Samstag 28. August 2005, 13.00 Uhr, Sonnenschein, strahlend blauer Himmel, 21Grad und das im vermeintlich australischen Winter...
Ich sitze vor der Melbourne State Library eine Minute vom RMIT City Campus entfernt, im Herzen der Stadt, Swantson Street, Ecke La Trobe Street und um mich herum geschäftiges Treiben.
Ein paar „australian guys“ spielen footy, andere liegen in der Sonne und wiederum andere genießen einfach nur ihre „lunchtime“ mit Sushi und „bubble tea“.
8 Wochen bin ich nun bereits hier am anderen Ende der Welt.
8 Wochen, die spannender und aufregender waren, als alles andere was ich bisher erleben durfte...und natürlich 8 Wochen, an denen ich euch nun rückblickend ein wenig teilhaben lassen möchte.
Kurz: Meine Eindrücke und Erfahrungen der ersten Stunden, Tage und Wochen 20.000 Kilometer entfernt von zu Hause...
Vielleicht seid ihr ja auch gerade bei der Recherche für euer Abenteuer „down under“ auf diesen Bericht gestoßen und findet hier möglicherweise noch den einen oder anderen nützlichen Tipp oder auch einfach nur ein paar aufbauende und motivierende Worte.
Also, von vorne:
Bereits 13 Monate vor meinem Studienbeginn hier in Melbourne an der RMIT University habe ich mit meiner Recherche und Vorbereitung begonnen und wie sich gezeigt hat, kann man dies wirklich nie früh genug tun!!!
Zunächst musste ich mich natürlich entscheiden an welcher Universität ich studieren möchte und welche Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen es dort gibt (www.rmit.edu.au).
Ausschlaggebend in meinem Fall war das vielfältige Studienangebot für „fashion & textile design“, die zentrale Lage des Campus direkt in der City und natürlich der gute Ruf der RMIT für meinen Fachbereich.
Generell wird zwischen „study abroad“ und „exchange“ Studenten unterschieden, vielleicht gehört ihr ja zu den letzteren, was bedeutet, dass Eure deutsche Hochschule über ein Austauschprogramm mit der RMIT verfügt, was wiederum die ganze Organisation und Planung erheblich einfacher machen soll.
Wenn man sich erstmal entschieden hat (Qualifikationscheck auf der Ranke Heinemann Webseite empfehlenswert), die Bewerbungsunterlagen inklusive Englisch Nachweis, Study Transcript und in meinem Fall Portfolio meiner Arbeiten, vollständig eingereicht sind, stehen bis zum Abflug noch mindestens tausend weitere Programmpunkte auf der TO DO Liste...
All die Vorbereitungen erfordern viel Geduld und Ausdauer und sicher wird es auch bei euch Tage geben, an denen ihr ein wenig daran zweifeln werdet, ob das wirklich die richtige Entscheidung ist. Soviel vorab - es ist die richtige!!!
Wichtig ist einfach nur, dass man sich so früh wie möglich einen Überblick verschafft. Hier also ein kleiner Auszug aus meiner ersten ganz persönlichen TO DO Liste:
Sprachtest (www.toefl.org)
Bewerbung für Studienplatz
Gültiger Reisepass
Krankenversicherung (Overseas Student Health Cover wird automatisch von der australischen Hochschule veranlasst und gemeinsam mit den Studiengebühren bezahlt, $162/6 Monate)
Finanzierung (rechtzeitig mindestens 6 Monate vor Abflug!!! Beantragung Auslandsbafög oder Stipendium z.B. DAAD)
Kreditkarte beantragen (falls ihr noch keine habt, die Akzeptanz für Visa und Mastercard ist hier in Australien gleichermaßen gut)
Impfungen und für das gute Gewissen noch ein paar Kontrollartzbesuche
Urlaubssemester an der deutschen Universität beantragen und Vereinbarungen für die Anerkennung der Studienleistungen treffen
Visum (alle Infos findet ihr auf der Ranke Heinemann Webseite)
Wohnung, Telefon und Strom kuendigen, Nachsendeantrag
Flug buchen (am besten mindestens 3 Monate vor Abflug)
Koffer packen, was vermutlich für mich persönlich die größte Herausforderung oder vielleicht besser Geduldsprobe darstellte. Insbesondere, da ich neben meinen persönlichen Sachen auch noch allerlei Materialien für mein Studium verstauen musste und so hieß es ein Tag lang vor meinem Abflug: einpacken- wiegen- auspacken- einpacken...
Allerdings ist unter uns gesagt Singapur Airlines wirklich sehr kulant und wenn man seine Confirmation of Enrolement vorweisen kann, darf man anstatt 20 Kilo 30 Kilo Freigepäck mitnehmen und um ehrlich zu sein, waren es bei mir sogar unglaubliche 35 Kilo !!! Ich hatte also wirklich Glück.
