Lukas Peuckmann
Westfälische Wilhelms-Universitäts Münster
Study Abroad University of Queensland/ Brisbane
01/2008
Das Sommersemester 2008 war zugleich auch mein Gastsemester an der australischen University of Queensland in Brisbane/Australien. Ich habe also mein Studium mit einem Urlaubssemester für ein halbes Jahr in Münster nach dem siebten Fachsemester unterbrochen und es in Australien fortgesetzt.
Das Programm war ein „Study Abroad Programm“, also ein Gastsemester, bei dem Vorlesungen und Seminare aus verschiedenen Fachrichtungen gewählt werden konnten. Dies kam meinem Magisterstudium entgegen, das mit Kommunikationswissenschaften, Politik und Psychologie breit angelegt ist. Bei der Vorbereitung für dieses tolle Auslandssemester haben mir vor allem die Friedrich-Ebert-Stiftung finanziell und das Ranke-Heinemann-Institut administrativ (Bewerbungsprozess, Beglaubigungen der Dokumente, E-Mail Kontakt etc.) geholfen.
Der Start in Down Under:
Mitte Februar kam ich in Brisbane an und wurde gleich am Flughafen angerempelt. Ein wenig verwunderte mich das schon. Sollen nicht alle Australier so freundlich sein? Erst später realisierte ich, dass der englische Linksverkehr auch für die Fußgänger gilt. Ansonsten fiel der Einstieg in Australien erstaunlich leicht. Das Wetter war in Brisbane für den australischen Sommer erstaunlich milde. Soll heißen bei 30 Grad verbrannte uns die Sonne nicht sofort und unerbärmlich wie befürchtet. Auch die Wohnungssuche gestaltete sich erstaunlich einfach. Natürlich waren die 10 Tage des Suchens und gleichzeitigen Wohnens im Hostel auf gepackten Koffern stressig, aber die Ergebnis lohnte sich. Ich und mein Studienfreund Jörg, der auch aus Münster kommt, fanden ein tolles Haus in Dutton Park, einem Stadtteil direkt gegenüber der University of Queensland auf der anderen Flussseite des Brisbane Rivers.
Die University of Queensland:
Nach erfolgreicher Wohnungssuche starten wir eine Woche später gleich in die Orientierungswoche an der Uni. Hilfreiche Einführungsveranstaltungen etwa zum Gestalten des Stundenplans oder zum australischen Benotungssystem wechselten sich mit unterhaltsamen Vorlesungen zur australischen Lebensart und Reiseempfehlungen ab. Generell ist das australische Universitätssystem anders als das in Deutschland aufgebaut. Pro Semester werden nur 3 oder 4 Kurse belegt, die dann nach sechs Semestern mit 18-24 Kursen zum Bachelor und später zum Master führen. Dafür sind die einzelnen Seminare auch sehr arbeitsintensiv und häufig mit mehreren Klausuren und Hausarbeiten verbunden. Ich habe drei Kurse besucht, um mich auf die einzelnen Kurse besser konzentrieren zu können und sie letztlich auch erfolgreich bestehen zu können.
Seminar „Television and Popular Culture“:
Mein erstes Seminar hieß „Television and Popular Culture“ und griff mein Hauptstudium der Kommunikationswissenschaften auf. Der Kurs war in den Cultural Studies angesiedelt, sehr praktisch ausgerichtet und ergänzte meine vorherigen Seminare in Münster sehr gut. Er gab einen spannenden Einblick in die australische Medien- und Fernsehkultur, griff aktuelle Diskurse in Australien auf und gab somit einen detaillierten Einblick in einen völlig anderen Kultur- und Medienkreis. Die Dozenten betreuten sehr kleine Kurse, die die Vorlesungen ergänzten. Mein Seminar war mit 10 Studenten belegt, was es meiner Dozentin, Dr. Lisa Bode, einfach machte, eine gute Betreuung anzubieten und Hausarbeiten und Übungen zügig zu korrigieren. Neben den wöchentlichen Übungsaufgaben, die zu den Texten des Kursbuches angefertigt werden mussten, waren regelmäßige Beiträge im Internet zu Fernsehthemen und zwei größere Hausarbeiten erforderlich, um den Kurs erfolgreich zu bestehen. Dabei ergeben die Aufgaben Prozentwerte, die am Ende die gesamte Note ausmacht, die dann in einer Zahl von 1 bis 7 wiedergegeben wird. 7 stellt die beste Note dar, der Kurs ist erst ab einer 4 bestanden. Meine Hausarbeiten über die britische Autosendung „Top Gear“ und die amerikanische Krimiserie „CSI: New York“ haben mir nicht nur Spaß gemacht, sondern am Ende auch 85,5% der Gesamtnote gebracht, was einer Note 7 („high distinction“) entspricht.
