Six Months in a Sunburnt Country
Mein Auslandssemester an der University of Wollongong in Australien
No Worries. –Von der Überwindung des Kulturschocks
Die ersten 24 Stunden in Australien waren sehr viel schwieriger als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich kannte niemanden und hatte mit einem fürchterlichen Jetlag zu kämpfen, der mich den ersten Tag wie benommen wahrnehmen ließ. Nichts desto trotz bemerkte ich rasch, dass es einige Dinge gab, die anders waren als zu Hause und die ich mir schnellst möglich aneignen und verinnerlichen sollte. Der Linksverkehr gehörte zu diesen Dingen. Auch wurde mir bald bewusst, dass ich mich bei Fragen nach Himmelsrichtungen oder ähnlichem lieber zurückhalten sollte. In anderen Worten: Ich kam mir ziemlich verloren vor in dieser antipodischen Welt, in der nichts so zu sein schien wie zu Hause. Die Sonne wanderte auf der falschen Seite, die Sterne bildeten keinen Wagen mehr, sondern Kreuze, Wellensittiche lebten nicht mehr in Käfigen und Ampeln machten Geräusche wie Paradiesvögel. Ich hatte Heimweh.
Überwunden habe ich den Kulturschock mit Hilfe meiner neuen Freunde. Zum einen hat mir der Kontakt zu anderen ausländischen Studierenden sehr geholfen, da man die Unsicherheit und Neugier teilte und gemeinsam über kleine Ausrutscher lachen konnte. Auf der anderen Seite haben mir die Australier von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich in ihrem Land willkommen sei und ich mich „zuhause“ fühlen sollte. Sie waren geduldig und stets bereit mir die Geheimnisse und Besonderheiten ihrer Welt zu vermitteln.
Fair Dinkum! –Auf Englisch, Bitte?
Dank meines Anglistikstudiums sowie mehrmonatiger Auslandsaufenthalte in Nordamerika ging ich an die Sache mit der sprachlichen Verständigung recht selbstbewusst und gelassen heran. Endlich mal etwas, worüber ich mir keine Sorgen machen musste! Das dachte ich genau bis zu dem Moment, als ich in Wollongong aus dem Flughafen-Shuttlebus stieg und mich ein Senior Resident meines Wohnheims in Empfang nahm. Sollte das Englisch sein? Zwar war mir der australische Akzent aus Filmen und usw. bekannt, doch da hatte ich wohl nur die ‚ausländerfreundliche’ Version gehört. Hinzu kam ein Dialekt, der anscheinend keine Wörter tolerierte, die länger als zwei Silben waren, und alles, was darüber hinaus ging, gnadenlos zusammenkürzte und sie bis zur Unkenntlichkeit mit einem ‚o’ oder ‚i/y’ am Ende versah. So wurde afternoon zu arvo, die petrol station zum servo, Americans zu seppos und biscuits zu bikkies. Vor allem im Vokabular des Essens oder ,Tucker’ musste ich mich erst einmal zurechtfinden. So waren kanga bangas, snags, goggs und sangers Köstlichkeiten, die exotisch klangen, aber meist recht vertraut aussahen und schmeckten.
Zu manchen dieser skurrilen Ausdrucke gibt es tolle Geschichten und interessante Erklärungen, die gerne erzählt werden. Jedoch sind die meisten wohl doch auf eine gewisse sprachliche Faulheit vieler Australier zurückzuführen.
Das Erlernen des australischen Slangs hat großen Spaß gemacht und zahlt sich aus, wenn man zum Beispiel mit Australiern zum Essen verabredet ist. So weiß ich nun, dass wenn ich am Tisch um das ‚dead horse’ gebeten werde, man von mir den Ketchup wünscht und nicht die tote Stute aus dem Stall.
Für alle, die schon einmal ein bisschen üben möchten: http://www.koalanet.com.au/australian-slang.html
The Australian Way of Life
In Australien findet ein Großteil des Lebens im Freien statt. Neben vielen Barbecues gehören Strandbesuche, Sport und Ausflüge zum beliebten Zeitvertreib. Aus diesem Grund ist Australien wohl auch das einzige Land, in dem ich an der Universität ein Referat mit dem Titel ‚The Beach, Barbecues and Sport’ halten musste, was zeigt, wie wichtig diese Aktivitäten für die Australier sind.
Meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass es wichtig ist der Versuchung zu widerstehen, ausschließlich mit anderen ausländischen Studierenden Zeit zu verbringen. Die Australier sind ein bemerkenswertes Volk und der Kontakt zu ihnen war eine sehr bereichernde und schöne Erfahrung für mich. Zwar sind sie von Zeit zu Zeit etwas stur, aber das machen sie mit ihrem freundlichen Wesen und ihrer Hilfsbereitschaft ein anderes Mal wieder wett. Auch ist das Leben Down Under ein großes Stück gelassener als in Deutschland, etwas, das mir persönlich sehr gut gefallen hat. Des Weiteren sollte keine Gelegenheit ausgelassen werden einen Australier in seinen Heimatort zu begleiten und sich von ihm herum führen zu lassen. Die Australier sind stolz auf ihr Land und zeigen es gerne jedem, der Interesse daran hat, und dies bezieht sich nicht nur auf Landschaft und Städte, sondern auch auf den ‚Australian Way of Life’. Ich persönliche habe die Erfahrung gemacht, dass diese sich von der deutschen doch sehr unterscheidende australische Lebensweise sehr ansteckend ist und man Seiten an sich selber entdecken kann, die einem vorher nie bewusst waren. Daher gehört der Kulturaustausch, den ich ganz persönlich mit den Australiern erfahren habe, zu den spannendsten Erfahrungen, die ich in Australien sammeln konnte.
Burger With The Lot –Von Australiens Nationalgericht und anderen Spezialitäten
Wie in eigentlich jeder Kultur spielt auch in Australien das Essen eine wichtige Rolle. Auch in Down Under ist die Redensart ‚We are what we eat’ wieder zu finden, denn in der multikulturellen australischen Küche fließen viele verschiedene Einflüsse zusammen. Es entsteht quasi ein großer bunter Mix, für den stellvertretend eine ganz besondere australische Spezialität steht: Der Aussie Burger, auch Burger With the Lot oder Work Burger genannt. Meine erste Begegnung mit diesem Monster der leckeren Art werde ich wohl nicht so schnell vergessen und kann sie daher nur weiterempfehlen. Der Bericht über dieses faszinierende Erlebnis sah folgender Maßen aus:
A Frankenstein of the food kind- maybe it had a conscious and a mind of its own, too. A young Australian chap from a country town in the Australian Bush preformed the delicate surgery to create such a monster.
Ingredients in an \"Australian\" hamburger for those of you who would like to try:
one titanic piece of cow; one gargantuan loaf of brea;, an entire head of lettuce; a slab of thickly cut middle bacon; tomatos (2 or 3 whole, depending on your preference); a half can of Beet Root; one Onion – diced; another body part of chicken (if you dare. . .); a fried Egg or better yet, a dozen fried eggs. (essential); one pineapple, cut and sectioned; 300 ml of tomato \"sauce\" but NOT ketchup - they are different. (Maybe you could put tomato sauce AND ketchup on it, but in separate parts of the creature.)
Make sure to have plenty of napkins on board- and ENJOY! you have created ONE Aussie Burger. WARNING: always consume the Aussie hamburger with a buddy partner. Always eat with a trained life-saver as an observer. Keep a defibrillator at hand as well as a shot of nitro glycerin. Failure to follow these precautions or consuming the aussie burger without consulting your health care provider first could result in: heart attack, stroke, indigestion, dry mouth, insomnia, and inexplainable weight gain.
Meat Pies und Camel Burgers sind weitere Spezialitäten, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Vegetarier haben es tatsächlich manchmal nicht ganz leicht in diesem fleischverrückten Land. Aber zum Glück gibt es ja noch die riesige Obst- und Gemüseauswahl und natürlich die(das) garantiert fleischfreie, berühmt-berüchtigte Vegimite, eine weitere Geschmackserfahrung der ganz besonderen Art.
