Austauschsemester an der University of Technology in Sydney (UTS)
Janine Bielefeld
Studium an der UTS
Ich habe an der UTS im sogenannten Frühlingssemester von August bis Dezember 2001 studiert. Vorher hatte ich mein Vordiplom erreicht und zwei Semester im Hauptstudium absolviert. Die akademischen Anforderungen an der UTS sind (aus meiner Sicht) geringer als hier bei uns. Ich habe drei Kurse innerhalb des MBA Programms belegt und bin in allen Kursen gut zurecht gekommen. Die Sprache stellte innerhalb der Uni eigentlich kein Problem dar; in den „Postgraduate“-Kursen sind etwa 80% der Studenten nicht in Australien geboren, die meisten stammen aus Asien und sprechen sehr schlecht Englisch. Die Dozenten sind darauf in der Regel sehr gut eingestellt und sprechen langsam und deutlich. In meinem „Managing People“- Kurs war die Dozentin selbst Asiatin und konnte sich auch nicht so richtig gut ausdrücken. Das führte dann zu sehr lustigen Situationen, in denen sich die asiatische Dozentin verzweifelt bemühte, den größtenteils asiatischen Studenten, etwas auf Englisch zu erklären. Hoffnungslose Sache, aber sehr amüsant. Man sollte sich als deutsche/r Student/in überhaupt darauf einstellen, dass vieles an australischen Unis anders ist und sich selbst den Gefallen tun, diese Unterschiede von der komischen Seite zu betrachten. Ansonstenkann man schnell wahnsinnig werden, vor allem in den allseits beliebten Arbeitsteams. Es erweitert schon sehr den Horizont, wenn man mit 5-6 Studenten aus 5 verschiedenen Ländern versucht, einen Aufsatz zu erstellen. Der eine baut in einem Satz vier Fehler ein, die nächste hat noch nie mit einem Textverarbeitungsprogramm gearbeitet, einige tauchen nie auf und wieder andere fassen jede Art von Kritik als Kriegserklärung auf. Aber es kann eben auch sehr lustig sein und gut für das Selbstbewusstsein ist es auch. Wer lieber mit möglichst vielen „Aussies“ studieren will, sollte sich für die Abendkurse eintragen oder gleich ins „Undergraduate“ Programm gehen. Dort ist der Anteil ausländischer Studenten wohl nicht ganz so hoch. Allerdings sollte man wissen, dass man als „Postgraduate“ einige Vorteile genießt. Die Klassen sind kleiner, man sitzt in netten gepolsterten Stühlen, eine Lounge mit gratis Kaffee und Tee steht zur Verfügung und man bekommt sämtliche Vorlesungsunterlagen vom Dozenten in der Klasse ausgehändigt, man muss also nichts selbst kaufen oder kopieren.
Kurswahl + Einschreibung
Neben „Managing People“, habe ich noch „Managerial Marketing“ und „Economics for Management“ belegt. Der Marketing Kurs war nicht schlecht und da man einen eigenen Marketing Plan für ein real existierendes Unternehmen erstellen musste, wurde auch sehr praxisorientiert gearbeitet. Die anderen Kurse waren mir zu anspruchslos, aber man sollte sich als Austauschstudent ja nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Ansonsten lässt sich zur UTS noch sagen, dass man immer etwas Geduld mitbringen sollte. Die Einschreibung beispielsweise, erfolgte zwar während der Orientierungswoche und es waren auch einige „Experten“ vor Ort, die uns helfen sollten, aber leider hatten die auch nur sehr begrenzt
Ahnung von der ganzen Sache. Aber mit etwas Ausdauer und höflicher Bestimmtheit bekommt man doch meistens, was man gerne hätte. Die Orientierungswoche sollte man meiner Meinung nach mitmachen, wenn das zeitlich möglich ist. Es werden einem zwar keine sensationellen Informationen geliefert, aber man lernt sofort andere Studenten kennen und bekommt einige gratis Getränke und Häppchen auf den diversen Empfängen. Eigentlich sollte man auch wohl den Campus gezeigt bekommen, aber in meinem Fall hat das nicht so toll geklappt. Der Student, der diese Führung gemacht hat, hatte noch einen ordentlichen Kater von der Party am Vorabend und war ein Totalausfall. Womit ich beim eigentlichen Grund für die Teilnahme an der Orientierungswoche angelangt wäre. Es werden einige Feten gefeiert und man sollte auf jeden Fall auch den Kneipenrundgang mitmachen, der wohl in jedem Semester angeboten wird. Ausserdem werden verschiedene Ausflüge und Touren angeboten, die teilweise sehr interessant sind. Das bringt mich dann wohl endgültig zu den nicht - akademischen Aktivitäten.
