Erfahrungsbericht: Auslandssemester und Praktikum in Sydney
Mein Jahr in Australien ist nun seit ein paar Wochen zu Ende und ich freue mich über meine Erlebnisse schreiben zu können, weil ich denke, dass ein Auslandsjahr für jeden eine großartige Erfahrung sein kann. Darüber hinaus hatte mein Auslandsjahr zusätzlich noch die Besonderheit, dass sich an mein Studiensemester an der University of Technology Sydney gleich ein Praktikum in Richtung meines Studienfaches planmäßig anschließen sollte. So hoffe ich, euch auch einige offene Fragen bezüglich eines Praktikums in Australien beantworten zu können.
Zu meiner Person und zur Planung des Auslandsjahres
Damit ihr aber erstmal einen besseren Einblick in mein Leben gewinnen könnt, stelle ich mich einfach einmal vor. Also ich bin Katja, 23 Jahre alt und komme aus der Stadt Cottbus in Deutschland. Seit 2003 studiere ich in Dresden Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft und Psychologie. Ich habe nach meiner Zwischenprüfung im Juli 2005 zwei Urlaubssemester genommen, um für ein Jahr nach Australien zu gehen.
Neugierig auf ein Auslandsjahr bin ich durch einen Besuch in Australien vor zwei Jahren geworden. Ich hatte damals einen Freund besucht und meine Semesterferien genutzt, um in diesem wunderschönen Land ein Praktikum zu machen und um natürlich auch mein Englisch aufzupolieren. Durch mein Praktikum in einer Werbefirma in Sydney hatte ich damals Studentinnen und Studenten kennen gelernt, die ähnlich wie ich, später in die Branche der Werbewelt eintauchen wollten. So habe ich natürlich auch gern ihr Angebot wahrgenommen, ein paar „echte“ australische Vorlesungen mit ihnen gemeinsam zu besuchen. So habe ich einen ersten Eindruck vom Uni-Leben der Studierenden in Sydney bekommen.
Im Nachhinein war dies meiner Meinung nach der entscheidende Faktor, mich für ein Auslandsjahr in Australien zu bewerben. Leider fing dies mit der Schwierigkeit an, dass meine Heimatuniversität keine Austauschverbindung mit einer australischen Universität unterhält. So habe ich kurzerhand beschlossen, mein Auto zu verkaufen, mein Erspartes zu plündern und dank der Finanzspritze meiner Eltern mein Auslandsemester selbst zu finanzieren. Ich habe es auch mit Fördermöglichkeiten durch Stiftungen oder dem Auslandsbafög probiert, jedoch war mir der Gedanke für eine finanzielle Förderung zu spät gekommen und ich war für diese finanziellen Stützen einfach zu spät dran. Daher sollte man ein Auslandsjahr frühzeitig planen, mindestens ein Jahr im Voraus.
Das Ranke-Heinmann-Institut hat mich bei meiner Bewerbung für einen Studiengang, der mein deutsches Studium wissenschaftlich erweitern sollte, sehr gut zur Seite gestanden. Ich wurde also ein Study-Abroad-Student im Studiengang Information Management. Durch die empfohlene Mehrfach-Bewerbung an verschiedenen australischen Universitäten durch das Ranke-Heinemann Institut hatte ich zum Schluss sogar die Wahl zwischen der University of Sydney und der University of Technology Sydney. Ich entschied mich für das preiswertere Semester an der University of Technology Sydney mit dem Campus im Zentrum von Sydney in einem Wolkenkratzer! Des Weiteren war für mich auch die Ähnlichkeit dieser Universität mit meiner Heimatuniversität entscheidend, da ich einige von den australischen Scheinen an der TU Dresden anrechnen lassen wollte. So hat mich mein Auslandssemester nicht allzu sehr zeitlich zurückgeworfen. Wenn man sich also im Voraus die eigene Prüfungsordnung anschaut, kann man im Hinblick auf die ausstehenden Scheine für das Hauptstudium, wie im meinen Fall, Kurse belegen, die man sich durch ihre Ähnlichkeit zum deutschen Kurs auch anrechnen lassen kann.
