Ankunft und Wohnungssuche:
Die Ankunft in Brisbane war grundsätzlich unspektakulär. Die Abholung vom Flughafen wurde von der Uni organisiert, und wir hatten das Glück, dass wir die ersten Tage bei Bekannten verbringen konnten. So fiel mit Hilfe des ‚fans’ (Ventilator) auch die Akklimatisierung nicht allzu schwer (von ca. -5 °C in Schwechat auf 35 °C in Brisbane). Dazu ist anzumerken, dass es meines Erachtens leichter ist mit den höheren Sommertemperaturen in Brisbane umzugehen, als mit den Temperaturen in den Wintermonaten Juni-August (3 – 20 °C; aber die Häuser werden nicht geheizt und die Tage sind kurz). Also sollte man bei einem Aufenthalt in Brisbane auch warme Kleidung mitnehmen (was einem zwar von jedem empfohlen wird, aber natürlich auch von mir von mir nicht gemacht wurde)!
2 Wochen vor der ‚orientation week’ begann ich mit der Wohnungssuche über das ‚Uni Accomodation Service’, die bei mir mittelprächtig verlief, d.h. nach ca. 50 Telefonaten und 10 Besichtigungen hatte ich zusammen mit 2 Aussies eine Bleibe gefunden (wobei andere AustauschstudentInnen bereits nach 2 Stunden was Nettes gefunden hatten, andere jedoch bis zu 2 Wochen suchten). Würde ich heute noch mal eine Wohnung in Brisie suchen, würde ich von meinen drei Grundsätzen
1. Uninähe (St. Lucia, Toowong, Taringa)
2. ‘native speaker’ als Mitbewohner
3. Internetanschluss in der Wohnung
dahingehend abweichen, dass die Mitbewohner nicht unbedingt ‚native speaker’ sein müssen, solange sie sich zumindest ausreichend verständigen können und nicht Deutsch als Muttersprache haben (denn so sehr man es sich auch vornimmt, man spricht dann doch Deutsch miteinander Ein Austausch in Berlin oder Zürich wäre billiger). Sich mit Menschen zu umgeben, die in der gleichen Lebenssituation (nämlich Austauschstudierende) sind, kann unter Umständen vorteilhafter sein, als mit Aussies, mit denen man dann nicht allzu viel zu tun hat, bzw. die ganz andere Lebensgewohnheiten pflegen (z. B. um 5 Uhr aufstehen müssen).
Generell gilt, je früher man mit der Wohnungssuche anfängt, desto höhere Ansprüche kann man stellen, und desto stressfreier ist es natürlich, wobei man sich trotzdem nach der Ankunft unbedingt ein paar Tage zum Eingewöhnen und Akklimatisieren gönnen sollte!
Uni und Kurse:
Die von der Uni organisierte ‚Orientation Week’ ist nützlich um sich an das neue Umfeld gewöhnen zu können, allerdings hatte ich (wie auch einige Male unterm Semester) manchmal das Gefühl beim österreichischen Bundesheer zu sein (es wurde einem alles Hundertmal und bis ins Detail erklärt, so dass man das wirklich wichtige dann verschläft). Die Kursanmeldung erfolgt problemlos über Computer, auch ist es völlig ausreichend sich erst vor Ort, nachdem man sich im Rahmen der Orientation Week über die Kurse informiert hat, anzumelden, weil in allen Kursen genug Kapazitäten vorhanden sind.
Generell gilt die UQ als sehr gute, aber konservative Uni. So wird sehr viel Wert auf richtiges akademisches Arbeiten (3 Kurse – 3 komplett verschiedene Zitierweisen, die einem jeweils gründlich erörtert werden) und die Form von Essays (wobei auch Rechtschreibung und Grammatik mitberücksichtigt werden) gelegt. Die Lehrenden hätten zwar potentiell die Möglichkeit moderernste technische Hilfsmittel einzusetzen, sind aber meiner Erfahrung nach eher von der alten Schule (deren Vortragsweise, bzw. die kategorische Ablehnung des world wide web).
Jedenfalls ist die UQ in diesem ominösen weltweiten Uni-Ranking auf Platz 28 gereiht (Uni Graz Platz 385 oder so). Dies zeigt sich u. a. durch Tutorien (15er-Gruppen) in jedem Fach, Zugriffsmöglichkeiten zu fast jedem akademischen Journal auch für Studenten, und genügend Kursplätzen in den Lehrveranstaltungen.
Bei der Kurswahl habe ich mich schlussendlich für folgende Kurse entschieden:
MARS 2005 (Marine Biology): Mein absoluter Lieblingskurs, unbedingt weiterempfehlens-wert, ganz egal was man als Hauptstudium macht. Dieser Kurs wird ausschließlich für Austauschstudenten organisiert. Höhepunkte sind ein 3-Tages-Field-Trip nach North-Stradebroke-Island (nähe Brisbane) und ein 5-Tages-Field-Trip nach Heron Island (am Great Barrier Reef), für die allerdings extra bezahlt werden muss (ca. 370 Euro).
AUST 1000 (Contemporary Australia): In diesem Kurs hört man über die Entstehung der Australischen Nation, über nationale Identität, nationale Feiertage, Jugendkultur, Immigration, Randgruppen etc. Er bietet eine gute Möglichkeit an mit der australischen Medienlandschaft vertraut zu werden, die meisten Themen werden allerdings sehr, sehr wissenschaftlich und trocken abgehandelt, Gegenwartsprobleme nur am Rande angeschnitten.
POLS 1201 (An Introduction to International Relations): Dieser Kurs gibt einen umfassenden und guten Überblick über alle Themen der Weltpolitik. Neben einer theoretischen Einführung und Vorlesungen über Themengebiete wie z.B. den Kalten Krieg, die Jugoslawienkriege, die UNO, Umweltprobleme etc. wird vor allem in den Tutorien sehr viel über aktuelle Entwicklungen diskutiert.
Clubs:
Es gibt auf der Uni eine unendliche Vielzahl an Studentenorganisationen und Clubs, neben unzähligen Sportclubs, politischen und religiösen Organisationen findet man darunter auch Exoten wie z. B. den Lego-Club, den Debate-Club, die „Chocolate Appreciation Society“, den Brettspielclub und die „Marihuana Appreciation Society“ All diese Clubs organisieren gesellschaftliche Events und stellen eine gute Möglichkeit dar, Leute kennen zu lernen. Hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang der Study-Abroad-Club, wo sich Austauschstudenten aus der ganzen Welt mit Australiern, die bereits im Ausland studierten, bzw. dies noch vorhaben, 14-tägig im RE (beliebtes Studentenlokal) treffen, und auch sonst viele Aktivitäten unternehmen.
Versicherungen:
Zusätzlich zu der verpflichtenden OSHC-Health-Cover hatte ich noch eine Diebstahlsversicherung abgeschlossen, wobei ich keine davon benötigte.
Leben in Brisbane:
Brisbane gilt gegenüber Sydney und Melbourne als sehr preiswerte Stadt. Die Lebenskosten in Brisbane entsprechen in etwa denen in Graz, wobei vor allem Kleidung und Treibstoffe wesentlich billiger sind. Im Großraum Brisbane leben an die 2 Millionen Einwohner, großteils in Einfamilienhäusern im Grünen, dementsprechend groß sind auch die Distanzen innerhalb der Stadt.