Auslandssemester in Australien
Juli 2007-Januar 2008
Das siebte Semester meines Chemie-Studiums wollte ich gerne in Australien verbringen, da Auslandserfahrungen immer wichtiger werden und mich Australien persönlich sehr interessierte. Mit der großartigen Unterstützung des Instituts Ranke-Heinemann nahm ich dieses Abenteuer in Angriff. Unglaublicherweise habe ich dann auch schon nur wenige Wochen später Nachricht von der University of Wollongong (UOW), meinem Erstwunsch, bekommen: Juhuu, ich darf kommen! Schnell die Studienge-bühren überwiesen und dann hatte ich auch bald schon die CoE in der Hand – wow! So schnell geht das! Ich konnte es immer noch nicht richtig glauben, als ich schon im Flieger gen Sydney saß. Da erst dämmerte mir langsam, was demnächst so auf mich zukommen könnte, viele neue Eindrücke, den Alltag auf Englisch meistern, neue Leute kennen lernen, eine neue Kultur erleben. Ich war gespannt!
Glücklicherweise hatte ich kurz vor Abflug die Claudia im Forum des Instituts Ranke-Heinemann kennen gelernt, sie kommt aus derselben Stadt wie ich und lustigerweise wollte auch sie ein Semester an der UOW verbringen, zur selben Zeit wie ich. Da wir uns von Anfang an super verstanden haben, wollten wir uns gemeinsam eine Wohnung suchen. Das gestaltete sich dann aber trotz aller anders lautenden Informationen von anderen Studenten der UOW im Vorfeld als recht schwierig. Möblierte Wohnungen gab es nur eine Handvoll und viele der Vermieter wollten ihre Wohnungen für mindestens sechs Monate vermieten. Bei manchen wohnte der Vermieter sogar noch mit drin - sehr seltsam. Das Student Central der Uni war uns bei der Wohnungssuche eine große Hilfe. Wohin wir auch kamen, überall wurden wir freundlich empfangen und es wurde uns nach Kräften weiter geholfen. So gab es z. B. im Student Central eine Liste mit zu vermietenden Wohnungen/Häusern, die täglich aktualisiert wurde. Außerdem hatten wir Kontakt zur Leiterin der Studentenwohnheime, die versprach uns unbürokratisch unterzubringen, sollten wir nichts anderes finden. Ich war ganz begeistert von so viel Hilfestellung! Im Nachhinein wäre es das Beste gewesen noch eher mit der Wohnungssuche zu beginnen; erst in der Woche vor der Orientie-rungswoche anzufangen (es blieb uns nichts anderes übrig, wegen des Semesters in Deutschland) wird dann knapp. Freunde von mir haben ihr Zimmer schon von Deutschland aus gesucht und sich mit den Mädels der WG per Email in Verbindung gesetzt. Als sie dann angekommen sind, haben sie sich das Zimmer angesehen und sind sofort eingezogen. Von den Mietpreisen her sollte man zwischen 80 Dollar (sehr günstig und recht selten) bis 150 Dollar (super Luxushaus oder Studentenwohnheim) pro Woche rechnen. Ich selber habe 125 Dollar bezahlt für ein Zimmer in einem sehr alten Haus, allerdings in super Lage inkl. allen Nebenkosten (Strom, Wasser, DSL-Internet). Im Vergleich zu Deutschland sind die Mietpreise in Wollongong (und wahrscheinlich in ganz Australien) teurer. Die Stadteile Gwynneville und North Wollongong sind meiner Meinung nach bei der Wohnungssuche am interessantesten, da Strand, Innenstadt und Uni nicht weit entfernt sind. Wenn man z. B. in West Wollongong wohnt, hat man zwar ein riesiges Einkaufszentrum vor der Tür, muss aber auch mit 20 Minuten Busfahrt bis zur Uni rechnen. Leider gibt es keine ermäßigten Busfahrpreise für Study Abroad Students in NSW. Da lohnt sich ein Fahrrad...
Trotz aller Wohnungsschwierigkeiten habe ich mich in Wollongong gleich wohl gefühlt. Die Stadt verbreitet ein tolles Flair irgendwo zwischen Groß- und Kleinstadt, ohne hektischen Trubel und Stress und war daher eine super Stadt für mein Auslandssemester. Die Stadt liegt eine gute Stunde per Auto entfernt südlich von Sydney landschaftlich wunderschön gelegen direkt am Meer, umgeben von Bergen. Wollongong bedeutet auch "Zwischen Berg und Meer" und man kann sehen warum! Es gibt super schöne Strände (vor allem zu empfehlen: der North Beach), tolle Wandermöglichkeiten (z.B. hoch zu Mount Kiera) und einen super Fahrradweg am Strand entlang. Überhaupt ist Fahrrad fahren eine wichtige Sache in Wollongong – nur zu Fuß sind die Strecken nämlich recht weit. Es gibt zwar auch Leute, denen macht es nichts aus 45 Minuten zur Uni zu laufen, aber wer das nicht will, kann sich bei der Uni ein Fahrrad für die Dauer des Semesters für wenig Geld mieten. Es lohnt sich, gleich zu Beginn des Semesters bei der WUSA nachzufragen. Mit dem Fahrrad kann man dann z. B. auch einkaufen fahren, sehr praktisch.
In Wollongong gibt es zwei ALDI (sehr zu empfehlen, viel günstiger als Woolworth oder Coles) und natürlich auch Woolies und Coles. In Fairy Meadow gibt es außerdem einen Fruit Market, dort gibt es alle Obst- und Gemüsesorten, die man sich vorstellen kann und dazu billig! Außerdem findet man dort viel Importware, wie z.B. das gute alte Vanillepuddingpulver, das man ansonsten vergeblich suchen wird...oder auch Ritter-Sport-Schokolade.