Nach der Ankunft – die erste Uni-Woche
Nachdem ich also meine Zwischenprüfung erfolgreich in der Tasche hatte, bin ich kurzum einen Tag später nach Australien abgeflogen, denn das Semester 2 beginnt dort schon Ende Juli. So kurz nach der Ankunft und noch mit einem Jetlag belastet, habe ich sodann gleich die Orientation Week (die australische Einführungswoche) mitgemacht und dank der tollen Organisation für Internationale Studentinnen und Studenten waren meine ersten Uni-Tage kinderleicht. Mit einer Karte und dem Grundriss des Campus in der Hand bin ich zu meinen Vorlesungen immer pünktlich gekommen, habe Campus- und Bibliotheksführungen mitgemacht und habe mich somit gut von Anfang an eingelebt. Zum Glück ist die University of Technology Sydney eine Universität mit vielen internationalen Studentinnen und Studenten, so dass ich auch schnell Anschluss fand. Als eine persönliche Empfehlung würde ich neben dem Uni-Alltag jedem raten, sich für eine der vielfältigen sportlichen Aktivitäten einzuschreiben, denn die waren auch für mich immer eine Chance neue Mitstudentinnen und Mitstudenten kennen zu lernen, um in angenehmer und netter Gemeinschaft die vielen interessanten Aktionen am Campus wahrzunehmen. Zu meinen Aktivitäten gehörte in dem Semester nicht nur das Fechten oder Tanzen, nein ich habe mich auch für die typisch australischen Sportarten wie das Surfen und Segeln angemeldet und hatte damit eines der tollsten Erlebnisse meines Australienaufenthaltes – das Segeln vor Sydneys Opernhaus und ein echtes Känguru am Strand entlang hüpfen zu sehen!
Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten beispielsweise durch Doppelbelegung oder einigen Zugangsvoraussetzungen bestimmter Kurse war ich letztendlich auch sehr mit meinen Kursen zufrieden. Sie waren nicht nur abwechslungsreich und interaktiv, sondern haben mir auch die verschiedensten Methoden der Lehre geboten, die mir bisher von meinem deutschen Studiengang noch unbekannt waren. So zum Beispiel die Integration des Internets zum Erfahrungs- und Wissensaustausch begleitend zum Unterricht. Ich habe daher nicht wie in Dresden nur bloße Theorien vorgetragen bekommen. Vorlesungen beispielsweise zu sozialwissenschaftlichen Theorien wurde mit Stadtrundgängen, diversen Einlandungen von unterschiedlichen Autoren und interaktiven Präsentationen von Statistikern unterhaltsam und interessant gestaltet. Ich möchte keines Falls damit mein deutsches Studium kritisieren, aber ehrlich gesagt, habe ich es schon genossen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden, das eben am anderen Ende der Welt die Dinge anders angepackt und präsentiert werden.
Wohnungssuche und soziales Kontakte knüpfen
Zu solchen Dingen gehört auch die Suche nach Wohnungen. Ich habe mein australisches Heim über das Internet gefunden. Besonders die Seite www.domain.com.au und die Onlineseite der Zeitung ‚The Sydney Morning Herold’ waren dabei sehr hilfreich. Was genau an der Wohnungssuche unterschiedlich ist, sind die Planungszeiten. In Sydney rennt man nicht schon wie in Dresden wochenlang vor dem Auszug los und sucht nach neuen Wohnungsangeboten oder Nachmietern. In Sydney passiert das alles innerhalb von zwei Wochen. Vom Anruf bis zum Einzug braucht man durchschnittlich noch nicht einmal diese Zeit, zumindest war das bei mir nicht der Fall. Das war für mich nicht nur sehr beruhigend, sondern auch praktisch. Denn wenn man sich spontan entscheiden sollte, in eine Wohnung am Strand zu ziehen – und sei es nur für die letzten Wochen in Sydney – dann konnte man sich diesen Traum schnell erfüllen, wie es ein paar meiner Freunde auch wirklich getan haben.
