Über viele, viele Hürden musst Du gehen –
Um Einlass ins Paradies gewährt zu bekommen. Doch Australien ist definitiv alle Mühen wert – vielleicht gar noch mehr.
Bevor ich also auch hier in meinem Bericht mit der Schwärmerei beginne, erzähle ich zunächst einmal von den vielen Dingen, die geplant und organisiert werden wollten und die ich zum damaligen Zeitpunkt für fast nicht machbar hielt.
Also, am Anfang stand sowieso erst mal die grundlegende Entscheidung aus: wo will ich denn überhaupt was machen? Ich wusste, ich wollte während meines Studiums ins Ausland, aber wohin, wie lange und ob ich dort studieren soll, oder Praxissemester machen, Diplomarbeit schreiben soll? Keine Ahnung! Ich habe mich dann beim Akademischen Auslandsamt (AAA) meiner Hochschule beraten lassen und schließlich plante ich ein Jahr Australien Ostküste, erst ein Semester studieren und dann mein 2. Praxissemester noch dort absolvieren - wenn möglich.
Gesagt getan. Nun begann eine umfangreiche Recherche: wie bekomme ich mein Visum (aha – online, prima!), welche Unis stehen zur Verfügung, wie sind die Aufnahmebedingungen? Vom AAA bekam ich auch den Tipp, mich an das Institut Ranke-Heinemann zu wenden. Das tat ich und schließlich hatte ich mich für 3 Universitäten in Queensland entschieden und ich schickte meine ausgefüllten Bewerbungsunterlagen zurück ans Institut.
Nebenher machte ich noch eben den TOEFL Test um meine Englisch Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Und Info zu den notwendigen Impfungen eingeholt – wobei mir da lediglich eine Hepatitis-Impfung empfohlen wurde, sonst war schon alles ok.
In der Zwischenzeit hatte ich auch mein Visum beantragt, allerdings musste ich erst noch meinen Reisepass verlängern lassen, was natürlich mal wieder viel länger dauerte als angekündigt.
Online suchte ich nach passenden studentischen Krankenversicherungen und entschied mich für die Medibank. Im Internet erhielt man dann auch eine Bestätigung für den erfolgreichen Abschluss der Versicherung, der wiederum für das Visum notwendig war.
Zur finanziellen Unterstützung bewarb ich mich beim DAAD um ein Stipendium, das ich aber leider nicht erhielt. Dies erfuhr ich Ende Dezember und im Februar sollte es losgehen. Da war ich schon relativ verzweifelt, denn den Flug hätte ich wohl noch aus eigener Tasche finanzieren können – doch mein auserwähltes Land verlangte auch noch Studiengebühren – die gepfeffert waren. 6500 A$ für ein Semester. BAföG hatte ich zwar auch beantragt, doch das Ergebnis ließ noch länger auf sich warten. Bei einem Anruf im Dezember, wo ich mich erkundigte, wie es denn um meinen Antrag stünde, ob ich denn eher gute oder schlechte Aussichten hätte, konnte man mir nur so viel mitteilen: „Negative Bescheide gehen relativ früh raus, positive dauern wohl noch bis mindestens Ende Januar. Wenn Sie bisher keinen negativen Bescheid bekommen haben, sieht es gar nicht schlecht aus!“. Hm. Kaufen konnte ich mir davon natürlich auch nichts. Ende Dezember entschloss ich mich schließlich dazu, einen Kredit aufzunehmen, denn die Studiengebühren mussten bald gezahlt werden. Ich hatte inzwischen drei Zusagen bekommen – natürlich erst von der Uni in Townsville – die letzte Uni auf meiner Liste. Als nächstes erhielt ich von der University of Queensland (UQ) Post – diese Uni und die Queensland University of Technology (QUT), beide in Brisbane, waren meine Favoriten. Nervös wegen der Fristen, telefonierte ich mit dem Institut Ranke-Heinemann und dort riet man mir, dass für meine Fachrichtung Werbung/Marketing die QUT deutlich besser eingerichtet sei. Na denn. Allerdings erfuhr ich bei diesem Gespräch auch, dass bei meinen Bewerbungen ein kleines Missgeschick passiert war: Man hatte angenommen, dass Townsville mein Favorit sei und so wurden meine unterlagen zunächst nur dorthin geschickt und die anderen Bewerbungen wurden zweitrangig bearbeitet. Daher mein Rat an alle, die den hervorragenden Service des Instituts wahrnehmen wollen: gebt unbedingt ganz deutlich eure Prioritäten für die einzelnen Unis an, wenn ihr euch für mehrere auf einmal bewerbt!
