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Miriam Lichstein

Erfahrungsbericht über den Auslandsaufenthalt in Sydney von März 2005 bis März 2006
I. Die Vorbereitungen:

Vor Eurer Abreise gibt es neben tränenreichen Abschiedsabenden auch noch einige organisatorische Dinge zu erledigen. Ich empfehle Euch an dieser Stelle diese Aufgaben nicht erst in letzter Minute zu bewältigen, da Ihr direkt vor dem Abflug sowieso schon aufgeregt sein werdet und unnötiger Organisationsstress zu diesem Zeitpunkt enorm an den Nerven zehren kann.
In diesem Zusammenhang möchte ich aus eigener Erfahrung auf folgende Aspekte hinweisen:
- Rechtzeitige Kündigung laufender Verträge: Handy-, Fitness- und sonstige Verträge die über einen im Vorhinein festgelegten Zeitraum laufen, sollten rechtzeitig gekündigt werden. Neben eventuell einzuhaltenden Kündigungsfristen sollte dabei einberechnet werden, dass die jeweiligen Anbieter sich oftmals gegen die eingegangene Kündigung zur Wehr zu setzen versuchen. Daher sollte genügend Zeit einkalkuliert werden, um auftretende Schwierigkeiten noch vor dem Abflug aus der Welt schaffen zu können. Fittnes-Studios versuchen oftmals auf (meist sowieso unwirksame Allgemeine Geschäftsbedingungen) zu verweisen, laut derer eine Kündigung vor Ablauf der Vertragszeit nicht vorgenommen werden könne. Dies entspricht nicht der rechtlichen Lage, da bei Vorlage der Abmeldebestätigung eine Kündigung wirksam vorgenommen werden kann. An dieser Stelle kann ich nur empfehlen auf stur zu schalten und sich auf eine oftmals unausweichliche Konfrontation vorzubereiten. Meiner Erfahrung nach hilft es in diesen Fällen schlicht nur, ein unbequemer Kunde zu sein und möglichst nachdrücklich zum Ausdruck zu bringen, dass man sich an dem Vertrag nicht werde festhalten lassen. Meistens geht die Kündigungsabwicklung dann zwar zäh, aber erfolgreich vonstatten. Gleiches gilt für Handyverträge. Bei der Kündigung meines zu diesem Zeitpunkt noch einige Monate laufenden Vertrages mit O2 ergaben sich erhebliche Probleme. Ich war direkt in eine O2 Filiale gegangen und habe darauf bestanden, dass der Mitarbeiter dort die notwendigen Unterlagen, wie die Abmeldebestätigung und eine Kopie des Flugtickets an die Zentrale faxt. Weiterhin habe ich alle notwendigen Unterlagen auch auf dem Postweg an den Hauptsitz von O2 gesendet. Zunächst bekam ich die Antwort, es läge keine Anmeldebescheinigung meines Wohnsitzes in Australien vor, weswegen die Kündigung nicht wirksam sei. In Australien besteht allerdings kein vergleichbares Meldesystem, weswegen ich die laut O2 erforderliche Bescheinigung nicht beilegen konnte. Ich umging das Problem, indem ich die Annahmebestätigung der University of Sydney beilegte, womit sich O2 zufrieden zu geben schien. Alles schien erledigt, bis ich kurz darauf einen Brief erhielt, dass nicht gekündigt hätte, mir aber kündigungsgemäß alsbald das Handy gesperrt werde und zudem die für die Kündigung notwendigen Unterlagen nicht beilägen. Ich verwies auf die eingereichten Unterlagen. Ab diesem Zeitpunkt bekam ich von O2 weder auf meine Anfragen per Email, noch auf meine schriftlichen Anfragen eine Resonanz. Auch zu späteren Zeitpunkten, als ich schon in Australien war und von dort aus die gegebene Einzugsermächtigung wiederholt zu widerrufen versuchte, bekam ich weder auf Anfragen, noch auf Beschwerden je eine Antwort. O2 stellte sich schlicht tot und bereitete mir enorme Schwierigkeiten, indem angeblich bestehende Forderungen an ein Inkassounternehmen abtrat, welches Kosten für das ausfindig machen meiner Person in Rechnung stellte, obwohl ich meine Anschrift, Telefonnummer und Email Adresse mehrfach mitgeteilt hatte. Alles in allem war es eine frustrierende, kostspielige und nervenaufreibende Erfahrung. Ich kann Euch daher nur raten, alles zu klären, solange Ihr noch im Lande seid und alle nötigen Unterlagen ausschließlich per Einschreiben zustellen zu lassen. Weiterhin würde ich mich an Eurer Stelle im Falle auftretender Schwierigkeiten auf einen Kundenberater, den Ihr zu Euerem Ansprechpartner macht fokussieren. Ich kann in Übereinstimmung mit den Erfahrungen zahlreicher anderer internationaler Studenten nur raten, sich nicht auf den Verwaltungsdschungel eines großen Handykonzerns einzulassen.
