1. Vorbereitungen
2. Ankunft Down Under – First experiences
3. Studieren dort und hier – What’s the difference?
4. 12.000 km in vier Wochen – Let the good times roll
5. Hot tips
1. Vorbereitungen – „Es ist nie zu spät und selten zu früh“
Natürlich sollte man mit den Vorbereitungen für einen Studienaufenthalt in Australien so früh anfangen wie möglich. Es aber nicht zu versuchen, weil man meint, es sei schon zu spät ist auch falsch!
Für mein Auslandsjahr, das im Juli 2004 begann, habe ich die ersten Vorbereitungen aus diversen Gründen erst Ende Februar des gleichen Jahres angegangen. Dass das möglich war, lag aber vor allem auch daran, dass mein Studiengang (Mathematics) nicht zu den „überlaufenen“ zählt und damit eine Bewerbung noch sehr spät möglich ist.
Das soll keine Aufforderung zum „Bummeln“ sein, sondern nur zeigen, was möglich ist. Wer früher anfängt, hat natürlich gerade vorm Abflug ein deutlich ruhigeres Leben. Mir mussten dann drei Wochen reichen zwischen der Annahme durch die Uni und dem Abflug, inklusive Visumsformalitäten samt ärztlicher Untersuchung, Flugbuchung, Zahlen der Studiengebühren, Auflösen der Wohnung etc.
Zur Uniwahl: Ursprünglich wollte ich ein Semester in Sydney verbringen. Ein Freund erzählte mir aber, dass viele ausländische Studenten, die ein Jahr in Australien studieren, dort direkt ihren Master machen. Deutsche Diplomstudenten werden dafür meist zugelassen, wenn sie ihr Vordiplom plus zwei Semester vorweisen können, da normalerweise ja der Bachelor Voraussetzung ist. Also habe ich mich auf die Suche nach Unis gemacht, die ein einjähriges Masterprogramm anbieten, das ist dann ein Master by Coursework, im Gegensatz zum Master by Research, der eineinhalb bis zwei Jahre dauert, je nach Uni. Dafür kam nur die University of Wollongong in Frage, etwa 80 km südlich von Sydney.
Zunächst war ich etwas skeptisch, da mir Wollongong völlig unbekannt war. Der Ruf der Uni ist aber nicht schlecht und letztendlich hat sich die Lage als fantastisch herausgestellt. Keine hektische Millionenstadt um einen herum (der Großraum Wollongong hat 100.000 Einwohner), alles fast familiär, viel Natur direkt vorm Haus, aber Sydney mit dem Zug in einer Stunde ohne weiteres erreichbar. Aus meiner Sicht bedingungslos empfehlenswert.
Tipps für diese Phase:
- So früh wie möglich mit der Vorbereitung beginnen, sich vor allem früh über Bewerbungs-Deadlines für das eigene Fach informieren!
- Den Englisch-Test früh genug machen, da man den erst nach einem Monat wiederholen kann, wenn es nötig sein sollte, und sich explizit auf die Art des Tests vorbereiten!
2. Ankunft Down Under – First experiences
Zwei der ersten Dinge, die man bei der Ankunft in Australien wohl feststellt, sind, dass der Dialekt doch ab und zu schwer verständlich ist, auch wenn man gut Englisch kann und dass sich hier fast jeder mit Vornamen vorstellt und anredet. An den Dialekt gewöhnt man sich relativ schnell, in der Uni ist man sowieso bemüht, deutlich zu sprechen. Dass man sogar Professoren, Vermieter und Handwerker mit Vornamen anspricht, ist im Vergleich zum förmlichen Deutschland zwar etwas ungewohnt, aber keineswegs negativ. Gerade im Fall der Professoren trägt es zum unglaublichen Spektrum der Unterstützung bei, die man dort erfährt. Bei den Einführungsveranstaltungen bekommt man wieder und wieder gesagt, man solle doch seinen Professor oder Übungsleiter aufsuchen, sobald man Fragen oder Probleme hat. In meinen Mathefächern war das kein Problem, da wir immer nur etwa 5 Leute waren. Aber auch in Informatik bei Vorlesungen mit 200 Leuten nahm sich der Prof immer Zeit, wenn man in sein Office kam. Da mag jeder in Deutschland unterschiedliche Erfahrungen haben, für mich war das kein Vergleich.