Ich habe in diesem Jahr in einer WG in einen Terrace-House in Redfern gewohnt und dort mit noch drei weiteren Mitbewohnern einen Garten, eine Hauskatze, ein Esszimmer und ein Wohnzimmer geteilt. Gerade das Zusammenleben mit Australiern und Europäern gehört mit zu den besten Ratschlägen, die ich euch noch mitgeben kann. Man lernt dort nicht nur das typische Leben oder Freunde zum Weggehen kennen, auch der berufliche oder universitäre Erfahrungstausch untereinander kann für das Vorankommen bei dir selbst von Vorteil sein. Bei mir persönlich bedeutete dies, dass ich schnell von freien Ferienjobs erfahren habe oder neue Leute kennen gelernt habe, die wiederum auf Reise gehen wollten und noch Reiselustige suchten. Alles in allem ist dieser interkulturelle Austausch nur von Vorteil, man lernt von anderen Ländern und Leuten und vielleicht auch noch neben Englisch eine weitere Sprache in seinem Auslandsjahr…
Nachdem ich also mein Semester mit vielen Präsentationen und Prüfungen absolviert hatte, bin ich für ein paar Tage mit Freunden nach Melbourne geflogen. Wir wollten uns nach unserem Auslandsjahr etwas entspannen, aber auch die letzten gemeinsamen Tage genießen, denn für viele stand der Abreisetermin schon vor der Tür. Melbourne ist zwar nicht gleich um die Ecke von Sydney. Ich möchte trotzdem jedem empfehlen, wenn möglich Melbourne zu erkunden, denn diese Stadt ist ganz anders als Sydney. In meinen Augen ist Melbourne europäischer, man kann viel Kunst und Kultur erleben, toll einkaufen gehen und in schmalen Gassen das australische Hobby von einem frisch aufgebrühten Kaffee mit genießen.
Praktikumssuche und australische Jobwelt
Dieser Kurzurlaub sollte aber noch nicht das Ende meines Aufenthaltes sein. Während meiner Semesterferien und den wunderschönen warmen Weihnachtsfeiertagen, habe ich mit Hilfe der „Yellow Pages“ von Australien nach Praktikumsplätzen gesucht und mich bei zahlreichen Firmen in Richtung meines Studienganges beworben. Dabei musste ich schon zwei Monate von den ersten Anschreiben im Dezember bis zum Beginn meines Praktikums im Februar einplanen. Diese Monate habe ich aber mit ein paar kleinen Jobs (u.a. Verkehrzählungen und Promotionsjobs) von Uni-Ausschreibungen oder Anzeigen auf der Website www.seek.com.au überbrückt und mein Warten hatte sich gelohnt. Ich habe dann Ende Februar 2006 zwei Praktika im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit der Dauer von fünf Monaten begonnen. Als Hinweis kann ich hierbei also sagen, dass man Geduld aufbringen muss und auch den Mut, bei einigen Firmen einfach anzurufen und nachzuhaken. Oft habe ich Jobs verpasst, weil ich mich an die Regeln einer Online-Bewerbung gehalten habe und dann die letzte freie Position verpasst hatte, weil andere Bewerber per Telefon einfach schneller waren. Außerdem sind Australier sehr relaxt und daher dauert alles seine Zeit, nur leider hat man diese oft nicht und so sollte man sich doch ab einer gewissen Zeit per Telefon erkundigen, wie es um den Bewerbungsstand ausschaut.