- Einrichten eines Kontos: Für den Aufenthalt in Australien und den damit notwendig werdenden regelmäßigen Transfer von Geld auf ein im Gastland einzurichtendes Konto gibt es meines Wissens nur zwei Optionen: Die Deutsche Bank und die Citibank, da dies die beiden Banken mit Verbindungen nach Australien sind. Ich habe mich damals für die Eröffnung eines Kontos bei der Citibank entschieden. Der Vorteil ist der, dass man in Australien ein Konto bei der dortigen Citibank eröffnen kann und der Transfer des Geldes online vom deutschen Citibankkonto auf das australische Citibankkonto sehr schnell geht und das Geld sofort auf dem australischen Konto gebucht wird. Wartezeiten die sonst durch eine Überweisung entstehen können entfallen somit. Allerdings ist die Behauptung auf der Citibank Website, man könne an den Kontoautomaten der Citibank in Sydney kostenlos Geld abheben nicht zutreffend. Nach einigen Diskussionen mit der Citibank Deutschland machte man mir die Zusage, man werde mir die Abhebungsgebühren erstatten. Das bedeutet aber wiederum Stress, den man sich besser ersparen sollte. Man sollte bei der Ankunft in Australien darauf achten, möglichst zeitnah ein australisches Konto zu eröffnen, da sich bei einer Eröffnung eines Kontos nach Ablauf von 6 Wochen nach Einreise aus immigrationsregulatorischen Gründen erhebliche Probleme ergeben können. Wichtig ist auch sich noch vor der Abreise eine Kreditkarte zuzulegen, da dies insbesondere bei der Buchung von Inlandsflügen und auch bei der Zahlung der zweiten Rate der anfallenden Studiengebühren wichtig sein kann. Ich habe mich damals unglücklicherweise für eine Visa-Karte der Citibank entschieden und kann nur jedem von dieser Option dringend abraten. Im Verlauf meines Auslandsaufenthalts ergaben sich in diesem Zusammenhang diverse Probleme. Zunächst einmal funktionierte die Karte sehr oft einfach nicht. Trotz ausreichender Deckung wurde die Zahlung oft nicht genehmigt und auch wiederholte Anfragen bei der Kundenhotline ergaben widersprüchliche und wenig hilfreiche Aussagen. Zudem wurden mir im Verlauf des einjährigen Aufenthalts grundlos und ohne dass ich dies veranlasst hätte 8 neue Kreditkarten geschickt und die jeweils alte Kreditkarte solange gesperrt was dazu führte, dass ich ständig eine inaktive Kreditkarte in Händen hielt. Ich hatte zunächst vor, meine zweite Studienrate per Visa-Karte online zu bezahlen, da dies aufgrund der Bindung and den internationalen Wechselkurs die finanziell vorteilhafteste Option zu sein schien. Ich hatte mir von der Citibank mehrfach bestätigen lassen, dass auch die Zahlung eines solchen Betrages möglich sei. Zwei Tage vor der geplanten Zahlung habe ich vorsorglich noch ein Fax an die Citibankzentrale geschickt und die Zahlung angekündigt. Trotz mehrfacher Beteuerung, dass es zu keinerlei Problemen kommen werde, wurde die Zahlung im entscheidenden Moment nicht autorisiert. Nach stundenlangen Debatten mit zahllosen Beratern der Kundenhotline wurde ich schließlich mit dem Teamleiter verbunden, welcher mir gegenüber eingestand, dass die Zahlung eines Betrages in dieser Größenordnung per Visa-Karte über ein Studentenkonto schlichtweg vom System nie autorisiert werde und dass weder er noch sonst ein Mitarbeiter daran etwas ändern könne. Er gestand in diesem Zusammenhang auch ein, dass ich von diversen Mitarbeitern falsch informiert worden sei. Letztlich musste ich den Geldtransfer dann trotz eigener Kreditkarte über das Konto meines Freundes vornehmen, der glücklicherweise spontan eingesprungen ist. Alles in allem waren meine Erfahrungen mit der Citibank, insbesondere der Visa-Karten Abteilung nervenaufreibend und kostspielig. Diese Erfahrung wurde mir von Freunden, die auch mit Citibank Visa-Karten im Ausland waren mehrfach bestätigt. Ich weiß natürlich nicht ob die Deutsche Bank in dieser Hinsicht einen effizienteren Service bietet. Meines Erachtens wäre es wichtig, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben und mit diesem auch per Email kommunizieren zu können, statt auf eine anonyme Kundenhotline angewiesen zu sein. Weiterhin haben die Mitarbeiter der Citibank keinen Zugriff auf das Internet, weswegen eine Kommunikation via Email von vorneherein ausscheidet. Aufgrund der Zeitverschiebung führte das dazu, dass ich oftmals bis spät in die Nacht aufbleiben musste um mit meinem Kundenbetreuer ein Gespräch führen zu können. Zumindest sollte man sich über die Wahl der richtigen Bank im Vorhinein Gedanken machen. In diesem Zusammenhang will ich noch darauf hinweisen, dass eine Deutsche die ich dort in Sydney kennen gelernt habe (sie stand weinend am Hafen, weil sie dank American Express nicht mal ein Taxi bezahlen konnte) ein angeblich neues und phänomenales Schecksystem von American Express als Möglichkeit des Geldtransfers nutzen wollte. Dieses System stellte sich vor Ort als völlig unpraktikabel heraus, da die angegebenen Cashzentralen schlicht nicht existierten. Nach mehrfachen Beschwerden hat sie von ihrer Bank sogar Schadensersatz bekommen, was in dem Moment da sie am anderen Ende der Welt ohne Geld da stand nicht wirklich hilfreich war. Ich kann Euch leider nicht exakt sagen, welches System das genau war, bei Interesse kann ich meine Freundin aber gerne noch einmal fragen. Allerdings ist in Australien recht auffällig, dass Visa und Mastercard fast überall akzeptiert werden, während American Express eher wenig verbreitet ist.
- Versicherungen: Ich empfehle jedem, eine Diebstahlsversicherung abzuschließen. Ich habe dies versäumt und es hat sich bitter gerächt, da mir im 1. Semester alle Wertgegenstände aus meinem Zimmer gestohlen wurden. Auch einer Bekannten wurde in der Bibliothek der Laptop gestohlen. Glücklicherweise war sie versichert und alles war halb so schlimm, während der Diebstahl für mich mangels Versicherung ein großes Problem darstellte. An dieser Stelle sollte man nicht sparen.
