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JANUAR – JUNI 2008
ERFAHRUNGSBERICHT SYDNEY, AUSTRALIEN

Semester 1, 2008 an der University of Sydney (USYD)

Anfang 2008 verbrachte ich ein halbes Jahr in Australien und studierte das erste Semester von März bis Juni 2008 an der University of Sydney. Mein rückblickend geschriebener Erfahrungsbericht wird versuchen, für alle zukünftigen oder potenziellen Sydney-Studenten mit nützlichen Tipps und Fakten aufzuwarten anstatt zu sehr eine Ode an das Auslandssemester in Australien anzustimmen. Wobei sich das wohl nicht gänzlich vermeiden lässt. All meine Erfahrungen sind jedoch – wie nicht anders zu erwarten – subjektiv und von äußeren Einflüssen geprägt, sodass völlig gegensätzliche Meinungen entstehen können. Erfahrungsberichte - wie auch Reiseführer - können und wollen keine Bibel sein. Die genannten Preise im Folgenden sind in Australischen Dollar (AUD) und entsprachen zu meinem Zeitpunkt einem Wechselkurs von 1 AUD = 0,60 € und sind als Richtwerte zu sehen.

Das Bewerbungsverfahren und Vorbereitung

Dank Ranke-Heinemann wird einem die Bewerbung an einer australischen Universität stark erleichtert, sodass ich mich erst Anfang Oktober für ein Studium in Australien ab März des folgenden Jahres entschieden habe. Alle nötigen Unterlagen organisiert, zu RH geschickt und nach wenigen Wochen war die Zusage da. Das Studentenvisum kann man online bei der australischen Botschaft beantragen, teures Vergnügen mit 400 AUD. Bei der Einreise genügt der Reisepass; ein schneller Blick in den Computer und man ist auf australischem Boden. Für den Flug nach Australien empfiehlt sich ein Blue Ticket von STA Travel, bei dem der Rückflug zwar festgelegt wird, aber recht günstig umgebucht werden kann (im Bereich 30-50€). Eine große Sache ist natürlich auch das Around the World Ticket, sollte jedoch frühestmöglich gebucht werden. Ansonsten empfiehlt es sich einen Zwischenstopp in Asien einzulegen, da das Aussteigen im Regelfall nichts kostet und man sich so den anstrengenden Flug aufteilt. Der günstigste Flug Anfang Januar war über Seoul für 1200€, da ich aber Thailand Südkorea vorzog, flog ich für 150 € mehr über Bangkok. Südostasien ist ganzjährig einen Zwischenstopp wert, nach einem anstrengenden Semester in Australien - wo im Juni / Juli ein süßer Winter einkehrt - ein tolles Fleckchen Erde zum Feiern und Regenieren. Zu beachten: Kurz vor Silvester werden Flüge nach Sydney enorm teurer, die Stadt ist in diesem Zeitraum völlig ausgebucht, wer nichts findet schläft im Park. Aber die Begrüßung des neuen Jahres bei Sommertemperaturen im dann explodierenden Sydney soll ein Highlight sein. Weiterhin verlief meine Umbuchung des Rückflugs schwierig, da kurzfristig fast kein Platz nach Asien mehr zur Verfügung stand. Wer mag schon 15 Grad im Winter? Und schließlich sind 20 kg Maximum an Gepäck eine Qual, da die Fluglinien bei stark steigenden Kerosinpreisen kleinlicher werden. Aber man hört immer wieder Geschichten von lieb lächelnden International Students mit über 30 kg. Ich hatte 3 Pullover und eine Jacke an, Emirates war kleinlich. 50 € pro Extrakilo – ein Schnäppchen. Bei meiner Anreise flog ich ohne Zwischenstopp nach Sydney und benötigte zwei Tage, um Schlaf nachzuholen und mich an die neue Zeit zu gewöhnen. Im europäischen Winter sind es 10 Stunden Zeitunterschied, im Sommer 8 Stunden, die Zeitumstellungen erfolgen relativ zeitnah.