Zum Weggehen empfehlen kann ich den "North Gong"-Pub. Hier kann man in netter Atmosphäre ein Bierchen trinken und Billard spielen. Wer gern tanzen geht, ist im "Glashouse" gut aufgehoben oder auch bei "Cooneys". Jeden Mittwoch ist übrigens an der Uni Kinotag, dort gibt es auf riesiger Leinwand super aktuelle Filme für nur wenige Dollar. Getränke und Knabberkram kann man entweder vor Ort kaufen oder mitbringen.
Um es kurz zu machen: Die University of Wollongong hat alle meine Erwartungen übertroffen. Sie ist landschaftlich wunderschön gelegen inmitten eines Parkgeländes und hat außerdem einen super Ruf. So gehört sie zu den zehn besten Unis in Australien, den 200 besten der Welt und wurde in den letzen Jahren wiederholt zur Australia's No. One University for Teaching Performance gewählt. Dies versprach eine Qualität, die ich im Nachhinein nur bestätigen kann. Z.B. sind die Vorlesungssäle und Seminarräume und auch die Labore, die ich gesehen habe, alle modern eingerichtet, es gibt Unmengen von PCs und eine gerade fertig gestellte Bücherei mit riesiger Auswahl (ich hab sogar durch Zufall mehrere Bücher über das Deutsche Recht entdeckt). Es gibt eine Internetplattform, die SOLS genannt wird und auf jeden Studenten zugeschnittene ausführliche Materialen zu den Kurseinhalten bereitstellt (Vorlesungsskript, alte Klausuren, Literatur). Gleichzeitig gibt es Diskussionsrunden und/oder Onlinetest über SOLS.
Während der Orientierungswoche erfolgte die endgültige Einschreibung. Es war kein Problem, die Kurswahl noch einmal umzuschmeißen, die man von Deutschland aus mit den Bewerbungsunterlagen angegeben hatte. Ich hatte mich für zwei Chemiekurse, ein Chemiepraktikum und einen Kurs über Aboriginal Australia eingeschrieben. Die Vorlesung zu letzterem war vom Verständnis her eigentlich kein Problem und nachdem ich die Chemie-Vokabeln drauf hatte, war das auch bei den Chemievorlesungen der Fall. Die Dozenten waren allesamt super freundlich, wurden von jedem Studenten geduzt und antworteten bereitwillig auf alle Fragen (gerne auch während der Vorlesung, für mich ein absolutes Novum). Insgesamt herrschte ein tolles Klima zwischen Dozenten und Studenten.
Schon während des Semesters wurde eine große Zahl von Assignments angefertigt, die alle in die Abschlussbenotung mit eingingen. Im Kurs Aboriginal Australia sollte ich zwei Essays schreiben, eine Präsentation halten und an einem Onlinetest teilnehmen. Außerdem wurde die mündliche Mitarbeit in den Tutorien bewertet. In den Chemie-Kursen bestanden die Assignments hauptsächlich aus den Protokollen zu den einzelnen Versuchen, aber es gab auch Online-Tests und eine Art Mini-Klausur in der Mitte des Semesters. In den Chemie-Kursen gab es zusätzlich am Semesterende Abschlussklausuren über den gesamten Inhalt des Kurses. Das Chemie-Praktikum beinhaltete keine benoteten Assignments, jedoch sollte ich einen Bericht schreiben und eine kurze Präsentation über die Ergebnisse der Laborarbeit zu halten. Diese Art und Weise der "gestückelten Benotung" empfand ich als gerechter als die deutsche Abschlussklausur zu Semesterende, zumal die Studenten von Anfang an zum Lernen gefordert werden. Als positiver Nebeneffekt zum wirklich arbeitsintensiven Semester sind dafür die Semesterferien frei.
Die freie Zeit wurde natürlich genutzt! Von Wollongong aus habe ich mit meinen neuen Freunden viele tolle Trips gemacht, manche per Auto, andere per Bahn oder Bus. So sind die Blue Mountains nicht weit (im Rahmen der Orientierungswoche, war super) und auch das Hunter Valley. Die Hauptstadt Canberra ist bequem für ca. 45 Dol-lar in drei bis vier Stunden komfortabel mit Bus/Bahn erreichbar und lohnt sich auf jeden Fall für einen Wochenendtrip. Jervis Bay lockt mit tollen Stränden in unberührter Natur. Selbst Melbourne ist nur die "Kleinigkeit" (in australischen Maßstäben) von 1000 km entfernt und kann auch per Bus (z. B. Premier Illawarra) erreicht werden. Mit den YHA Youth Hostels habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.
Wen das Landleben in Australien interessiert und es einmal "hautnah" erleben möchte, dem kann ich WWOOFing empfehlen. Ich selbst habe vier Wochen auf einer Pferdefarm in Victoria gegen freie Kost und Logis mit Familienanschluss gearbeitet, es war eine super Erfahrung! Es ist vor allem auch eine tolle Möglichkeit "the real Australian way of life" kennen zu lernen und sein Englisch zu verbessern.
Für mich war das halbe Jahr in Australien im Prinzip zu kurz gewesen. Es gibt so viel zu entdecken! Klar, ich freute mich auch auf zu Hause, aber gleichzeitig war ich traurig, dass ich meine "zweite Heimat" verlassen musste, mein Australien... Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Schritt zu gehen und ein Semester oder länger in Australien zu studieren – ihr werdet es nicht bereuen! Australien und die Australier sind großartig! No worries.