- Buchen einer vorübergehenden Bleibe am Ankunftsort: Der Flug nach Australien ist lang und anstrengend und Ihr werdet aufgeregt aber auch übermüdet und bepackt dort ankommen. Es ist also wichtig im Moment der Ankunft am Flughafen eine Adresse an der Hand zu haben. Es gibt hierbei zahllose Optionen. Ich würde Euch empfehlen, schon von Deutschland aus einen Platz in einem Backpacker zu reservieren. Das ist relativ kostengünstig und man lernt gleich Leute kennen, die in derselben Situation sind. Man kann hier Einzelzimmer, Doppelzimmer oder einen Platz in einem „dorm“ also einer Art Schlafsaal buchen. Ich habe die ersten zwei Wochen in solch einem „dorm“ gewohnt und glaube auch im Nachhinein, dass das eine gute Wahl war. Meinen Backpacker habe ich über die Website der University of Sydney gefunden. (www.usyd.edu.au). Mein Backpacker hieß „Alishan“ und befindet sich in der Glebe Point Road im Stadtteil Glebe in Sydney. Ich fand ihn sehr nett. Es handelt sich um einen recht kleines Etablissement in einem netten Häuschen mit Garten. Ich habe mich dort wohl und aufgehoben gefühlt und es genossen nach einem anstrengenden Tag der Wohnungssuche auf der kleinen Terrasse vor dem Haus zu sitzen. Auch als meine Mutter und Schwester später zu Besuch kamen habe ich dort ein Doppelzimmer für sie zu einem vertretbaren Preis gebucht und auch sie fanden es nett dort. Die Woche im „dorm“ kostete damals 150 Dollar. Eine weitere Möglichkeit ist beispielsweise der Backpacker „Glebe Village“ der auch in der Glebe Point Road ist. Glebe Village ist ein ziemlich betriebsamer kleiner Backpacker in dem immer etwas los ist. Allerdings habe ich von einigen internationalen Studenten gehört, dass die sanitären Anlagen ziemlich zu wünschen übrig ließen und auch Bettwanzen zum Inventar gehören. Die YHA gleich nebenan sieht von Außen nicht ganz so quirlig aus, scheint aber qualitativ weitaus besser und auch billiger zu sein. Einige der internationalen Studenten die ich später kennen gelernt habe sind zunächst im „Wake up“ bei der central station abgestiegen. Das „Wake up“ ist ein großer Backpacker der absolut zentral liegt. Im Keller befindet sich eine Bar in der ständig viel los ist und die von Reisenden und Neuankömmlingen überquillt. Ich denke die Entscheidung ist einfach Geschmackssache. Ein großer Backpacker bietet natürlich den Vorteil, dass man sofort die Möglichkeit hat eine Unmenge Leute kennen zu lernen, während ein kleines Haus eher ein Gefühl von Geborgenheit bietet und man sich leichter erstmal richtig ausschlafen kann. Am Flughafen geht man zu einem Informationsstand und fragt nach dem Bus, der die verschiedenen Backpacker anfährt. Dem Busfahrer sagt man dann wo man hin will und der fährt einen dann in der Regel direkt vor die Tür. Gezahlt wird in bar, weswegen man zumindest einen kleineren Betrag Australischer Dollar mit auf die Reise nehmen sollte. Der Flughafen Sydney ist überraschend klein und übersichtlich weswegen Ihr Euch keine Sorgen machen müsst, dass Ihr Euch nicht zurechtfinden könntet oder dergleichen.
- Zugriff auf wichtige Unterlagen / Kontoverwaltung: Ich denke es ist wichtig einer Person Eures Vertrauens Zugriff auf wichtige Unterlagen, wie etwa Geburtsurkunden, Examenszeugnisse o.ä. zu gewähren und auch eine Vollmacht für Euer deutsches Konto an eine vertrauenswürdige Person auszustellen. Insbesondere wenn Ihr direkt nach dem Auslandsaufenthalt ins Referendariat gehen wollt ist dies unerlässlich, da die Verwaltungen der diversen Gerichte oft unerwartet Unterlagen nachfordern und es oft unmöglich oder zumindest schwierig ist, diesen Forderungen fristgemäß nachzukommen wenn Euch niemand vor Ort Behördengänge abnehmen kann. Wichtig ist auch, dass Ihr von allen wichtigen Daten auf dem Laptop Backups macht und diverse Kopien bei Freunden oder Eltern hinterlegt. Das klingt jetzt wie ein unnötiger Hinweis auf das Offensichtliche, aber in der Hektik der Abreise vergisst man so was gerne. Schickt Euch am Besten selbst eine Email mit den wichtigsten Unterlagen. So habt Ihr auch Lebensläufe oder andere Unterlagen jederzeit abrufbar.
- Pass / Impfungen : Auch hier wieder ein Hinweis auf offensichtliche Notwendigkeiten, aber auch in diesem Zusammenhang habe ich von zahlreichen Pannen gehört. Denkt rechtzeitig daran, dass Ihr unbedingt einen gültigen Personalausweis, vor allem aber Reisepass braucht. Vor allem sollte der Reisepass nicht während Eures Aufenthalts ablaufen oder sich dem Ablaufdatum nähern, da Ihr sonst mit erheblichem Stress mit Konsulat und Einwanderungsbehörden zu rechnen habt. Insbesondere wenn Ihr Euch beispielsweise bei Eurem Rückflug entscheidet einen Zwischenstopp in Thailand zu machen, stellt ein sich dem Ablaufdatum nähernder Reisepass ein Problem dar, da man für die Einreise eine Reisepass vorlegen muss, der noch mindestens zwei Jahre gültig ist. Also lieber noch schnell einen neuen Reisepass beantragen! Für Australien sind keine besonderen Impfungen vorgeschrieben. Allerdings sollte man vor der Abreise doch lieber noch alle Standartimpfungen bei Bedarf auffrischen lassen, da Impfungen in Sydney oft recht kostspielig werden können und in Deutschland in der Regel von der Krankenkasse getragen werden. Auch kann ich nur empfehlen, vor der Abreise noch alle eventuell anfallenden Arztbesuche zu erledigen. Zu denken wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise auch noch an einen Zahnarzttermin, da so etwas in Australien teuer werden kann.