Wohnen in Sydney

Die Wohnungssuche gestaltet sich, wie in jeder Großstadt üblich, im Zentrum als relativ schwierig und zeitaufwendig. Die Homepage http://www.gumtree.com.au ist hierfür Anlaufpunkt Nummer eins. Vor Angeboten, die einfach zu gut klingen, sollte man auf der Hut sein. Besonders wenn der Vermieter sich aus ominösen Gründen im Ausland aufhält und nach Geldeingang den Schlüssel zusenden will. Mietpreise sind pro Woche, Kaution entspricht meist der Kündigungsfrist, in der Regel wenige Wochen. Ich fand ein großes Zimmer in einer WG direkt am Darlington Campus meiner Universität für 130 AUD die Woche, die meisten meiner Freunde zahlten jedoch im Regelfall 160 AUD-260 AUD die Woche. Pro Monat muss man also schon allein mit über 500€ Mietskosten rechnen. Mit etwas Glück erhält man auch ein Zimmer auf dem Campus in einem schönen Wohnheim für 160 AUD, aber viele Zimmer sind sowohl überteuert als auch in schlechtem Zustand. Ebenso gibt es regelrechte Wohntürme in der Innenstadt mit eigenem Schwimmbad und Fitnessraum. Man teilt jedoch sein Zimmer mit einem Roommate und zahlt immer noch stattliche 150 AUD; aber eine sehr beliebte Art und Weise in Sydney, die hohen Mietspreise zu mildern. In der Nähe eines Bahnhofs zu wohnen ist von großem Vorteil für Fahrten in die CBD und an den Strand. Der schwierigste Zeitraum, etwas zu finden ist wohl im Australischen Sommer vor Beginn des Semesters im Februar, wenn auch die arbeitswilligen Backpacker und Surfer die Stadt besiedeln. Ab April geht es dann wieder etwas gemächlicher zu. Hier einige mögliche Wohngegenden:

Manly: Ein Traum für Surfer und Sonnenanbeter, denen die weite Reise zur Universität (ca. 1,5h) und die weite Heimreise nach dem Feiern in der Stadt nichts ausmacht. Eine halbe Stunde Fähre pro Fahrt inklusive für tolle Sonnenuntergänge und Unilektüre. Jedoch mit starkem Hang zur Vernachlässigung des Studiums.

Bondi: 45 min. Anreise zur Universität von Bondi Junction mit dem Zug (Bondi Junction zur Central Station 14 min.), mit eigenen Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten, Bondi Beach 30 min. zu Fuß oder 10 min. mit dem Bus entfernt. Angenehme, ruhige Wohngegend, Nachtbusse aus dem Zentrum, wegen Strandnähe teurer.

CBD: Super zentral zum Ausgehen, Joggen im Botanischen Garten, Spazieren zum Circular Quay mit Oper. Total hektisch, besonders zur Mittagszeit wenn die Geschäftswelt in die Food Courts strömt. Keine klassische europäische Innenstadt, nur ein kleines Stück auf der Pitts Street ist für den Verkehr gesperrt. Town Hall jedoch immer ein toller Treffpunkt. Teuer.

Darlinghurst, Kings Cross: Je nach Ecke ruhiger oder belebter, mit Ausgehmöglichkeiten je nach Geschmack auf der Oxford Street oder um die Darlinghurst Road in Kings Cross. Neben den Hostels an der Central Station sind die meisten in Kings Cross, das am Wochenende von den Australiern zum Ausgehen überflutet wird. Wer das Rotlichtviertel in Amsterdam mag, sollte sich hier wohlfühlen.

Glebe, Newtown, Chippendale, Darlington, Annandale, Leichhardt: Die Vororte Sydneys um die beiden Hauptcampusstandorte Darlington und Camperdown der Universität Sydney gelegen sind etwas preiswerter und dennoch schön zentral. Vom Campus sind es wenige Minuten mit dem Bus in die Stadt. Während Glebe und Newtown reges Studentenleben in ihren vielen Bars und Restaurants bieten, sind Annandale und Leichhardt etwas ruhiger. Viele Familien leben hier.

Redfern, Surry Hills: Auf Grund ihrer Nähe zu den beiden Bahnhofsstationen Redfern und Central Station nachts an manchen Ecken nicht gerade der sicherste Flecken, betrunkene und bettelnde Aborigines an Redfern Station, heruntergekommenes Stück auf der Regent St. Jedoch auch viele nette Wohnungen und Straßen, besonders in Surry Hills auch tolle Bars mit Live Musik. Am besten vor Ort die Wohngegend besichtigen.