Seminar „International Relations in East-Asia“:
In Politik habe ich im Bereich der International Relations einen Kurs über Internationale Beziehungen in Ostasien belegt, was meinen Interessen und Studienschwerpunkten in Deutschland entgegenkam. Der Kurs „International Relations in East-Asia“ war vom Betreuungsverhältnis ähnlich gut wie „Television and Popular Culture“, garantierte daher auch engen Kontakt zum Tutor und Professor und schnelle Bearbeitung der Klausuren und Hausarbeiten. Ein Referat, zwei Hausarbeiten und eine zweistündige Klausur zum Abschluss waren notwendig für die Gesamtnote. Ein Referat auf Englisch zu halten war eine interessante Erfahrung und eigentlich gar nicht so schlimm wie ich es befürchtet hatte. Thematisiert wurden das Verhältnis und der Einfluss der USA auf Ostasien (u.a auch China, Japan, Korea). Die Ausarbeitung (1200 Wörter) war für mich die erste Hausarbeit mit genauen Vorgaben zum Wortlimit, der Struktur und zu den stilistischen Normen. Die zweite Hausarbeit (2500 Wörter) beschäftigte sich mit dem sino-japanischen Verhältnis von 1945 bis heute. In beiden Hausarbeiten haperte es ein wenig an der Absprache zwischen mir und dem Dozenten, der die Anzahl der Wörter (ca. 1500 Wörter) in der ersten Arbeit und inhaltliche Differenzen in der zweiten Hausarbeit anmerkte. Ca. 76% der Gesamtnote reichten so zur Note 5 von 7, denn auch die Klausur zog den Schnitt der Hausarbeiten und des Referates nicht mehr sonderlich nach oben oder unten.
Seminar „Australia’s Marine Environment“:
Für meinen dritten Kurs orientierte ich mich ein wenig um und belegte einen Kurs in Meeresbiologie „Australia’s Marine Environment“. Zum einen, weil mich mein Interesse an Biologie immer begleitet hat, zum anderen die weltberühmten Dozenten an der University of Queensland und die exklusiven Exkursionen zu den Forschungsstationen der Universität. Der Dozent Dr. Davey Kline ist selber Amerikaner und Experte für Korallen- und Riffentwicklungen. Da das Great Barrier Reef direkt vor der Haustür der Uni liegt, treffen sich die Experten weltweit hier, um zu forschen und lehren. Im Übrigen ist es durchaus üblich, gerade in seinem Auslandssemester einmal eine Studienrichtung kennen zu lernen, was auch die australischen Unis mit dem Study Abroad fördern. Einige unserer Freunde belegten etwa Kurse in Popular Musik oder BWL. Der Kurs war ein wirklicher Gewinn für mich. Viele Freundschaften, etwa mit Amerikanern oder Kanadiern sind so entstanden (und dank Facebook auch nach dem Australienabenteuer haltbar) und mein Bewusstsein für das fragile System der Korallenriffe ist weiter verstärkt worden. Auch die Anforderungen waren anspruchsvoll, drei Hausarbeiten und zwei Klausuren hielten uns immer auf Trab. Die Hausarbeiten und Klausuren, konnte ich aber fast immer mit 90% oder besser abschließen, auch mit Hilfe meines deutschen Freundes Tobias, der Biologie in Gießen studiert und mit mir viele anregende Diskussionen über die Biologie und seine vielen Facetten führte. Den Kurs bestand ich so mit der Note 7 von 7, was mich sehr gefreut hat. Die Klausuren behandelten den Stoff der Vorlesungen, die Hausarbeiten waren wissenschaftliche Artikel, die über ein kleines Forschungsprojekt bei den Exkursionen geschrieben wurden. So untersuchte ich mit meiner internationalen Gruppe, die Vielfalt der Lebewesen im flachen Wasser der Sandbänke und in Seegrasbetten. Dabei ging uns sogar ein Stachelrochen ins Netz, der mit einer spektakulären Rettungsaktion aus dem Netz geschnitten wurde und bei Ebbe ins tiefere Wasser zurück getragen werden musste. Heron Island beheimatet die zweite Forschungsstation der Universität mitten im schönsten Teil der Great Barrier Reef. Es sollte meine schönste Exkursion in Australien werden. Der weiße Sand und die Palmen, das kristallklare Wasser, indem Haie, Rochen und Schildkröten schwammen, kamen meinen Träumen und Tauchfantasien von Australien am nächsten. Sie übertrafen sie eigentlich. Für ein paar Eindrücke habe ein Fotoalbum auf meiner Homepage www.brisbane2008.de geladen, auf der auch alle anderen Bilder, Blogeinträge und Infos stehen. Die Homepage ist auch auf den Webseiten des Ranke-Heinemann-Instituts verlinkt. Das theoretisch Gelernte aus den Vorlesungen konnten wir auf den Exkursionen im Riff wunderbar erfahren und bestaunen. Selten bin ich in einem Seminar so motiviert worden zu lernen und zu entdecken.