- Krankenversicherung: Während des Auslandsaufenthalts solltet Ihr natürlich auch krankenversichert sein. Ich habe an der University of Sydney studiert und wurde in diesem Zusammenhang automatisch bei der OSHC versichert. Die Versicherungssumme war für ein Jahr zu entrichten und betrug ca. 300 Australische Dollar. Die Frage die sich mir bei meiner Abreise stellte war ob ich meine Krankenversicherung bei der AOK ganz kündigen sollte, oder ob ich eine so genannte „Anwartschaft“ zum Preis von 50 Euro im Monat aufrecht erhalten sollte. Diese „Anwartschaft“ ist darauf ausgerichtet einen Wiedereintritt in die Krankenkasse nach der Rückkehr zu ermöglichen. Die zu entrichtenden 50 Euro pro Monat bringen dabei nichts weiter als einzig diese Wiedereintrittsoption offen zu halten, weswegen ich von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machte. Dies hatte allerdings zur Folge, dass ich in der Zeit zwischen meiner Rückkehr aus Australien und meinem Eintritt ins Rechtsreferendariat (und dem damit wieder bestehenden Anspruch auf Pflichtversicherung) nicht krankenversichert war. Dies war ein offensichtlich unangenehmer, wenngleich unausweichlicher Zustand, da sich keine Versicherung finden ließ, die sich hätte erweichen lassen, mich für einige Monate zwischen zu versichern. Bei der Entscheidung ob ihr Eure Krankenversicherung vollständig kündigt oder eine Anwartschaft auf Wiederversicherung vereinbart, solltet Ihr daher schon ein genaueres Bild von der Zeit nach Eurer Rückkehr haben.
- Buchen eines Flugtickets: Ihr solltet Euch frühzeitig um ein Flugticket kümmern um noch einen guten Preis zu bekommen. Ich habe über STA Travel gebucht und war mit dem Service sehr zufrieden. Ich bin sowohl auf dem Hinflug als auch auf dem Rückweg mit Emirates geflogen und war auch mit dieser Wahl grundsätzlich zufrieden. Ein großer Vorteil war aus meiner Perspektive beispielsweise der Umstand, dass man bei Emirates seinen eigenen kleinen Fernseher hat und aus über 100 Spielfilmen ständig wählen kann. Das mag jetzt als völlig unwichtiges Detail erscheinen, aber auf einem sehr langen Flug kann man sich so erstklassig die Zeit vertreiben und wird auch nicht so nervös weil man etwas zu tun hat. Auf dem Hinflug bin ich in Dubai umgestiegen. Ich hatte nur 4 Stunden Aufenthalt und konnte den Flughafen nicht verlassen, was natürlich Nachteile hat. Ich habe mich damals für ein Einjahresticket entschieden. Dies hat den Vorteil, dass es etwas günstiger ist als zwei getrennte Flüge. Zudem hatte man mir damals gesagt, dass der Nachweis eines konkreten Rückflugs Einreisebedingung sei. Das stimmt so nicht ganz. Man muss nur bei der Einreise nachweisen, dass man das Geld für den Rückflug hat. Die genaueren Bedingungen kann man auch beim Institut Ranke-Heinemann erfragen. Im Nachhinein habe ich die Buchung eines Einjahrestickets etwas bereut, da ich bei meiner Abreise gerne noch ein wenig länger geblieben wäre, aufgrund des Ablaufdatums meines Tickets aber zu einem ganz bestimmten Termin die Rückreise antreten musste. Weder Emirates noch andere Airlines lassen bezüglich dieses Ablaufdatums mit sich diskutieren. Eine Verlegung dieses Datums ist also nicht mehr möglich. Ich würde daher eher zur Buchung eines isolierten Hinflugs raten, da ihr ein Jahr im Vorhinein noch nicht genau absehen könnt, ob ihr nicht doch noch ein paar Tage oder Wochen in Australien brauchen werdet und es unangenehm werden kann alles am Abflugdatum orientieren zu müssen. Emirates fliegt neuerdings auch über Thailand, was es mir ermöglichte dort einen Zwischenstopp einzulegen. Thailand ist wunderschön und ich empfehle einen Besuch dringend. Bezüglich der Gepäckbeschränkungen ist Emirates neuerdings ziemlich rigoros geworden. Man kann also grundsätzlich nur 20 Kilo mitnehmen und ist bei der Kulanzspanne auf die gute Laune des Schaltermitarbeiters angewiesen. Allerdings ist dies bei anderen Fluglinien scheinbar auch nicht anders. Zum Flug kann ich nur noch anmerken, dass man sicherheitshalber Stützstrümpfe tragen sollte. Ich habe das nicht getan und kam trotz regelmäßiger Gymnastik während des Flugs mit Elefantenbeinen an.