Die Universität

Die Universität mit ihren über 40.000 Studenten ist die älteste in Australien und bietet mit ihren teils - für Sydney - relativ alten Gebäuden eine angenehme Atmosphäre. Die beiden Campusstandorte Darlington und Camperdown werden durch die City Road getrennt, wo auch der Bus aus der Innenstadt hält. Bankautomaten gibt es überall (Westpac – der australische Partner der deutschen Bank befindet sich auf dem Darlington Campus), ebenso Food Courts und weitere Einkaufsmöglichkeiten. Das große Kaufhaus Broadway mit Supermärkten und Dutzenden von Läden ist nordwestlich des Campus direkt am Victoria Park. Internet kostet ab einer gewissen Untergrenze Geld, die jedoch eingehalten werden kann, falls man seine Internetaktivitäten auf das nötigste begrenzt.

Die Preise für Nahrung und Sport entsprechen regulären Preisen und sind keineswegs von der Universität subventioniert. Günstigere Fitnessstudios findet man zum Beispiel in Kings Cross, günstigeres Thai Food in Newtown. Ein halbes Jahr Fußballspielen in der Unimannschaft hätte mich 350 AUD gekostet. Die Studiengebühren betrugen zu meiner Zeit 10.000 AUD.

Die Büchereien auf dem Campus machten einen organisierten aber auch etwas veralteten Eindruck. Die Dozenten stellten den Studenten jedoch ausreichend Lektüre sowohl online als auch in einem extra Bereich der Fisher Library oder anderen zur Verfügung.

Das australische Notensystem gilt als eines der härteren weltweit; die Noten werden in Prozentpunkten angegeben, wobei man bei 50% besteht (PASS). Über 75% werden jedoch sehr selten vergeben. Bei der Umrechnung der Noten an der Heimatuniversität wird dies jedoch im Regelfall berücksichtigt, falls dem jeweiligen Prüfungsausschuss Daten über die australische Notenverteilung vorliegen. Die Evaluation der Kurse richtet sich je nach Fachbereich und besteht häufig aus Examen und Essay (kleine Hausarbeit auf akademischem Niveau im Bereich von 1000-5000 Wörtern, meistens mit geforderter Mindestquellenzahl [8-20]). In Geographie z.B. kamen noch Case Study, 2 Präsentationen, Internetdiskussionsforum und zweites Examen hinzu. Der Arbeitsaufwand war folglich für mich während des Semesters deutlich höher als gewohnt, die Final Exams zählen dafür nur noch einen Bruchteil und ich konnte die Hälfte meiner Examination Preparation Week für Freizeitgestaltung nutzen.

Anwesenheitspflicht gab es nur in den Tutorials, die Folien der Vorlesungen waren online verfügbar, wodurch sich die Studienplanung flexibler gestalten ließ. Das Niveau der Kurse hängt vom Jahr ab. In einem Standardkurs des ersten Jahres finden sich noch viele 17jährige australische Studenten, die zum ersten Mal etwas von Neoliberalismus hören. Die Undergraduate Kurse des zweiten und dritten Jahres werden schon einiges schwieriger, ebenso die Postgraduate Kurse. Wer bis zur 13. Klasse Englisch in der Schule hatte dürfte nur geringfügige Probleme mit der Sprache haben, auch Dozenten mit starkem australischem Dialekt versteht man recht schnell. Sehr viel Rücksichtnahme als internationaler Student bekam ich nicht zu spüren, was auch daran lag, dass es wohl nicht nötig war und wahnsinnig viele internationale Studenten an der Universität Sydney studieren, vor allem aus dem asiatischen Raum und den USA.

Die Stadt

Ja, Sydney ist großartig, aber riesig. Entdeckt es am besten selbst. Die Kombination aus Strand und Nachtleben ist hier einzigartig. Tolles Klima (manchmal 20 Grad zur Mittagszeit im Winter), wenig Regen. Wenn es regnet, dann meistens nur sehr kurz. Habe nie eine Jacke gebraucht. Schnee gab es in Sydney im Juli 2008 zum ersten Mal seit über 100 Jahren. Kulturangebote gibt es auch massig. Bei Australiern sehr beliebt sind Festivals, die zwar in den meisten Fällen teuer sind, aber ihren Eintrittspreis wert. Viele berühmte und weniger berühmte, aber klasse Bands, Essen und Trinken und klasse Stimmung. Die vielen Museen der Stadt bieten eine angenehme Abwechslung zu den Grillabenden und Tooheys-Nächten. Australien ist das Land der Sportbegeisterten, Jogger sieht man überall. Im Botanischen Garten kann man bei Flughunden und Kakadus (und Tauben…) sich mit Freunden wunderbar die Zeit vertreiben.