Australia Day, Anzac Parade und Mardi Gras -Feiern wie die Australier
Ich erwähne dieses Thema in meinem Bericht, da es mich als angehende Kulturwissenschaftlerin sehr interessiert hat. Die Feiertage und Feste eines Landes spiegeln oftmals wichtige Aspekte der betroffenen Kultur und ihrer Werte wider. Des Weiteren sind sie oftmals ein Ausdruck dessen, wie die Bewohner eines Landes sich selbst gerne sehen und gesehen werden wollen.
In Australien sind die einzelnen, bedeutsamen Feiertage sehr widersprüchlich. Australia Day ist zugleich auch Invasion Day. Feiertage wie der Geburtstag der Queen und Anzac Day sind konservative Feste, während Events wie die Mardi Gras Liberalität zelebriert. Dennoch stehen diese Feste gleichberechtigt nebeneinander und vermitteln die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit, die in der australischen multikulturellen Gesellschaft existieren und die die Zuordnung einer eindeutigen australischen Identität unmöglich machen:
There is no ‚real’ Australia waiting to be uncovered.. There is no point in asking whether one version of this essential Australia is truer than another because they are all intellectual constructs, neat, tidy, comprehensible – and necessarily false.
(Richard White, 1981)
Ich selber hatte das Glück, an einem der wichtigsten Feiertage Australiens, dem Anzac Day, teilzunehmen. Als ich meinem australischen Freund berichtete, dass ich gerade etwas über unseren Besuch der Sydney Anzac Parade schreiben würde, bestand er darauf, mir zu helfen. Er hatte die Idee einen Bericht aus meiner Perspektive zu schreiben. Das Ergebnis ist dementsprechend eine liebevolle Beschreibung dessen, wie die Australier sich wünschen, dass wir sie und diesen bedeutsamen Feiertag wahrnehmen, der für mich nicht viel mehr als patriotisches Fänchen-schwingen, marschierende Blaskappellen und köstliches Anzac-Gebäck bedeutete:
…A few hours after the dawn service, parades are held around the country. Myself, an Aussie mate and an American friend attended the parade in Sydney where we observed the different battalions of the Australian Army march past in full uniform and colours. The red, white and blue of the Australian flag were everywhere, looking like a sea of moving patriotism that gave the air a sense of energy. Never in my life have I seen such a proud people. My Aussie mate could not take his eyes of the parade, so instilled with pride, honour and respect was he that he could not move as if he was stuck, transfixed on the moving pretension.
Us Mob –Australiens Ureinwohner und die Multikulturelle, Australische Gesellschaft
…The Aboriginal culture is so contradictory and complex. Overseas, when we think of Aboriginal Australia, we think of music, dance, art –the oldest culture on earth. But there is this other side of poverty and alcoholism that probably most people like to ignore. Thus, when I was first confronted with it in reality, it was almost a bit hard to believe...
Der obige Auszug stammt aus meinem Reflective Journal, dass ich für meinen ‘Introduction to Aboriginal Australia’ Kurs anfertigen sollte. Das Thema Aboriginal Australia ist in der Tat kein einfaches. Obgleich mit der Bekennung zur multikulturellen Gesellschaft schon ein wichtiger Schritt in Sachen ‚Reconciliation’ getan wurde, hat Australien nach wie vor mit Problemen wie Rassismus und einer zweigeteilten Gesellschaft zu kämpfen und umzugehen. So heißt es in einem Lied von der Aboriginal Band Yothu Yindi:
Now two rivers run their own course
separated for so long
I’m dreaming of a brighter day
When the waters will be one.
Doch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass seit diese Zeilen geschrieben wurden viel im Kampf um die Annerkennung der Urbevölkerung getan wurde und eine Zusammenführung der Bevölkerung näher rückt. Des Weiteren empfehle ich jedem, der nach Australien reist, sich über die Kultur der Aboriginal people, die so anders ist als westliche Kulturen, zu informieren und somit wertvolle Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen.
Schließlich ist ethnische Vielfalt ein wichtiger Bestandteil des Konzepts der multikulturellen, australischen Gesellschaft. Sie ist überall spürbar, was das Leben in Australien sehr abwechslungsreich und lehrreich macht. Wer an interkulturellem Austausch interessiert ist, ist in Australien am richtigen Ort und sollte die Chance nutzen, den eigenen Horizont zu erweitern.