II. Ankunft in Australien / die ersten Wochen

Die erste Zeit in Australien werden aufregend, anstrengend und absolut existentiell für euren weiteren Aufenthalt sein. Ihr solltet Euch auch darauf einstellen, dass Ihr Euch von Zeit zu Zeit in einer Art „Gefühlsschleudergang“ wieder finden werdet. Zumindest war das bei mir so. An einem Tag fühlt man sich phänomenal, am nächsten will man dauernd heulen und weiß gar nicht warum. Ich glaube das ist einfach eine Mischung aus Jetlag und Information Overload. Ich habe einfach beschlossen das bei mir selbst gar nicht so ernst zu nehmen und bin damit ganz gut gefahren. Ihr befindet Euch in einer Ausnahmesituation und das ist eine Zeit in der Ihr unheimlich viel über Euch selbst erfahren werdet. Ich bin einfach dazu übergegangen mich selbst zu beobachten. In meinen ersten Wochen in Sydney habe ich mehr Leute kennen gelernt als in dem gesamten kommenden Jahr. Meinen Mitstudenten ging es ähnlich. Ich schätze das hat irgendwas mit der Ausstrahlung zu tun. Mir sind auf einmal regelrecht Menschen auf der Strasse nachgelaufen um sich mit mir zu unterhalten und das ist keine Übertreibung und hat auch nichts mit mir persönlich zu tun. Ich will damit nur sagen, dass der Umstand, dass man noch nirgends so richtig angekommen ist und alles offen vor einem liegt unheimliche Möglichkeiten in sich birgt. Man ist so kontaktfreudig wie sonst vielleicht nie. Ich kann Euch nur raten das zu nutzen und über Euren eigenen Schatten zu springen. Gerade im Rahmen der Gruppe der internationalen Studenten werden die ersten Wochen entscheidend für Eure zukünftigen Kontakte und Euren Freundeskreis sein. Sich in dieser Zeit zu isolieren und zurück zu ziehen wäre meines Erachtens ein Fehler. Geht zu allen Informationsveranstaltungen, Parties und Grillveranstaltungen derer Ihr habhaft werden könnt. Quatscht jeden an und nehmt jede Einladung an. Es ist ganz normal sich anfangs müde oder überfordert zu fühlen, doch nach ein paar Tagen sollte man das doch besser überwinden und loslegen. Zum Zwecke des Kontaktaufnahme ist beispielsweise die „Sidebar“ im Backpacker „Wake up“ bei der central station eine gute Adresse.
All diese „weisen Ratschläge“ mögen Euch völlig unnötig oder gar arrogant erscheinen, aber ich habe bei einigen meiner Mitstudenten beobachtet, dass sie sich in der ersten Zeit zu sehr zurückgezogen hatten und später innerhalb der Gruppe der internationalen Studenten keinen Fuß mehr fassen konnten. Einige hatten sich anfangs dazu hinreißen lassen, sich übermäßig kritisch bezüglich der Stadt oder der australischen Kultur zu äußern oder ständig ängstlich zu sein und vor den Gefahren der Großstadt zu warnen. Derartige Verhaltensweisen zahlen sich ganz und gar nicht aus. Auch wenn man nicht so meint was man sagt, hängt man sich so sehr schnell selbst den Ruf eines „Miesmachers“ an. All die Studenten dort sind nach Australien gekommen um eine gute Zeit zu haben und suchen nach Leuten die genau dies auch wollen. Deshalb kann ich Euch nur raten eventuelle negative Gefühle oder Ängste die Ihr habt zumindest anfangs eher für Euch zu behalten. Das heißt natürlich nicht, dass Ihr Euch total verstellen sollt. Versucht einfach die fröhliche Natur in Euch selbst zu betonen. Außerdem wird es sehr einfach sein Kontakte zu Deutschen aufzubauen. Australien und speziell Sydney wimmelt nur so von Deutschen. Allerdings sollte man darauf achten, nicht nur einseitig mit deutschsprachigen Studenten Kontakt zu haben. Es passiert so schnell und ist mangels Sprachbarriere eine verführerische Option, die allerdings schnell dazu führen kann sich die Möglichkeit Englisch zu sprechen zu verbauen.
Nach diesen allgemeinen Hinweisen nun aber zu konkreten Hinweisen zum täglichen Leben:
- Handyvertrag: In Australien ist das Konzept des Handyvertrags eher unüblich. Der Markt ist vielmehr auf Prepaid Angebote ausgerichtet und ich würde Euch raten davon Gebrauch zu machen. Es gibt zahlreiche Anbieter und ich habe zunächst eine „Optus“ –Prepaid Karte gekauft, war damit aber nicht besonders zufrieden, da der Kredit rasend schnell abläuft und ich insbesondere in der Zeit meiner Wohnungssuche fast täglich 30 Dollar nachladen musste. Ich habe dann zu Vodafone gewechselt und mich für den „49 Dollar Cap Plan“ entschieden. Man zahlt 49 Dollar und bekommt Guthaben im Wert von 250 Dollar. Nicht aufgebrauchtes Guthaben kann man bei rechtzeitigem Nachkauf weiteren Guthabens in den nächsten Monat ziehen. Ich fand dies eine gute Möglichkeit und habe es nur selten geschafft meinen Kredit innerhalb eines Monats völlig aufzubrauchen. Ihr solltet Euer deutsches Handy unbedingt mitnehmen um in Australien nicht gleich ein neues anschaffen zu müssen.