Die ersten Stunden_ die erste Nacht
Nach 24 Stunden plus 8 Stunden Zeitverschiebung und Zwischenstop in Singapur bin ich dann endlich am Freitag, 01.Juli 2005 19.35h hier in Melbourne gelandet. Erschöpft, aber glücklich! Ich war froh, dass ich vor meinem Abflug über die RMIT University einen Arrival Abholservice arrangiert hatte, der mein Gepäck und mich zu meiner Unterkunft dem „Friendly Backpacker“ (www.friendlygroup.com.au) gebracht hat.
Das Friendly Backpacker, „friendly by name, friendly by nature“ ist in der Kingstreet und damit nur ein paar Minuten vom City Campus entfernt.
Während meiner ersten Woche habe ich also hier gelebt und mich wirklich wohl gefühlt. Man lernt sehr schnell neue Leute kennen, das Personal ist unglaublich hilfsbereit und man hat jeden Tag eine halbe Stunde freien Internetzugang.
Die ersten Tage_ Melbourne_ Wohnungssuche
Die ersten Tage sind unvergesslich schön und „schrecklich“ zugleich. Alles ist neu und man muss sich an viele Dinge erst einmal gewöhnen (die Sprache und der australische Akzent, Linksverkehr und das natürlich überall sogar auf der Rolltreppe, kein Vollkornbrot,...) allerdings sind die Menschen hier unglaublich aufgeschlossen und freundlich, egal ob in der Uni, im Supermarkt, im Pub oder auf der Straße, überall fragt man dich „How are you doin?“ und das erleichtert die Eingewöhnungsphase erheblich.
Nachdem ich an meinem ersten Tag hier in Melbourne die Stadt ein wenig erkundet hatte und natürlich das klassische Sightseeingprogramm (Federation Square, Flinders Street Station, Townhall, Botanic Garden, Chinatown, Rialto Tower) beendet hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem Zimmer gemacht, da schon zwei Tage nach meiner Ankunft die Orientation Week beginnen sollte und ich nicht ewig aus meinem Koffer leben wollte.
Für die Suche nach einem Zimmer gibt es tausend und eine Möglichkeit:
Samstags und mittwochs findet man in der örtlichen Zeitung „the Age“ viele Angebote, auch im Internet gibt es zahlreiche Adressen (z.B. www.flatmate.com.au oder www.realestate.com.au ), die die Wohnungs- bzw. Zimmersuche erleichtern.
Besonders empfehlenswert sind die schwarzen Bretter der RMIT University oder der Melbourne Uni, und natürlich nicht zu vergessen der örtliche Geheimtipp sind die Aushänge am Seitenfenster des Bookshops „Readings“ (309 Lygon Street, Carlton).
Bei der Wohnungssuche braucht man erneut ein wenig Geduld und auch ein wenig Glück, aber vor allem sollte man auf sein Gefühl vertrauen, wenn es um die Auswahl der zukünftigen Mitbewohner geht.
Es ist wirklich empfehlenswert noch vor Beginn der „Orientation Week“ mit der Suche zu beginnen, denn zu diesem Zeitpunkt sind noch viele Studenten im Semesterbreak, so dass man eine größere Auswahl hat.
Nach 2-tägiger mehr oder weniger erfolgreicher Zimmersuche hatte ich dann Glück! Ich lebe nun in der Victoria Parade 10 Minuten zu Fuß zum City Campus. Das Zimmer habe ich übrigens zufällig durch den Kontakt zu einer deutschen Studentin gefunden. Also sobald ihr eure Zugangsdaten für den Ranke Heinemann Alumni Club habt, nehmt Kontakt zu einigen Studenten auf, die bereits hier sind, meistens kennt jemand jemanden, der wiederum jemanden kennt, der einen Mitbewohner sucht.
Noch ein paar allgemeine Worte...
Public Transport
Generell ist mit dem „Melbourne Public Tansport System“ (Met) alles ziemlich gut zu erreichen (Tram, Train, Bus).
Die Tickets kann man fast überall kaufen, z.B. in Newsagency Shops.
Es gibt zwei Stunden Tickets und Tagestickets für die entsprechenden Zonen 1,2 und(www.victrip.com.au )
Falls ihr einen Tagesausflug nach Brighton Beach, St. Kilda Beach, Melbourne Zoo, usw. plant, empfiehlt es sich das Sunday Saver Ticket zu nutzen ($2,50 alle Zonen, den ganzen Tag).
Insbesondere an regnerischen Tagen oder nach einem Großeinkauf auf dem Victoria Market (frisches Obst und Gemüse super preiswert) ist es sehr empfehlenswert einfach in die kostenlose City Circle Tram einzusteigen.
„Business Hours“
Ich persönlich musste mich erst ein mal an die Öffnungszeiten gewöhnen. Unter der Woche sind diese in der Regel von 9.00 bis 17.00 Uhr, samstags und sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr, von 11.00 bis 15.00 Uhr bzw. von 11.00 bis 22.00 Uhr.
Also, ihr seht ein wenig verwirrend, vor allem kleine Läden haben ihre ganz persönlichen Öffnungszeiten.