Aber die Unterstützung der Uni beschränkt sich nicht nur auf Studienfragen. In Wollongong gab es ein Student Service Centre, in dem tagesaktuelle Listen mit freien Wohnungen und WG-Zimmern auslagen. Die Mitarbeiter dort waren sehr hilfreich und zur Wohnungssuche stand ein kostenloses Telefon zur Verfügung. Leider kam ich freitags in Wollongong an und das Centre hatte über das Wochenende zu. Aber bereits am Montagabend hatte ich dank deren Hilfe ein privates WG-Zimmer, zehn Minuten zu Fuß von der Uni. Man hätte auch über die Uni ein Wohnheimzimmer bestellen können, das gab es aber meist nur mit Verpflegung und war dementsprechend teuer.
Und natürlich gibt es am Anfang des Semesters Einführungsveranstaltungen, in denen man mit den örtlichen Gegebenheiten und Eigenheiten vertraut gemacht wird. Die eignen sich auch wunderbar, um erste Kontakte zu knüpfen.
Auch von den Studentenvertretungen dort kann man sich Unterstützung erwarten, so konnte man in deren Räumen zum Beispiel kostenlos im Internet surfen und drucken.
Tipps für diese Phase:
- Sich schon in Deutschland informieren, welche Unterstützung es bei der Unterkunftssuche gibt.
Keine falsche Scheu haben, Hilfe und Unterstützung zu suchen! Nicht zuletzt deswegen zahlt man auch Studiengebühren.
- Auch wenn es einfach erscheint und gerade am Anfang der Sprache wegen reizt, sich nicht hauptsächlich mit Deutschen umgeben. Man lernt von anderen sprachlich und kulturell so viel mehr…
3. Studieren dort und hier – What’s the difference?
Der erste große Unterschied für deutsche Studenten sind die Studiengebühren. Solange man in Deutschland noch in der Regelstudienzeit ist, hilft hier das Auslandsbafög (siehe unter 1.)
Dafür bekommt man allerdings im Allgemeinen auch etwas. Die erhebliche Unterstützung wurde ja bereits erwähnt.
Um die Annahme dieser Unterstützung kommt man auch kaum herum, da in Australien ein deutlich größerer Teil der Arbeit bereits während des Semesters abspielt. Soll heißen, es kommt nicht nur auf die Abschlussprüfung am Ende des Semesters an, sondern es sind im Semester schon haufenweise Essays, Case Studies und andere Hausaufgaben zu machen. Das führt zwar dazu, dass man teilweise recht eingespannt ist während dieser Zeit, aber andererseits kommt man gar nicht erst in die Verlegenheit, das Studium schleifen zu lassen. Denn die Arbeiten im Semester machen meist einen größeren Teil der Endnote aus, als die Prüfung am Ende. Im Schnitt waren das bei mir schätzungsweise 60%. So geht man dann auch teilweise schon recht entspannt in die Prüfungen, da man schon fleißig Punkte gesammelt hat.
4. 12.000 km in vier Wochen – Let the good times roll
Nach Australien will man natürlich nicht zuletzt auch, um etwas vom Land zu sehen. Bei mir wurde das eine Vier-Wochen-Tour durch den halben Kontinent: von Wollongong aus an der Ostküste entlang bis nach Cairns, von dort aus in den Red Centre zum Uluru (Ayers Rock), dann Adelaide und an der Südküste wieder zurück. Insgesamt waren wir 12.000 km mit einem Mietauto unterwegs, mehr lässt sich in vier Wochen auch nicht unterbringen. Viele kaufen sich für diesen Zweck einen alten Kleinbus, den sie danach wieder verkaufen, es gibt sogar Vermietungen, die extra alte Autos für solche Reisen anbieten. Wir waren zu viert und konnten durch eine Kooperation meiner Uni mit Hertz ein relativ günstiges Angebot wahrnehmen, bei dem wir einen neuen Kleinbus mit unbegrenzten Kilometern bekamen. Darüber waren wir gerade im Landesinneren auch heilfroh. Zum einen wegen der Klimaanlage, die uns die über 40° draußen vergessen ließen und zum anderen weil wir nicht irgendwo liegen bleiben wollten, wo am Tag vielleicht mal ein oder zwei Autos vorbeikommen.