- Wohnungssuche: Die Wohnungssuche in Sydney kann sich wie in jeder anderen großen Stadt durchaus langwierig gestalten. Zunächst solltet Ihr Euch darüber klar werden, wo Ihr gerne wohnen würdet. Dazu empfiehlt es sich, die Stadt etwas besser kennen zu lernen indem Ihr die einzelnen Stadtteile zu Fuß erkundet. Eine definitive Aussage darüber, wo man in Sydney gut wohnt ist natürlich nicht möglich. Ich persönlich habe nur in „Glebe“ und „Surry Hills“ gewohnt. In Glebe habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Glebe Point Road bildet dabei den „main strip“, wo sich Cafes, Bars und kleine Läden angesiedelt haben. Ich fand die Atmosphäre in diesem Stadtteil sehr nett und habe insbesondere den samstäglichen Besuch des „Glebe Market“ sehr genossen. Glebe schließt sich unmittelbar an den Hauptcampus der University of Sydney an und ist deshalb bei Studenten sehr beliebt. Die Wohnpreise hier sind für Sydneypreise recht moderat. Ich hatte ein nettes Zimmer für 120 Dollar plus bills pro Woche, was auch für Glebe recht günstig war. Später habe ich zeitweise in Surry Hills in der Nobbs Street gewohnt. Surry Hills hat anders als Glebe kein definitives Zentrum und wirkte auf mich etwas zerfasert. Es liegt recht zentral, aber man muss trotzdem immer den Bus nehmen. Ich fand die Stimmung in Surry Hills nicht so nett wie in Glebe. Auch Paddington ist sehr schön, aber auch sehr teuer. Bondi Beach ist natürlich eine tolle Adresse, aber aufgrund der immensen Nachfrage auch teuer. Zudem hat man es, wenn man direkt am Strand wohnt auch recht weit in die Stadt. Manly liegt eine 20 minütige Ferry-Fahrt vom Hafen entfernt, ist aber für Surfies und alle die das Strandleben lieben die erste Wahl. Auch Bronte Beach ist absolut entzückend, allerdings von der Verkehrsanbindung eher nachteilig gelegen. Darlinghurst und Potts Point sind streckenweise sehr schöne Wohngegenden mit charakteristischem Charme und zahlreichen Bars. Insbesondere für Jurastudenten würde sich Darlinghurst durch die Nähe zur in der Nähe des Hafens gelegenen Jurafakultät anbieten. Meiden sollte man in Sydney einzig den Bezirk Redfern, der eine „Police no-go area“ ist. Das heißt, dass sich nicht einmal die Polizei dorthin traut. Redfern station sollte man als U-Bahn Station nach Möglichkeit meiden. Dies sind Hinweise die auch die Uni gibt und nicht etwa nur meine eigene Meinung. Der Central Business Distrikt, also die Gegend die sich direkt um den Hafen gruppiert finde ich als Wohngegend nicht empfehlenswert. Hier befinden sich hauptsächlich Bankgebäude und Büros. Den wenigen Hochhäuser in denen sich Appartements befinden fehlt oft der Charme und oftmals muss man viel Geld bezahlen, um sich ein kleines Zimmer mit mehreren Mitbewohnern zu teilen.
Wenn Ihr Euch dann auf die Wohnungssuche begebt ist es ratsam, sich zunächst auf einen Bezirk zu beschränken, da die Distanzen zwischen den einzelnen Wohnorten erheblich sind und der öffentliche Verkehr in Sydney recht sporadisch ist, so dass Ihr sonst an einem Tag nur einzelne Wohnungen oder Zimmer anschauen könnt. Der Wohnungstag in Sydney ist der Samstag. Samstags solltet Ihr Euch früh den „Sydney Morning Herald“ kaufen und die Wohnungsanzeigen durchforsten. Auch WG Angebote sind dort abgedruckt. Ich würde Euch sowieso anraten in eine WG zu ziehen. Das ist kostengünstig und bietet die Möglichkeit mit Studenten und insbesondere Australiern Kontakte zu knüpfen. Die Website www.domain.com.au ist auch sehr gut, während ich per www.flatematefinder.com.au wenig Erfolg hatte. Die University of Sydney hat auch ein Büro zur Wohnungsvermittlung. Von einer Wohnungssuche per Immobilienmakler würde ich abraten, da man sich verpflichten muss mindestens 6 Monate in der betreffenden Wohnung zu wohnen. Wenn Ihr Euch ein Zimmer in einer Gegend anschaut, bei der Ihr Euch nicht ganz sicher seid, ist es vonVorteil ein Taxi zu nehmen. Niemand in Sydney kennt die Stadt und ihre Subkultur besser als die zahlreichen Taxifahrer. Fragt einfach und die meisten Fahrer werden bereitwillig Auskunft über die betreffende Gegend geben. Ich fand das sehr hilfreich, da sich einige der Gegenden die bei Tag betrachtet beschaulich wirken bei Einbruch der Nacht in Dealerbezirke und Schlägereihochburgen verwandeln. Wenn Ihr bei Leuten anruft um eine Wohnungsbesichtigung zu vereinbaren solltet Ihr nicht davon ausgehen, dass sie Euch zurückrufen wenn Ihr eine Nummer hinterlasst, da telefonieren in Sydney teuer ist.
- Sicherheit: Ich habe Sydney als sehr friedliche und angesichts seiner Größe geradezu verträumte Stadt erlebt. Insbesondere im Vergleich zu europäischen Großstädten schien mir Sydney wenig gefährlich. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt dort körperlich bedroht gefühlt, obwohl ich einmal bestohlen wurde und mir einmal nachts im Park von einer „Jugendgang“ meine soeben erstandene Pizza abgenommen wurde, was ich, angesichts einer zu absolvierenden Diät, gerade noch verkraften konnte. Die Sicherheitshinweise die ich Euch im Folgenden an die Hand geben möchte, sollten vor diesem Hintergrund betrachtet werden und sind kein Grund zur Panik: Der Hauptcampus der University of Sydney ist nachts völlig menschenleer und erstreckt sich über ein ausgedehntes Parkgebiet. Diese Gegend war scheinbar wiederholt der Schauplatz einiger Überfälle und Vergewaltigungen, weswegen man dort keine nächtlichen Spaziergänge vollziehen sollte. Redfern sollte man generell umgehen.