Telefon
Vor der Zimmersuche ist es vorteilhaft sich eine australische Mobilphone Nummer zu besorgen (z.B. Vodafone Sim Karte für $30 mit einem Guthaben für $30 und 60 freie sms, ein andere Anbieter ist z.B. Optus)
Eine relativ preiswerte Möglichkeit nach Hause zu telefonieren ist eine Prepaid Card (für Deutschland z.B Super Buzz), die man wirklich überall kaufen kann ( $10,$20,...). Auch über das Internet zu telefonieren ist eine günstige Alternative.
Melbourne Wetter
Es ist schon zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig vom deutschen Sommer in den „australischen Winter“ zu fliegen.
Es gab hier Tage (im Juli), da konnte man wirklich einen Schal, Handschuhe und Regenschirm gebrauchen, aber genauso gehören zum australischen Winter Tage mit Sonnenschein und 21Grad!
Die Nächte hingegen können dann wieder sehr frisch sein, besonders da viele Häuser schlecht isoliert sind oder keine Heizung und nur elektrische Heater haben.
Dennoch scheint für mich der australische Winter die beste Zeit zu sein, um das Semester hier Down Under zu beginnen, denn je wärmer es wird, desto schwerer fällt es in der Library zu sitzen und zu arbeiten.
Die Menschen hier lassen es sich trotz der winterlichen Verhältnisse nicht nehmen, in Straßencafes zu sitzen oder Flip Flops zu tragen, so dass sich der Winter hier eher wie ein deutscher Frühling anfühlt.
Ein australisches Sprichwort sagt: „ ...if you don’t like the weather in Melbourne, just wait a couple of minutes...“
und das ist wirklich wahr!!!
Melbourne_ Entertainment_ Nightlife
Melbourne bietet wirklich ein vielfältiges Angebot an Entertainment und Ausgehmöglichkeiten an und das für jeden.(Informationen findet man z.B. im Entertainment Guide (EG) jeden Freitag in „The Age“ oder unter www.melbourne.citysearch.com.au)
Man verabredet sich hier gerne zum Dinner, zu den Top 4 „Eat Streets“ gehören Fitzroy Street, St. Kilda (international flavours); Brunswick street, Fitzroy (z.B. Vegie Bar für die Vegetarier unter Euch); Lygon Street, Carlton und Little Bourke Street Chinatown.
Anschliessend trifft man sich auf einen Drink in einem der zahlreichen Pubs, Bars und Nightclubs (Melbourne City Guide, Lonly Planet) und mit ein wenig Glück trifft man dort ein paare echte Australier, die einen dann mit zu einer privaten Party nehmen oder den Weg zu einem der angesagten Clubs oder Pubs verraten, die irgendwie scheinbar immer auf einem Hinterhof hinter Mülltonnen versteckt sind.
Orientationweek_ RMIT University
Die Orientation Week der RMIT University ist unglaublich gut organisiert und eine ganze Woche lang steht alles im Zeichen der internationalen Studenten!
Das Welcome Package, das man am ersten Tag erhält, enthält viele nützliche Informationen. Insbesondere die zahlreichen Veranstaltungen während der ersten Woche, helfen dabei, Kontakte zu knüpfen und sich einzuleben.
Es gibt beispielsweise eine Campus Tour, eine City Tour, Informationsveranstaltungen zur Krankenversicherung, zur Unterkunftssuche (www..rmit.edu.au/housing), Arbeitsvisum und Taxfilenumber, Computereinführungen, Lunch und BBQs und nicht zu vergessen die erste „International Party“, die allerdings, um ehrlich zu sein, relativ früh zu Ende war, da uns alle der Jet Lag und die erste Woche ein wenig mitgenommen hatte.
Ein paar Worte zum Schluss:
Wie ich bereits zu Beginn erwähnt habe, sind dies zunächst meine Erfahrungen und Erlebnisse der ersten acht Wochen am anderen Ende der Welt.
Wer weiss, vielleicht packt mich noch das Heimweh, vielleicht bekomme ich noch den Kulturschock von dem alle immer sprechen... - never mind!
Auf jeden Fall hatte ich bisher acht unvergessliche Wochen, die Zeit verfliegt geradezu, ein Augenblick ist hier wirklich nur ein Augenblick und eine Woche vergeht wie ein Tag.
Ich bin sicher, dass mein kleines Abenteuer „down under“ bereits nach einer solch kurzen Zeit meinen Blick auf mich selbst und vielleicht auch ein wenig auf die Welt, wenn man so will, verändert hat.
Mittlerweile ist es 15.50 Uhr und ich sitze noch immer in der Sonne vor der Melbourne State Library. Aber nicht mehr alleine! Ein paar internationale Studenten haben neben mir ihre Picknickdecke ausgebreitet. Und nach einem „How are you doin?“ habe ich, eh ich mich versehe einen Kaffee und ein Sandwich in der Hand.
Genau derartige Situationen machen Australien für mich so besonders.