Unterwegs haben wir ab und zu in Youth Hostels übernachtet, meistens aber gezeltet, was im Dezember dort kein Problem war, oder eine Hütte auf einem Campingplatz gemietet. Vorher gebucht hatten wir keine Unterkünfte, es hat sich immer etwas gefunden. An den Einfallsstraßen der Städte gibt es meistens einen Stadtplan und eine Übersicht über die Unterkünfte. Außerdem hatten wir einen Reiseführer mit, in dem es dazu auch Informationen gab.
Eventuelle Touren auf Inseln sollte man allerdings vorher buchen, Fraser Island und Kangaroo Island haben sich auf jeden Fall gelohnt.
Tasmanien und Neuseeland sind auch einen Abstecher wert, sehr weit ist es dann ja nicht mehr.
Tipps für diese Phase:
- Billigflieger gibt es in Australien genauso wie in Deutschland, zum Beispiel Jetstar und Virginblue. So kommt man unter anderem sehr günstig nach Tasmanien oder Neuseeland. Da es deutliche Preisschwankungen und zeitliche Aktionen gibt, empfiehlt es sich, schon frühzeitig nach solchen Flügen zu schauen.
- Bei der Uni informieren, ob es Kooperationen gibt, die zum Beispiel für Alumni nutzbar sind (Master-Student wurde man in Wollongong schon als Alumni angesehen). Gerade bei Autovermietungen interessant.
5. Hot tips
- Das Auslandsstudium einplanen, solange man noch in der Regelstudienzeit ist, sonst gibt es keine Unterstützung durch Auslandsbafög! Falls nicht möglich, auf zinsgünstigen Studienkredit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau zurückgreifen.
- Ein Konto bei der Deutschen Bank erweist sich als sehr nützlich, da man dann an Westpac-Automaten kostenlos Geld von diesem Konto abheben kann. Die gibt es in fast jeder australischen Stadt und auch in Neuseeland. So habe ich kein australisches Konto benötigt.
- Eine Kreditkarte ist fast unverzichtbar für einen solchen Auslandsaufenthalt. Ich habe auch meine Studiengebühren damit bezahlt, da alle anderen Varianten deutlich teurer waren. Ein entsprechender monatlicher Kreditrahmen ist natürlich Voraussetzung. Man kann aber auch Geld auf sein virtuelles Kreditkartenkonto überweisen und damit seinen Kreditrahmen erhöhen.
- Das deutsche Handy mitnehmen und dann dort eine australische Prepaidkarte kaufen, die kosten dort gerade so viel, wie auch Guthaben drauf ist, also keine Anschlussgebühr. Anrufe aus Deutschland auf solch ein Handy kosten mit der richtigen Vorvorwahl nur um die 10 Cent pro Minute. Noch günstiger geht es mit Callingcards von Australien nach Deutschland, teilweise unter einem Cent pro Minute. Aber aufpassen, manche verlangen eine Verbindungsgebühr, die die niedrigen Minutenpreise mehr als wettmacht.
- In Australien ist „unlimited“ nicht unbedingt „unlimited“. Ich habe das beim DSL-Anschluss und bei einer Autovermietung erlebt. Bei beiden hieß das Tarifpaket unlimited, war aber auch bei beiden beschränkt. Beim Internetanschluss durften nur 12 GB im Monat heruntergeladen werden (zu viert wird es da schon eng) und der Autovermieter sagte uns, der Wagen käme mit „unlimited mileage“, aber die Versicherung gilt nur für 6.000 km, danach dürfte man nicht mehr fahren…
Und nicht zuletzt: Meinen herzlichen Dank für die kompetente und geduldige Unterstützung durch das Ranke-Heinemann-Institut!