Anmerkung des Instituts Ranke-Heinemann: Das war in der Tat ein Missverständnis, das vor einem Jahr bei ein oder zwei Studenten zu diesem Problem geführt hat. Wir haben daraus gelernt und können versichern, dass ähnliches seitdem nicht mehr vorgekommen ist und auch nicht mehr vorkommen wird. Grundsätzlich werden alle Parallelbewerbungen gleichzeitig versandt. Es ist also nicht nötig, Prioritäten anzugeben.
Meinen Flug zu buchen, war der nächste Heckmeck! Bis der Entschluss gefasst war, dass ich, egal was kommen mag (sprich: BAföG oder nicht) gehen würde, war Januar. Da war natürlich schon so gut wie alles ausgebucht. Nur noch relativ teure Flüge waren frei. In den sauren Apfel würde ich wohl beißen müssen. Viel schlimmer war: International students sollten in Brisbane eigentlich schon um den 10. 2. zur Begrüßung an der Uni sein. Ich hatte aber in Deutschland die ersten 3 Februarwochen noch Prüfungen!!! Na riesig. Ich wartete also noch tapfer die Prüfungstermine ab, die wir dann auch gleich Mitte Januar bekamen und rannte ins Asta-Reisebüro und buchte meinen Flug in die offizielle Prüfungszeit direkt in Anschluss an meine Prüfungen– in der Hoffnung, dass keine meiner 6 Klausuren verschoben werden würde.
Ich hatte dann noch ein paar Probleme mit der Zahlung der Studiengebühren, da meine Kreditkarte keine solch große Geldmenge zuließ. Daraufhin schickte ich eine Email an die QUT mit Angaben zu einer anderen Kreditkarte mit höherem Limit – doch diese Email kam eine Woche später zurück wegen Serverproblemen! Inzwischen hatten wir Mitte Januar – in einem Monat wollte ich fliegen! Per Telefon gab ich mitten in der Nacht dann noch mal die Daten durch, und dann ging alles verhältnismäßig schnell: die QUT schickte mir UND der Botschaft in Berlin eine Bestätigung zu (wir hatten inzwischen fast Ende Januar), mit der Botschaft telefonierte ich noch mal und wir einigten uns darauf, meinen Reisepass per Kurier zu mir zu schicken. Meine Prüfungstermine blieben zum Glück gleich. In der ersten Februarwoche erhielt ich mein Visum und am 13.2.2002 stieg ich ins Flugzeug und trat meine lange Reise mit den Emirates Airlines an und genoss den Flug und vor allem das hervorragende Essen an Bord.
Endlich da und nun wird alles gut
Ab diesem Zeitpunkt verlief alles ohne Probleme und zu meiner allergrößten Zufriedenheit: Ich landete am 15.2.2002 (Freitag) in Sydney, flog weiter nach Brisbane mit Qantas. Dort wurde ich von einem älteren Italiener abgeholt und er fuhr mich zu einer Jugendherberge. Unterkunft und den Abholdienst hatte die QUT für mich organisiert, was ein willkommener Service war. Dann hatte ich erst mal nur noch duschen im Sinn. Mein Zimmer teilte ich mir mit Allison, die am gleichen Tag angekommen war und ebenfalls ein Semester an der QUT studieren wollte. Sie wurde meine zukünftige Mitbewohnerin.
Noch am gleich Tag gingen wir zur QUT, ließen fürchterliche Bilder für den Studentenausweis von uns machen und meldeten uns im Rechenzentrum an. Die ersten Emails an die Freunde und die Familie aus OZ! Aufatmen bei den Eltern, die ihre einzige Tochter nun irgendwo am anderen Ende des Erdballs sitzen hatten...
Allison und ich vergnügten uns dann am Wochenende mit Stadterkundung und shoppen und schon war es Montag und wir gingen wieder zur Uni – dieses Mal zum sogenannten Accomodation Service, der uns bei der Suche nach einer dauerhaften Bleibe helfen sollte. Auch hier ging dann alles ganz kurz und schmerzlos: 2 Jungs (leider Deutsche.....was meinen Englisch-Künsten nicht sehr zu Gute kam) sprachen uns an, ob wir nicht mit ihnen in ein Haus ziehen wollen, das wäre sicher leichter zu bekommen als eine Wohnung für zwei. Noch am gleichen Tag fuhr uns ein Helfer von der Uni zu zwei Häusern und das 2. wurde bereits „unser“ Haus für die kommenden 6 Monate. Ein typischer Queenslander: Kein Keller und auch kein Erdgeschoss: Das Haus steht wegen der klimatischen Bedingungen auf Säulen. Innen in jedem Raum ein Deckenventilator, von dem auch kräftig Gebrauch gemacht wurde.