Leben in Sydney und Ausflüge
In Sydney würde ich vor allem den Bridge Climb über die berühmte Harbour-Bridge empfehlen, ausserdem sollte man natürlich die diversen Strände alle mal besucht haben. Man kann an vielen Stränden umsonst Grillstellen benutzen und dem Lieblingszeitvertreib der Australier nachgehen: Barbecues ! Ich fand auch den Beach Walk vom Coogee Beach zum Bondi Beach sehr schön. Ausserdem würde ich empfehlen, mal einen Surfkurs zu belegen, auch wenn ich eher baden gegangen bin, anstatt auf dem Brett zu stehen. Aber einen Versuch ist es wert, es muss schließlich nicht zwangsläufig jeder so gleichgewichtsgestört sein. Weitere schöne Ziele sind Zoo, Aquarium, Olympischer Park, Royal National Park und natürlich die Blue Mountains (falls da nicht gerade alles abgebrannt ist?!?). Man kommt überall recht preiswert mit Bus und Bahn hin, vor allem da Duisburger Studenten als Austauschstudenten eine Concession Card bekommen, mit der man zum halben Preis fährt. Normale Studenten aus dem Ausland bekommen die nicht, auch wenn sie 6000 AUD pro Semester bezahlen müssen. Wer es sich traut, kann für weiter entfernte Ziele auch einen Leihwagen mieten, aber ich warne vor dem Linksverkehr. Selbst als Fußgänger ist man schon extrem gefährdet, weil man den Verkehr intuitiv immer von der anderen Seite erwartet. Für Autofahrer ist es dann wohl noch viel schwieriger, jedenfalls hatten wir auf dem Weg nach Canberra noch in Sydney gleich einen Unfall (nein, ich bin nicht gefahren, nix mit „Frauen am Steuer“ !!!!). Canberra fand ich übrigens recht unspektakulär, die Stadt wirkte auf mich leer und künstlich (ist ja auch eine geplante Stadt) und die deutsche Botschaft war auch eine herbe Enttäuschung. Während einige Länder die reinsten Tempel und Paläste gebaut haben, sieht die deutsche Botschaft aus wie eine Bausünde aus den 70ern. Aber vielleicht sollte man die australische Hauptstadt trotzdem mal besuchen, von Sydney aus ist das als Tagesausflug machbar. Mitten im Semester hat man übrigens eine Woche Ferien oder vorlesungsfreie Zeit, was auch immer , ich habe die Zeit sinnvoll genutzt und habe eine Camping Tour im Outback mitgemacht. Diese beliebten 3-5 tägigen Touren zum Ayers Rock und anderen tollen Orten sind nicht unbedingt billig, aber eine echte Erfahrung. Mir hat es sehr gut gefallen, obwohl ich eigentlich kein Freundin des Camping bin. Stundenlang über einsame Strassen durch das „rote Zentrum“ des Landes zu fahren und Lagerfeuer unter einem ganz klarem Sternenhimmel zu machen war dann eben doch mal was ganz anderes, auch wenn es reichlich kitschig klingt. Ich habe übrigens darauf verzichtet, auf den Ayers Rock zu steigen und stattdessen an einer Führung mit einem Aborigine um den Felsen teilgenommen. Der Aufstieg ist offiziell erlaubt, aber es sprechen meiner Meinung nach gute Gründe dagegen. Erstens lernt man bei einem geführten Rundgang viel mehr über die sehr interessante Kultur der „Ur-Australier“, zweitens ist der Aufstieg extrem zeitraubend, anstrengend und wird oft unterschätzt und drittens ist der „Uluru“ ein Heiligtum für die Aborigines, die deshalb darum bitten, auf den Aufstieg zu verzichten. Einige Touristen stört das zwar wenig, aber Benehmen ist eben Glückssache. Da es auch in Australien Feiertage gibt, habe ich ein langes Wochenende genutzt, um mit dem Zug nach Melbourne zu fahren. Normalerweise gibt es da wohl auch sehr günstige Flüge, aber ich war während einer Krise im australischen Inlandsflugverkehr unterwegs und da war die Zugfahrt eben doch viel billiger. Melbourne hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich Sydney doch noch vorziehe, weil es einfach lebhafter ist. Von Melbourne aus kann man gute Tagestouren zur berühmten Great Ocean Road machen, die auch unbedingt sehenswert ist. Wer so eine Tour machen will, sollte sich allerdings gut über die Preise informieren, die Unterschiede sind groß. Ich habe diese Fahrt in Verbindung mit Übernachtungen in einer Jugendherberge in Melbourne gebucht und dabei viel gespart. Die Jugendherberge war übrigens weitaus besser als die in Sydney, in der ich während der ersten Tage nach der
Ankunft gewohnt habe.