Ich habe wie gesagt in Glebe gewohnt und mir wurde im 1. Semester vom Laptop bis zur Sonnenbrille alles aus meinem Zimmer gestohlen, obwohl sich zum betreffenden Zeitpunkt 3 Personen, inklusive meiner selbst, im Haus befanden. Einer meiner Mitbewohner muss die zum Garten führende Hintertür offen gelassen haben. Der Garten selbst war von einer ca. 2 Meter hohen Mauer umgeben. Ich hatte mein Zimmer nur etwa 10 Minuten verlassen um kurz zu duschen und als ich wieder an meinen Schreibtisch zurückkehren wollte war alles weg. Zu einem späteren Zeitpunkt beobachtete ich einen Einbrecher, der sich antat in den Balkon des Nachbarhauses einzusteigen und alarmierte die Polizei (die 2 Stunden brauchte um überhaupt zu erscheinen). Zu diesem Anlass lief die gesamte Nachbarschaft zusammen und es stellte sich heraus, dass es sich um eine regelrechte Einbruchserie handelte. In fast allen Fällen waren Bewohner zum Zeitpunkt des Einbruchs anwesend gewesen und der Einbrecher kam durch offene Türen, Fenster oder Balkone. Insbesondere WGs schienen dabei Ziel der Einbrüche gewesen zu sein. Deshalb solltet Ihr bei Eurer Wohnungssuche möglichst darauf achten, dass ihr Gitter vor den Fenstern habt was in Australien sowieso meist der Fall ist. Zudem würde ich Euch davon abraten ein Zimmer im Erdgeschoss zu mieten. Die „Terrace Houses“ sind meist so konzipiert, dass im Erdgeschoss Wohnzimmer und Küche sowie ein Zimmer nach vorne raus liegen. Dieses Zimmer ist oft nur durch eine Flügeltür vom Wohnzimmer getrennt, was es potentiell lärmbelastet und anfällig für Einbrüche macht. Manchmal lässt sich trotz wiederholter Hinweise nicht vermeiden, dass Mitbewohner nachlässig sind und die Wohnungstür nicht abschließen. Einbrecher brauchen nur wenige Minuten. Um einen sicheren Fluchtweg zu gewährleisten und nicht in den oberen Zimmern von Bewohnern ohne Ausweg angetroffen zu werden, spezialisieren sich die meisten Diebe auf die Zimmer im Erdgeschoss. Deshalb solltet ihr nach Möglichkeit in eines der Zimmer in den oberen Etagen ziehen.
In Sydney ist das „drink spiking“ (in einem unbeobachteten Moment Betäubungsmittel in den Drink mischen) eine scheinbar noch recht verbreitete Art Frauen mit nach Hause zu nehmen. Daher sollte man seinen Drink nicht unbeaufsichtigt an der Bar stehen lassen. Auch sollte man vorsichtig sein, wenn man sich einen Drink von Unbekannten ausgeben lässt.
- Bars/Clubs/Restaurants: Sydney ist eine absolute Ausgehoase. Es ist ständig etwas los wenn man nur die Augen offen hält. Die Wochenendbeilage des „Sydney Morning Herald“ enthält dabei die besten Veranstaltungstipps. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob man die Beilage nur bei einem Abo mitgeliefert bekommt. Im Zweifelsfall müsstet Ihr mal beim Zeitschriftenhändler danach fragen. Was genau Ihr unternehmen wollt ist natürlich Geschmacksfrage. Ich kann nur ein paar generelle Tipps geben: Was Clubs betrifft, so war mein persönlicher Favorit die „Goodbar“ auf der Oxford Street. Es handelt sich hierbei um einen relativ kleinen Hip-Hop Club. Obwohl ich nicht unbedingt ein Hip Hop Fan bin fand ich die Stimmung hier sehr gelöst und für Sydney verhältnismäßig unprätentiös und ich habe mich immer gut amüsiert. Hier sind Mittwoch und Freitag die besten Tage um abzutanzen. Die „Cargobar“ im Darling Harbour ist die erste Adresse, wenn man in Loungeatmosphäre etwas trinken gehen will und vor allem scheint dies der Singleumschlagplatz Nummer eins in Sydney zu sein und man kann hier interessante Beobachtungen über das geschlechtsspezifische Verhalten der Sydneyianer machen. Auf jeden Fall eine Visite wert, allerdings sollte man sich etwas schicker kleiden um an den aufgeplusterten Türstehern vorbei zu kommen. Kings Cross ist DER Ausgehbezirk in Sydney schlechthin und ein abendlicher Besuch gehört wohl zum Standardprogramm. An dieser Stelle sollte darauf hingewiesen werden, dass ich sogar am helllichten Tage als ich mich dort verlaufen hatte von einem besorgten Bauarbeitertrupp, den ich nach dem Weg gefragt hatte, durch die teils schmalen Gässchen in sichere Gefilde geleitet wurde. Ich musste den Herren hoch und heilig versprechen nicht noch einmal auf die waghalsige Idee zu verfallen dort alleine ab von der Hauptstrasse herum zu streunern. Ich wurde darauf hingewiesen, dass dort in den Seitenstrassen zahlreiche desperate Junkies herumsäßen und auch vor Raubüberfällen nicht zurückschreckten. Ich weiß nicht, ob das eine Übertreibung war aber ich schätze man sollte es lieber nicht darauf ankommen lassen. In Kings Cross würde ich das „Dragonfly“ empfehlen, das für seine DJs und seine harte Eingangskontrolle berüchtigt ist. „Candy´s Appartment“ ist ein flauschiger Club mit plüschigen Sofas, wildem Musikmix und bestechendem Charme. Ansonsten sollte man sich einen Cocktail in der „Opera Bar“ (Bar der Sydney Opera) vor der imposanten Kulisse der Oper nicht entgehen lassen. Zudem gehört natürlich ein Besuch der Oper zum Standardprogramm. Die Karten für die Oper selbst sind ziemlich teuer (ca. 100 Dollar pro Karte), allerdings ist die Akustik wirklich erstaunlich und absolut hörenswert. Ich war auch einmal im Theater in einem der kleineren Säle des Opernhauses und fand es wirklich toll. Was die kulinarischen Freuden betrifft, so ist und bleibt das „Thai on wok“, ein kleiner thailändischer Fastfood-Laden auf der Glebe Point Road mein Lieblingsrestaurant. Das „Phanang Curry“ ist legendär. Das „Spice I am“ auf der Wentworth Avenue gleich bei der Central Station wurde mehrmals in Folge zum beliebtesten Restaurant Sydneys gewählt und verdient seinen guten Ruf. Hier ist das „Chu Chee Curry“ eine Sünde wert. Was Pizza betrifft so habe ich in Australien nur eine gute Pizza gegessen und zwar in der „elounge“ in der Glebe Point Road. Wenn man nur in stilvollem Ambiente einen wirklich guten Cocktail trinken und sich auf weichen Couches mit Blick auf den Darling Harbour entspannen möchte, so sollte man die „Grovebar“ im Darling Harbour anpeilen.