Who’ll Come a Waltzing Matilda with Me? –Abenteuer Down Under
Dies ist mit Sicherheit mein Lieblingsthema! Australien ist ein Ort, der zum reisen und entdecken einlädt. In einem Land, in dem die Landschaft, Flora und Fauna so einzigartig sind, kribbelt es permanent in den Gliedern wenn man wieder einmal einen Nachmittag in der Bibliothek verbracht hat. In diesen Zeiten denkt man nur noch,
Let\'s get the hell out of here!
Ein paar Freunde und ein Leihwagen (oder ein guter australischer Freund mit eigenem Auto) sind das einzige, was man braucht, um einen Road Trip zu unternehmen und eine tolle Zeit zu verbringen. Um so spontaner, desto besser. Einfach ins Auto springen und losfahren. Einer meiner tollsten Ausflüge war eine Aktion, die aus einer solchen Situation entstand. Wir wollten eigentlich nur die Küste ein wenig hinunter fahren und entschieden uns dann kurzfristig, die Eltern unseres Freundes im australischen Busch (etwa 400km entfernt von Wollongong) zu besuchen:
…And probably on this drive we saw the most beautiful parts of the country as well as wild horses, emus, kangaroos, wallabies, and wombats. We spent the night with Mr. Prosser\'s folks who had no advanced warning of our intentions to spend the night, however they had enough beds for us all in a former house turned barn which still had bundles of wool wrapped up and ready for sale. We slept next to a big pile of wool. Dawn came at 6.37 and bacon and eggs, sausage and coffee with it. Albeit we were hill climbing in a range rover with more history than most things that have a horn. When we reached the summit of Tumut, the scene was perfect. The only thing that was possibly missing was a possible crane shot and \'blonde on blonde\' playing in the background…
Natürlich unternahmen wir auch größere Reisen nach Melbourne und zur Great Ocean Road, sowie eine dreiwöchige Abenteuertour ins australische Outback und den tropischen Norden. Wir entschieden uns für die kostengünstigste Variante in einem 1982er Nissan Skyline, der bereits mehr als 500000km auf dem Tacho hatte. Spannung war dem entsprechend vorprogrammiert, so schrieb einer von uns in seiner letzten Email bevor wir uns auf den Weg ins Ungewisse machten:
‘Anyway, the point being is that there is a very high probability of something going horridly wrong. And that\'s exactly why we’re going.’
So ähnlich kam es dann auch, was dem Spaß jedoch keinen Ablass tat. Wir überstanden einen Getriebeschaden im Outback und einige schlaflose Nächte während monsunartiger Regenfälle auf Campingplätzen in der Nähe von Alice Springs und hatten dabei riesigen Spaß!
Ich kann jedem nur den Rat geben, die Chance zu nutzen, etwas von diesem wunderschönen Land zu sehen, egal wie spontan und chaotisch die Reisen manchmal geplant sein mögen. Auch würde ich immer eine Low-Budget-Tour, einer vollständig durchorganisierten Touristenreise vorziehen, denn die real Australian experience, die viele Unternehmen versprechen, kann man günstiger und oft authentischer in Eigeninitiative erleben. Viel Spaß!
Looking Back...
Meine Zeit in Australien war studentisch sowie persönlich eine herausragende Erfahrung. An der Universität sind meine Erwartungen sogar übertroffen worden. Ich habe viel über die australische Kultur, Geschichte und Literatur gelernt und konnte das an der Universität theoretisch Erlernte zum großen Teil in der Praxis wieder finden und erleben, eine Erfahrung, die mir an einer deutschen Universität verwehrt geblieben wäre.
Ich bin persönlich an den zu bewältigenden Aufgaben und dem Kulturschock, den ich sowohl in Australien als auch nach meiner Rückkehr in Deutschland erlebte, gewachsen. Ich habe viele neue Freunde aus verschiedenen Erdteilen kennen gelernt und der Austausch mit ihnen hat meinen Horizont erweitert und mich in vielerlei Hinsicht inspiriert. Ich sehe ihre Welt und meine eigene nun mit anderen Augen, eine Erfahrung für die ich sehr dankbar bin.
So Australia. -They have many dangerous things that can kill you and they have almost no water left. However, the people are diverse, friendly, open-minded and helpful as well as always interested in having a good time. And why not?
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