Für mich waren diese Praktika eine wertvolle Erfahrung wie das Arbeitsleben der Australier so aussieht. Hinter den großen Bürofassaden mit seinen Krawatten-Angestellten begegnet einem keine steife Arbeitsatmosphäre, sondern eher ein lockeres und freundschaftliches Verhältnis. Es kommt sogar vor, dass der Chef dem Praktikanten einen Kaffee bringt!
Alles in allem sind die Australier Ausländern gegenüber aufgeschlossen, sie leben die Multikulti-Gesellschaft und halten die Augen nicht geschlossen vor eifrigen Studenten, die Arbeitserfahrungen sammeln wollen. Jedoch solltet ihr beachten, dass ein gewisses Grundwissen nicht nur an Englisch, sondern auch in eurem Studiengebiet wichtig ist. Durch den verbreiteten Bachelor-Studiengang gibt es nämlich eine Schwämme an ausgebildeten australischen Studentinnen und Studenten, die auch auf der Suche nach dem richtigen Praktikumsplatz sind und daher ist die Konkurrenz groß.
Meine Rundreiseplanung und Reisefieber
Nach dem Ende meiner Praktika habe ich mich auch bald auf die Ankunft meiner Eltern gefreut. Meine Schwester war schon früher zu mir nach Australien gereist und gemeinsam haben wir vor Ort eine Familien-Rundreise geplant. Man findet zwar auch viele vorbereitete Reisen und Routen, jedoch kann man viel Geld sparen und seine eigenen Vorstellungen realisieren, wenn man sich im Reisebüro, im Flight Centre und im Internet eigene Anregungen holt und die Reiseroute dann selbst plant. Zu unseren Zielorten gehörten Melbourne, Ayers Rock, Cairns und Brisbane sowie sämtliche dazwischen liegende Städte entlang an der Ostküste Australiens. Leider ist Australien so groß, dass einen nur das Flugzeug wirklich schnell und effektiv von einem Ort zum anderen bringt, aber preislich ist dies sehr wohl machbar. Die drei gemeinsamen Wochen zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester waren sehr schön, interessant und abenteuerlich und haben mir viele schöne Naturseiten Australiens aufgezeigt. Aber auch die Schattenseiten der ausgeprägten Gifttierwelt. So habe ich die Bekanntschaft mit einer zwar harmlosen aber dennoch schmerzhaften Qualle gemacht und kann sodann gleich den warnenden Finger heben – wirklich nicht in der Quallensaison baden gehen, noch nicht einmal am Wasser unachtsam entlanglaufen! Zum Glück war dies auch der erschreckendste Zwischenfall unserer Reise und meines gesamten Aufenthalts und ich kann ansonsten jedem empfehlen, sich vor seiner Rückreise in die Heimat ein paar der australischen Sehenswürdigkeiten anzusehen.
Mit dem Ende unseres gemeinsamen Urlaubs kam bei mir leider auch die traurige Gewissheit, dass mein Jahr in Australien dem Ende entgegen geht. Wenn ich zurückblicke, ist dies viel zu schnell eingetreten. Für mich war es ein schönes Jahr, erfahrungsreich, abenteuerlich und keinesfalls langweilig. Man wird durch solch ein Jahr nicht nur reifer, sondern entwickelt auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge.
Ich habe als eine große Erfahrung für mich mitgenommen, dass es noch andere schöne Plätze weit weg von Deutschland gibt. Aber auf der anderen Seite ist für mich auch meine Heimat schöner geworden. Ich habe nämlich nicht nur viele Australier kennen gelernt, die Europa faszinierend finden, sondern ich konnte auch aktiv dazu beitragen, dass die Welt enger zusammenrückt, indem wir offen für neue Erfahrungen sind und uns gegenseitig neugierig machen. Hinzu kommt aber auch unser Mut, der uns manchmal bis zum anderen Ende der Welt führt, um vor Ort ein Land zu entdecken, von dem ich vorher nur Bilder von Kängurus und Koalas sowie vom Ayers Rock im Kopf hatte.