Leben an der University of Queensland:
Auch neben den Seminaren haben wir die Universität genauer kennen gelernt. Hilfreich war sicher unser tolles Haus, das direkt neben der Brücke lag, die über den Brisbane River in den Park der Universität führte. Morgens über die Brücke zur Uni zu laufen, den Sonnenaufgang zu sehen und im Park von unzähligen Papageien begrüßt zu werden, war immer ein toller Start in den Unitag. Auf dem Gelände der Universität habe ich auch im Fitnessstudio trainiert und in der Fußball-Universitätsliga mitgespielt. Unsere australischen Nachbarn stellten ein Team, das allerdings erfolglos Letzter in der Liga war. Mit meinem kolumbianischen Mitbewohner Viktor, der beinahe Profifußballer geworden wäre und dessen frühere Freunde mittlerweile beim PSV Eindhoven und bei Sporting Lissabon spielen, wirkte ich ein paar Mal mit und gewann etwa gegen den Spitzenreiter der Liga 7:1. Die Frage, ob wir wirklich so gut waren oder die Australier einfach lieber Rugby spielen, lass ich an dieser Stelle offen. In den Play-Offs konnten wir leider nicht mehr eingreifen, da waren wir bereits auf Reisen.
Auf einem Fotoshooting im April suchte die Uni unter anderem mich aus, eines der Gesichter für ihre Kampagne zu werden, die Uni international zu repräsentieren. Der Termin war nett, zumal mit Iren, Amerikanern, Malaien, Japanern und anderen eine bunte Mischung an Nationen vertreten war. Die Fotos sind noch auf der Homepage der Uni und im asiatischen Raum als Prospekte und Hefte auf Universitätsmessen unterwegs. Vielleicht inspiriert es ja einen chinesischen Studenten oder eine iranische Studentin, den Weg nach Australien zur University of Queensland zu finden, wer weiß.
Reisen in Australien:
Neben dem ausführlichen Studium blieb noch zum Glück genug Zeit zum Reisen und Erkunden des roten Kontinents. Da wir keine Zeit verschenken wollten, reisten wir bereits während des Semesters, erledigten unsere Uniaufgaben in der Woche und planten schöne Trips an den Wochenenden. So zum Beispiel zum Surfen nach Agnes Water. Ein großer Spaß, zum ersten Mal vom Surfbrett zu fallen und in den Wellen halb zu ertrinken. Mit ein wenig Geduld klappte das Wellenreiten dann aber auch. Abends stolperten wir in eine australische Kneipe mitten hinein in einen australischen Junggesellenabschied. Jungs in Frauenkleidern, die bis zum Umfallen Bier tranken, dann aber auf die Bühne gingen und tollen australischen Rock spielten, haben mich wirklich beeindruckt.
Mit Melbourne, Sydney und Brisbane haben wir uns alle großen Städte an der Ostküste näher angeschaut, Melbourne war zudem das Tor zur weltberühmten Great Ocean Road, für die wir uns einen Campingwagen gemietet haben und an der pazifischen Küste entlang gefahren sind. In den Eukalyptusbäumen saßen oder schliefen Koalabären, auf den Golfplätzen entspannten die Kängurus im Schatten und das Meer brandete an die schroffe Küste Südaustraliens. Tolle Eindrücke. Wir haben mit Stadionbesuchen die Sportarten Rugby, Kricket und Australiens Nationalsport Australian Football kennen und (teilweise) lieben gelernt.
Ein Abstecher auf die Fiji-Inseln hat uns noch einmal die Gelegenheit gegeben, an das gefühlte Ende der Welt zu kommen, mitten in ein traumhaftes Inselparadies voller Strände, Palmen und Hängematten. Abstecher auf die nahen Sandinseln Fraser Island und Moreton Island ließen unseren Entdeckergeist aufleben mit Exkursionen über die Inseln und Begegnungen mit Dingos, Pythons, Schildkröten, Haien und Delfinen. Die Whitsunday Islands mitten im Great Barrier Reef besuchten wir nach dem Semester für einen mehrtägigen Segeltörn und Tauch- und Schnorchelgängen. Ebenso eignete sich dafür Cairns im hohen Norden. So sahen wir Rochen, Mantas, Schildkröten, Haie und Wale. Da ich mir einen Unterwasserschutz für meine Kamera gekauft hatte, konnte ich unter Wasser Bilder aufnehmen. Viele schöne Fotos sind auch auf meiner Homepage zu sehen. Die letzten drei Wochen besuchte mich meine Familie in Cairns und Sydney und ermöglichte so ein Wiedersehen bereits in Australien. Eine wunderbare Zeit zum Abschluss in Australien, die mein Fernweh zurück ans andere Ende der Welt ein wenig verstärkt hat.
Kamen, den 21.08.08