- Unikurse / Unileben: Ich habe wie bereits erwähnt an der University of Sydney studiert und dort meinen Master of Laws gemacht. Die Uni Sydney hat sich im Rahmen dieses Master – Programms darauf spezialisiert, es auch berufstätigen Juristen zu ermöglichen, ihre Ausbildung weiter zu verfolgen. Aus diesem Grunde werden die Kurse zwischen 6 und 8 Uhr abends gehalten. Dies hat Vor- und Nachteile, man sollte sich aber darauf einstellen. Aufgrund der Konzeption als Abendkurs war der Prozentsatz der berufstätigen Studenten sehr hoch. Ich fand es teils sehr bereichernd, verschiedene Themen innerhalb der Kurse mit australischen Juristen, die bereits voll im Berufsleben stehen, diskutieren zu können. Allerdings resultiert aus den beschriebenen Umständen auch, dass ich ein „Campusleben“ wie ich es gewohnt war nicht feststellen konnte. Die meisten australischen Studenten waren bereits berufstätig und nach einem langen Arbeitstag samt Vorlesung nicht mehr bereit sich zu einem Bierchen überreden zu lassen. Viele hatten auch schon Familie und waren mangels Zeit für neue Kontakte wenig offen. Der Hauptcampus der Uni Sydney ist imposant und sehr schön. Die Jurafakultät, in der auch alle Vorlesungen innerhalb des Masterprogramms gehalten werden, befindet sich in einem wenig einladenden Hochhaus in der Phillip street direkt beim Hafen. Was die Qualität der Kurse anbelangt, so war ich hiermit eigentlich sehr zufrieden. Da sowohl Kursangebot, als auch die Dozenten sehr oft wechseln scheint es an dieser Stelle wenig sinnvoll, die Details der einzelnen Kurse aufzurollen. Der einzige Kurs mit dem ich sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf den Lehrkörper wenig zufrieden war, war der Kurs „Explaining Crime“. Es handelte sich leider um stures deklinieren von Kriminalitätstheorien, ohne Diskussion oder irgendwelche anregende Dynamik. Mein Lieblingskurs über das gesamte Jahr hinweg war „Forensich Psychiatry“ und „Advanced Forensic Psychiatry“ von und mit Peter Shea. Man bekommt einen recht eingehenden Einblick in die Psychiatrie und deren Schnittstelle zur Kriminologie. Für mich war dies ein faszinierender Kurs und das Klientel innerhalb der Kursbelegung war hochinteressant. Einige der Studenten waren bereits Psychiater oder Psychologen. Auch Staatsanwälte, Erzieher und Gefängnisdirektoren fanden sich hier, was die Diskussionen auf ein immens hohes und anregendes Niveau hoben. Ich möchte Euch hier noch ans Herz legen Eure Semester von der Zeitaufteilung her gut zu durchdenken. Bei den meisten Kursen muss man einen Vortrag halten, eine Klausur schreiben und eine Hausarbeit (meist 6000 Wörter) einreichen. Das Problem ist meist die Hausarbeit oder besser der Umstand, dass man bei Semesterende plötzlich 4 Hausarbeiten in 4 Wochen auf englisch schreiben soll. Man kann dem zum Beispiel durch die Wahl von „Intensive Course Units“ während des Semesters entgehen. Dies ist eine gute Methode um Arbeit abzuschichten. Überhaupt gefiel mir das Prinzip dieser Intensivseminare sehr gut, weil der Kurs eine gewisse Dynamik und Atmosphäre entwickelt. Allerdings sollte man bei der Wahl eines solchen Intensivseminars gegen Semesterende eher zurückhaltend sein oder anderweitig eine gute Zeiteinteilung praktizieren, da sich der Stress gegen Semesterende sonst noch weiter multipliziert. Am Anfang hatte ich immense Probleme, den englischsprachigen Kursen über 2 Stunden hinweg folgen zu können, vor allem bei Professoren, die einen ausgeprägten Akzent hatten. Ich kann Euch nur sagen, das legt sich. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich mehr verstehe, wenn ich mich entspanne und zurücklehne, als wenn ich gebannt versuche jedes Wort zu verstehen. Jeder entwickelt da seine eigene Methode. Die Professoren in Sydney waren ausnahmslos nett, hilfsbereit und kontaktfreudig. Die meisten geben ihren Studenten am Anfang des Semesters auch ihre Telefonnummer und man darf dort auch wirklich anrufen. Ich habe mich anfangs bei Fragen am Telefon hundertmal für meinen Anruf entschuldigt und die Professoren damit nur verwirrt. Das Verhältnis von Studenten und Professoren ist in Australien weit unformeller und persönlicher als in Deutschland.
- Viel Glück und eine tolle Zeit: So jetzt bleibt mir nur noch, Euch um die Zeit die vor Euch liegt zu beneiden und Euch ganz viel Glück und Erfolg zu wünschen. Ich hoffe mein Bericht war irgendwie hilfreich.

Liebe Grüsse
Miriam

Australian Academic Alumni Association
© by Institut Ranke-Heinemann - Studium/Studieren in Australien und Neuseeland, 2010