Ausgehmöglichkeiten: Der Klassiker Sidebar unter dem Wakeup-Hostel bei Central Station (DER Backpacker-Hort), Darling Harbour mit seinen vielen Bars, Restaurants und Clubs, Surry Hills (Bars mit Live Bands), Kings Cross zum Tanzen oder Trinken (z. B. Worldbar) und natürlich die Studentenbars in Newtown und Glebe (z. B. Marly Bar in Newtown u.v.m.). Einige weitere Anlaufstationen sind z.B. North Sydney, Manly oder Bondi Beach.

Das Land

Ein Klassiker ist die Ostküste von Sydney bis Cairns mit Stationen u.a. in Byron Bay, Surfer’s Paradise, Brisbane, Fraser Island, Whitsunday Islands und dem Great Barrier Reef vor Cairns. Die Hauptroute vieler Reisender mit vielen Partys. Melbourne, in ständiger Konkurrenz mit Sydney ist 1000 km entfernt und mit dem Billigflieger von JetStar mit etwas Glück für 50 AUD one way zu erreichen. Europäischer und klimatisch etwas rauer, ist die Stadt auf jeden Fall einen Besuch wert. Und die Great Ocean Road ist fast um die Ecke. Canberra kann man getrost auslassen. Oder für einen Tagesausflug hin. Perth ist nicht ohne Grund die am abgelegensten liegende Großstadt der Welt, aber die Westküste soll ein Traum sein. Und schließlich das Outback mit Uluru war für viele Australienreisende das Highlight schlechthin mit Fahrtmöglichkeit nach Darwin in den Kakadu-Nationalpark. Günstig von Sydney nach Alice Springs zu fliegen ist nicht so leicht, da nur Qantas die Strecke bedient und man one way nicht unter 250 AUD kommt. Ab Melbourne fliegt Tiger Airways jedoch sehr günstig. Wer seinen Trip nicht komplett selbst mit LonelyPlanet und Co planen will, kann sich in einem der vielen Reisebüros wie PeterPans günstigere Gesamtpakete zusammenstellen lassen (z.B. Fraser in Kombination mit Whitsundays spart Geld). Man gibt jedoch Flexibilität auf. In der Regenzeit sind Überflutungen nicht selten und die Strecke nach Airlie Beach wird schon einmal unpassierbar. Cairns war für mich trotz schlecht gewählter Jahreszeit (Ende Januar) ein toller Aufenthalt, da tagsüber immer schönes Wetter war und die Regengüsse meistens nur abends und nachts waren. Die einzige Einschränkung in den Tropen war die Quallengefahr in der Regenzeit, sodass wir wenn dann nur mit Anzug ins Wasser gehen konnten. Die Segel- und Tauchunternehmen bieten diese an. Bei den Horrorgeschichten über die Quallen meidet man schon automatisch das Wasser. Verrückt machen bezüglich Schlangen, Spinnen etc. sollte man sich nicht, einfach nicht zu nahe kommen genügt völlig. Man findet sie in den Hostels auf Damentoiletten, in Dorms usw. No Worries!

Weitere tolle Reisemöglichkeiten für Osterferien, lange Wochenenden und Semesterferien:

  • Tasmanien: schottisches Klima auf einer Insel so groß wie Irland. Hier regiert die Natur: Knapp 50% sind Nationalpark. Rau, natürlich, einsam. Günstige Flüge von Melbourne und Sydney. 1 Woche.
  • Neuseeland: Zwei Inseln für Naturlieber und Abenteurer, die eine Alternative zur großen Schwester Australien suchen. Günstige Hostels, angenehme Backpackeratmosphäre und viel Grün. Die südlichen Alpen mit Gletschern und Skigebieten, Die norwegisch anmutenden Meerengen, Kiwis, kleine Dörfer, Schafe und Regenwald! Adrenalinüberdosis in Queenstown, der Heimat des Bungees, Maoris und einem Auckland, das wenige begeistert. Flüge Sydney – Christchurch für 160 AUD oneway, Fähre nach Wellington teuer, v.a. mit Auto. 3-4 Wochen wohl am besten.
  • Blue Mountains (Tagesausflug oder Wochenende) mit dem Mietwagen, Bus oder Bahn, von Sydney ca. 2h. Canyonlandschaft, Wasserfälle, Klettern.
  • Fiji (Cook Islands, Tonga,…)
  • Bali
  • Südostasien über den Zwischenstopp


Diverses

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