In der Nachbarschaft hatten wir noch eine Menge weiterer Studenten, hauptsächlich aus Norwegen und Schweden und so konnten wir recht schnell einer der Lieblingsbeschäftigungen der Aussies nachgehen: BBQ!
Grillen bis zum umfallen – ich glaube, in den ersten 2 Wochen habe ich bestimmt 7 mal gegrillt und ich konnte es schon nicht mehr sehen.
Das Studentenleben in OZ – schön aber hart
Zu Beginn dachte ich: Was? Ich kann nur 4 Fächer belegen? Und was mache ich mit dem Rest der Zeit? Ich hatte gerade mal 1,5 Tage Vorlesungen! Ich hatte an der Business Fakultät die Fächer Direct Marketing, Consumer Behaviour, Public Relations und Internet Promotion belegt und jedes dieser Fächer bestand aus einer Vorlesungseinheit und einem Tutorial, in dem Übungen zum Thema gemacht wurden. Dass diese 1,5 Tage doch wesentlich mehr Arbeit mit sich brachten und mehr Zeit beanspruchten, durfte ich relativ schnell feststellen: In jedem Fach hatte ich 2 Prüfungen: ein Midsemester Exam und dann noch das Final, und zusätzlich noch pro Fach 2-3 Hausarbeiten, darunter auch Projekte, die als Gruppenarbeit geplant waren.
Da wir die meisten Wochenenden mit kleinen Ausflüge in die nähere Umgebung oder mit Besichtigungen Brisbanes verbrachten, war dann unter der Woche dringend Aktion für die Uni angesagt. Zumal noch für 3 von vier Fächern es unbedingt erforderlich war, die jeweilige Literatur zu lesen, da diese in den Prüfungen ebenfalls abgefragt wurde. Das war ich von zuhause, meiner HdM gar nicht gewohnt.
Die Vorlesungen an sich konnte man sich ab und an schon sparen, denn man erhielt den Stoff der Vorlesungen vorher aus dem Netz als PowerPoint Präsentation und die meisten waren recht gut gemacht, so dass die Vorlesung nicht viel Neues hinzugab. Ich versuchte trotzdem so oft wie möglich zu den Vorlesungen zu gehen, doch wenn mal wieder einer der unzähligen Abgabetermine für eine Hausarbeit anstand oder ich noch dringend für eine Prüfung lernen musste, dann musste darunter schon so manche Vorlesung leiden. Die Tutorials waren leider etwas „verpflichtend“ – wer zu oft fehlt, lief Gefahr, durchzufallen.
Negativ fiel während der „Hochdruckzeiten“ des Semesters, sprich, wenn jeder Hausarbeiten abzuliefern hat, das Rechenzentrum auf: für die Allgemeinheit werden im Keller der Bibliothek Rechner angeboten, die aber dem Ansturm in genannten Zeiträumen nicht standhalten – da sind öfter Wartezeiten bis 15 Min angesagt. Wenn man denn unbedingt zu „normalen“ Tageszeiten an den Rechner will. Man kann natürlich auch gerne die Nacht zum Tage machen und dann dürfte es ein wenig besser ausschauen...
Was die Bücher angeht, um die man nicht herumkommt: Es ist theoretisch reichlich Material in der Bücherei vorhanden, doch wie üblich, vor der Prüfungszeit, wenn dann auch wirklich jeder das entsprechende Buch benötigt, könnte einem schon hin und wieder der pure Angstschweiß ausbrechen, wenn man zum wiederholten Male vor dem leeren Bücherregal steht. Da sind dann auch oft die Exemplare nicht auffindbar, die eigentlich gar nicht verliehen werden und ach, was red ich, ihr könnt euch den Schlamassel vorstellen oder?
Sehr gut finde ich die Einrichtung an der Uni, wo man Schreibmaterialien und auch die druckfrischen Bücher kaufen kann. Diese werden dann oft nach Gebrauch zurückgebracht und unsereins kann diese Bücher dann gebraucht für deutlich weniger Geld erstehen. Oftmals erhält man vielleicht nicht die allerneueste Auflage, aber das ist meist ok – muss man mit dem jeweiligen Lehrbeauftragten abklären.
