uni interessieren sich für ihre Studenten. Studenten sind Kunden der Uni. Die Studenten anderer Länder haben übrigens immer Bauklötze gestaunt, wenn ich erzählt habe, dass ich gute 100 Euro Studiengebühren pro Semester bezahle. In fast allen Ländern sind Studiengebühren vollkommen normal und es gibt Modelle, wie auch die „Armen“ ein Studium finanzieren können. Und in Australien fließen die Mittel scheinbar in die Uni und das macht sich wie gesagt, äußerst positiv bemerkbar.

Neben der Uni stand natürlich noch Sydney in den ersten fünf Monaten im Mittelpunkt. Und in Sydney habe ich mich verliebt. In das Wahrzeichen der Stadt. Die Oper. Erst war ich ein wenig enttäuscht. Es war mein zweiter Tag in Sydney und es war ein bewölkter, grauer Tag. Dann sieht auch die Oper grau aus und man ist eh schon total überladen, denn sie ist überall drauf: auf allen Reiseführern und unzähligen Postkarten. Aber nachdem ich am Abend meines Bafög-Bescheids Anfang August (da war ich um 5.500 Euro reicher und endlich alle Geldsorgen los, da man ja schlauerweise Studiengebühren und Flugkosten vorstrecken muss) das erste Mal in der Oper war und mir „il trovatore“ von Giuseppe Verdi angesehen habe, da war es um mich geschehen. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Die Akustik war genial und in der Pause haben wir uns einen Sekt gegönnt – der mit sechs Dollar (ca. 3,50 Euro) erstaunlich günstig ist – und die Aussicht auf den Kleiderbügel (die legendäre Harbour Bridge) genossen. Abends am beleuchteten Circular Quay ist es doch am Schönsten.

Ansonsten hat Sydney als Stadt einfach total viel zu bieten. Es sind keine Grenzen gesetzt: Surfen am Bondi-Beach, Kultur ohne Ende, Feiern bis zum Umfallen oder einfach nur in einem der gemütlichen Kaffees sitzen, Leute beobachten und Zeitung lesen. Mein Geheimtipp: die summit/orbit-Bar in der George Street am Australia Square. Im 47. Stock kann man in anderthalb Stunden eine Runde im Drehrestaurant drehen und die Aussicht über die ganze beleuchtete Stadt genießen. Die Preise für die Getränke sind wirklich human. Auch wenn Sydney eine Großstadt ist, habe ich mich immer sicher gefühlt. Man sollte vielleicht nur nicht allein abends an der Central Station rumlaufen.

Ein paar Sachen habe ich vermisst. Es gab kein ordentliches Körnerbrot, so gut wie kein kariertes Papier und Lamy-Patronen habe ich erst ganz spät gefunden. Aber bei myer (dem Kaufhof von Australien) habe ich schließlich nach langem Suchen in der allerhintersten Ecke welche gefunden. Dafür gab es „Sushi to go“ zu unglaublich günstigen Preisen, der Supermarkt (BiLo und coles im Broadway Shopping Centre, ganz in der Nähe der UTS) war jeden Tag von sechs Uhr in der Früh bis Nachts um zwölf geöffnet. Da konnte man auch mal nach dem Kino einkaufen gehen. In Australien gibt es übrigens freie Platzwahl im Kino und salziges Popcorn (ein böse Überraschung…). Ich habe in Australien immer hilfsbereite Menschen erlebt. Auch beim dritten Mal Nachfragen sind sie noch freundlich geblieben und haben einen angelächelt, auch wenn man wahrscheinlich mal wieder was falsch übersetzt hat.

Ich glaube, wenn man diesen Bericht liest, dann merkt man meine Begeisterung. Dieser ganze Aufenthalt war eine unvergessliche Zeit für mich. Ich habe sehr viel über mich gelernt. Es war nicht so einfach, mutterseelenallein in die Ferne zu gehen. Aber ich habe es keine Sekunde bereut. Auch wenn es mir mal nicht so gut ging. Ich habe mich viel besser kennen gelernt, als ich es je daheim hätte können. Man bekommt eine andere Perspektive auf die Dinge, die man erlebt hat und auf den Alltag daheim. Ich habe gelernt, mich nicht mehr über Kleinigkeiten aufzuregen. Ich habe so viele tolle Menschen kennen gelernt – und habe jetzt Anlaufstellen auf der ganzen Welt.

Während ich meinen Erfahrungsbericht schreibe, läuft das Radio. Internet-Radio. Denn über das Internet kann ich FM 103.2 „The heart of Sydney“ hören und weiß jetzt genau, wo in Sydney gerade Stau ist. Das war sicher nicht mein letzter Australien-Aufenthalt. Im Moment stecke ich gerade im Examen. Das kann ich mit viel Elan angehen, ich staune immer wieder über mich selber. Ich habe in meiner Zeit in Australien viel Kraft getankt. Im Anschluss ans Semester bin ich noch zwei Monate kreuz und quer durch Australien gereist. Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben: unter dem klarsten Sternenhimmel am Ayers Rock schlafen, mit Nemo am Great Barrier Reef schwimmen und so weiter. Ich plane gerade. Im Moment noch ganz wage. Meinen nächsten Australienaufenthalt. Nach dem Studium will ich noch mal hin. Für zwei Monate und in den Westen reisen, da war ich noch nicht. Zurück nach Sydney, es ist mir alles noch so nah und so vertraut. Ich freue mich unendlich, wieder hin zu kommen.

Gerade ist auch Antje gefahren. Sie hat mich hier in Münster übers Wochenende besucht und wir haben unsere 48 Filme und tausende von digitalen Bildern ausgetauscht. Wir haben uns in Sydney in unserer WG kennen gelernt und sind im Anschluss ans Studium zusammen gereist. Da ist eine Freundschaft fürs Leben draus geworden. Allein deshalb hat sich der Aufenthalt schon gelohnt.

Australian Academic Alumni Association
© by Institut Ranke-Heinemann - Studium/Studieren in Australien und Neuseeland, 2010