Unterkunft + Zimmersuche
Allgemein sind die Jugendherbergen und sonstigen Billigunterkünfte in Australien recht gut, man ist auf die große Zahl junger Rucksacktouristen und Studenten eingestellt. Aber wie schon erwähnt, die Jugendherbergen in Sydney kann ich nicht unbedingt wärmstens empfehlen. Vielleicht lässt man sich da doch besser vom Housing Service der UTS eine Unterkunft für die ersten Tage vermitteln oder man leistet sich ein Hotel. Natürlich kann man auch ein paar Tage in einer nicht so tollen Umgebung verbringen, aber gerade in der ersten Zeit ist man doch sehr angespannt und gestresst: fremde Stadt, fremde Sprache, Wohnungssuche, man kennt niemanden, usw. . Da sollte man sich nicht auch noch über dreckige Toiletten, durchgelegene Matratzen, laute Zimmergenossen und ständig geschlossene Rezeptionen ärgern müssen. Aber ich will auf gar keinen Fall jemanden entmutigen, es ist eigentlich nicht so schwer eine bezahlbare Bleibe zu finden und die Eingewöhnung erfolgte bei mir auch sehr schnell. Ich habe in Glebe gewohnt, etwa 10 min mit dem Bus von der Uni entfernt und habe für ein Zimmer in einer 2er WG mit großer voll eingerichteter Küche 140 AUD bezahlt. Die Mietpreise in Sydney kann man natürlich nicht mit denen hier in Duisburg vergleichen, man sollte sich schon auf 120-160 AUD pro Woche einstellen, wenn man nicht zu sehr ausserhalb wohnen will. Ich habe mich in dem Apartment sehr wohl gefühlt, vor allem, weil die Vermieter im selben Haus wohnten und mir bei allen möglichen Dingen geholfen haben. Natürlich gibt es auch extrem nervende Vermieter und es ist nicht unbedingt immer empfehlenswert mit denen in einem Haus zu wohnen, aber das ist ja hier auch nicht anders. Da Mietverträge in Sydney praktisch jederzeit gekündigt werden können (wenn man überhaupt einen unterschreibt), ist es möglich, erst einmal eine provisorische Lösung zu suchen und sich dann nach einer besseren Unterkunft umzusehen.
Reiseerfahrungen + Fazit
Jetzt aber zurück zu meinen Reiserfahrungen. Wenn man die Prüfungen am Ende des Semesters hinter sich hat, sollte man auf jeden Fall noch etwas im Land umherreisen. Australien ist wirklich wunderschön und bietet sehr viele verschiedene Landschaften. Ich bin am Ende meines Aufenthalts noch nach Queensland geflogen, um mir den tropischen Regenwald und das Great Barrier Reef anzusehen. Den Regenwald habe ich mir nicht nur tagsüber, sondern auch während einer Nachtführung angesehen, die unbedingt empfehlenswert ist. Man stolpert mit einer riesigen Taschenlampe durch den Wald, hört die merkwürdigsten Geräusche, bekommt Krokodilsaugen gezeigt, die im Wasser aufleuchten und sieht alle möglichen Arten von Echsen, Fröschen und Spinnen und Baumkänguruhs. Wer nicht viel Zeit und/oder Geld zum Reisen hat und sich für ein Ziel entscheiden muss, dem würde ich auf alle Fälle das Great Barrier Reef empfehlen. Es ist einfach unglaublich, was man da an Fischen, Korallen, Schildkröten, Muscheln, Seegurken, usw. zu sehen bekommt. Dabei war ich auch nur Schnorcheln, weil mir die angebotenen Tauchkurse zu teuer waren. Aber das Riff liegt teilweise nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche, so dass man auch als Schnorchler eine Menge sieht. Ich war im Dezember dort, und hatte mit dem Wetter richtig Glück. Das Wasser hatte Badewannentemperatur, es war windstill und sehr sonnig. Eigentlich ist die beste Reisezeit aber Mai bis November, im Dezember beginnt schon die Regenzeit im tropischen Queensland.
Ich kann nur jedem dazu raten, sich für ein Auslandssemester zu entscheiden. Es bringt jede Menge Spaß, viele Erfahrungen und man entdeckt vielleicht auch ein paar neue Seiten an sich selbst. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich mir einen Regenwald voller riesiger Spinnen ansehen kann ohne einen Dauerschreikrampf zu erleiden. Noch weniger hätte ich mir selbst einen Bungee Sprung zugetraut, bei dieser Gelegenheit habe ich dann allerdings eine Schreikrampf erlitten. Ich habe so laut in den Wald reingebrüllt, dass selbst Tarzan neidisch geworden wäre (Ist mir auc h ein wenig peinlich, aber immerhin weiß ich jetzt, wie laut ich schreien kann).
Janine Bielefeld