Das Schöne an der Sache ist, dass man das Buch anschließend wieder (mit geringem Verlust) dort verkaufen kann, wo man es erstanden hat. (Ich habe meine übrigens behalten und falls sich jemand fragen sollte, wie ich die dann nach Deutschland zurückbekommen habe: es gibt ein spezielles Paket „Printed matters“ per Land-/Seeweg nach Europa, in dem nur Drucksachen gestattet sind – dies ist eine etwas preiswertere Variante, um Materialien (auch Aufschriebe aus den Vorlesungen etc.) nach Hause zu schicken. Dauert ca. 3 Monate, aber meine Pakete und die meiner Freunde kamen alle unversehrt an!)
Jetzt im Anschluss muss ich sagen, durch das australische System der vielen Hausarbeiten und Prüfungen habe ich in einem Semester mehr gelernt und es ist mehr hängen geblieben als in 2 Semestern an meiner Heimathochschule, der HdM. Und das liegt nicht an den tollen Vorlesungen, die sich nicht großartig von denen in Deutschland unterscheiden, sondern an dem Zwang zur Eigenarbeit. Gezwungen zu sein, Bücher zu lesen, den Stoff zu rekapitulieren und zu verstehen und anzuwenden – das war der Schlüssel zum Erfolg!
Das Vergnügen darf nicht zu kurz kommen!
Brisbane ist eine wunderbare Stadt, um dort zu studieren. Wir fuhren morgens mit der City Cat (ein kleiner Catamaran, der als Fähre auf dem Brisbane River fungiert), genossen den Sonnenschein auf Deck – das verleiht selbst dem Alltag eine würzige Prise Urlaubsstimmung. In den Pausen kann man die Sonne weiter im Cafe „Artisan“ auf dem QUT Campus genießen, oder auf einer der zahlreichen Bänke oder auch im angrenzenden Botanic Garden – man kann also, selbst wenn man vielleicht zu einer öden (Fach-) Lektüre gezwungen ist, das Leben genießen.
In einer längeren Pause zwischen den Vorlesungen kann man es sich gar erlauben, sich zwischendurch an Southbank mit einem Bad zu erfrischen – das ehemalige Expo-Gelände, das in einen Park mit Bademöglichkeiten und vielem mehr umgewandelt wurde, liegt gerade am gegenüberliegenden Ufer des Brisbane Rivers.
Desweiteren finden im Sommer/Herbst auch noch etliche Veranstaltungen in Southbank statt, wie beispielsweise Kurzfilmfestivals oder Openair Kino, natürlich alles gratis!
Zu den wichtigsten Ausflügen in die nähere Umgebung gehören meiner Meinung nach:
- North Stradbroke Island, um dort an einem phantastischen Strand in türkisfarbenem Wasser baden zu gehen oder aber später im Jahr Wale bei ihren Zug nach Norden zu beobachten.
- Glasshouse Mountains – am besten auf einem Daytrip (mit Rob! Unser Favourite guide!), wo eurer Guide euch dann üblicherweise die dazugehörige Geschichte der Aboriginies erzählt.
- Einer der National Parks in der Umgebung, wo man oft in sogenannten „Rockpools“ baden kann, nach dem man Jagd auf Trapdoor Spiders und anderes Getier gemacht hat.
- Shoppen (das fällt bei mir auch in die Kategorie Tagesausflug :-) geht man am besten in Indooroopilly, wo es eine riesige Mall gibt – ich habe es erst beim 3. Anlauf geschafft, alles von der Mall zu sehen. In der Brisbane City gibt es zwar auch einige Einkaufsmöglichkeiten, doch deutlich teurer.
Zum Schluss ...
Würde ich eigentlich gerne noch viel mehr erzählen und sobald ich diesen Bericht abgeschickt habe, werden mir noch Unmengen guter Tipps etc. einfallen, die ich euch gerne mit auf den Weg geben würde, aber irgendwo muss ich ja (leider) ein Ende finden. Ich wähle dieses hier und wünsche euch an dieser Stelle ein gute Zeit und wenn ihr auch nur halb so viel Spaß und Freude habt wie ich in OZ, dann werdet ihr garantiert die beste Zeit eures Lebens in diesem wunderbaren Land verbringen!!!
Wenn ihr euch mit mir zu irgendeinem Thema weiter unterhalten wollt, dann habt ihr hiermit Gelegenheit:
motzki_in_oz@gmx.net