Universität
Einschreibung und Orientierungswoche
In der Woche bevor die Vorlesungszeit anfängt, findet eine Orientierungswoche statt. Zu dieser Zeit sollte man spätestens in Brisbane angekommen sein, da dann die Einschreibung in die einzelnen Fächer stattfindet. An der Universität gibt es 2 Institutionen, die für ausländische Studenten zuständig sind. Das sind 'International Relation Unit' (IRU) und 'International Student Service' (ISS). IRU und ISS veranstalten (nicht nur während jener Orientierungswoche) Partys, Reisen und Kurztrips. Dadurch kommt man sofort mit Studenten aus aller Welt in Kontakt.
Vorlesungen
Auch wenn der Vorlesungsstil in Australien ähnlich dem in Deutschland ist, gibt es einige Unterschiede: Alle Informatik und Elektrotechnik Vorlesungen fanden Abends (ab 17.00 oder 18.00 Uhr) statt. Damit wird den Studenten die Möglichkeit gegeben tagsüber Geld zu verdienen und Abends zu studieren. Während des Semesters gibt es in jeden Fach 2 sogenannte 'Assignments'. Das ist entweder ein Übungszettel, den man sozusagen als Hausaufgabe bearbeitet, oder eine Klausur, die den Inhalt der Übungen abprüft. Auf jeden Fall zählt jedes dieser 'Assignments' ca. 20 - 25 % der Endnote. Das führt dazu, dass man zwar während des Semesters mehr Arbeit investieren muss, als man es vielleicht aus Deutschland gewohnt ist, allerdings zählt die Klausur am Ende des Semesters nur noch 50 oder 60 %. Die Klausuren liegen in den ersten 2 Wochen nach Vorlesungsende, was ebenfalls Vor- und Nachteile mit sich bringt: Die Klausurenzeit ist ziemlich stressig, dafür hat man danach mehr Freizeit während der Semesterferien. Folgend will ich einen kurzen Überblick über die Vorlesungen, die ich gehört habe, geben:
1 Algorithms for Control And Engineering (EEP101)
Dieses Fach wird mir als Digitale Regelungstechnik angerechnet. Es ist nicht unbedingt einfach, aber auch nicht zu schwierig. Ich fand es interessant, dass der Dozent immer wieder auf die Praxis einging. Insgesamt kann ich die Vorlesung gut weiterempfehlen.
2 Internetworking (ITN520)
In diesem Fach geht es um die Funktionsweise des Internets. Man lernt viele Protokolle und Konzepte für verschiedene Dienste kennen. Es wird ein kurzer Überblick über Netzwerkprogrammierung gegeben, aber auch CGI-Programmierung in Perl gelehrt. Skript und Vorlesung sind sehr gut und verständlich. Ich persönlich fand die Themen ziemlich interessant und obwohl sie relativ einfach waren, glaube ich dabei eine Menge gelernt zu haben. Internetworking wird mir als Wahlpflichtfach in den Bereich 'Eingebettete Systeme und Systemsoftware' angerechnet.
3 Artificial Intelligence (ITN441)
Artificial Intelligence ist das einzige Fach, dass ich bereute gewählt zu haben. Der Schwerpunkt der Vorlesung sind Expertensysteme, was sich vielleicht interessant anhört, vom Dozenten aber nicht so rübergebracht wurde. Auch an der QUT wird am Ende des Semesters eine Veranstaltungskritik durchgeführt, wobei diese Vorlesung nicht besonders gut abschnitt. Für die Assignments muss man in den Sprachen Lisp und Prolog programmieren, die sich doch stark von Java oder C unterscheiden. Angerechnet wird es mir als Wahlpflichtfach des Bereiches Softwaretechnik.
Wohnen in Brisbane
Wenn man in Brisbane ankommt und noch keine Unterkunft hat, organisieren Mitarbeiter des oben erwähnten ISS ein Hotelzimmer, in dem man die ersten Tage wohnen kann. Da diese Zimmer verhältnismässig teuer sind, sollte man sich aber möglichst schnell auf Wohnungssuche begeben. Auch dabei wird man sehr gut vom ISS unterstützt. In Australien ist es üblich Kündigungsfristen von 2 Wochen zu vereinbaren. So kann man sehr kurzfristig seine Wohnung wechseln.
Ich habe in einem Haus in South Brisbane gewohnt. Es besteht aus 6 Wohngemeinschaften mit jeweils 3 Zimmern. Die einzelnen Zimmer werden ausschliesslich an Studenten aus dem Ausland vermietet. Ich habe mich dafür entschieden, da ich es per Internet mieten konnte (www.educationlodge.com.au). Es ist ein altes Haus und gewöhnungsbedürftig. Mit $90 bis $105 pro Woche ist das Preis/Leistungs-verhältnis nicht gerade gut. Trotzdem blieb ich das gesamte Semester dort wohnen, da das Haus nicht schlecht gelegen war: Man lief gerade mal 15 Minuten bis zum Brisbane River, den man nur mit einer Fähre überqueren musste um an der Uni oder in der Innenstadt zu sein. Ausserdem ist es möbliert (incl. Waschmaschiene, Bügeleisen, Mikrowelle, Fernseher). Bucht man bei der Educationlodge, muss man mindestens 30 Tage in dem Zimmer wohnen. Wenn man plant den ersten Monat dort zu verbringen und sich anschliessend auf Wohnungssuche zu begeben, wird das etwas schwierig, weil nach diesem ersten Monat die besten Wohnungen bereits vergeben sind.
Die neu gebauten Mietshäuser haben alle etwas gemeinsam: Im Garten oder auf der Terrasse befindet sich ein Swimmingpool und mindestens ein Barbequeplatz für die Bewohner. Bei einem dieser Häuser kann man die Buchung auch per Internet vornehmen. Die Adresse lautet www.campusapartments.com.au. Hier muss man sich aber rechtzeitig um ein Zimmer kümmern, denn als ich mich im Januar bewerben wollte, hiess es, sie seien komplett bis Ende Juli ausgebucht.
Leben in Brisbane
Brisbane ist eine sehr schöne Stadt. Ein Highlight ist dabei Southbank Parklands. Das ist ein Park in direkter Nähe zur Innenstadt. Dort gibt es –neben Palmen, Wiesen, Cafes und Restaurants– eine künstlich angelegte Lagune mit angrenzendem Sandstrand. Besonders bemerkenswert ist, dass es dort auch jede Menge Barbequeplätze gibt. Dabei sorgt die Stadt für das zum Heizen notwendige Gas, so dass man für einen Grillabend lediglich Fleisch mitbringen muss.
Ein ebenfalls sehr schöner Park ist der Botanische Garten, der direkt an das Unigelände angrenzt.
Lebenshaltungskosten
Um in Australien gut leben zu können, muss man mit $1000 pro Monat rechnen, was –je nach Lebensstil und Reiselust– mehr oder weniger sein kann. Lebensmittel sind teurer als in Deutschland. Es gibt auch keine 'Studenten-Billig-Marken' wie 'Tip' oder 'Ja'. Alkoholische Getränke sind sehr teuer; so kostet z.B. eine Kiste Bier $32. Taxifahren ist das einzige, was viel günstiger als in Deutschland ist.
Nachtleben
Während es tagsüber in der City, sowie in der übrigen Stadt sehr ruhig und relaxt zugeht, gibt es nachts ziemlich viele Möglichkeiten um Party zu machen. Die besten Tage um abends rauszugehen sind Donnerstag (in mehreren Discos Rabatt für Studenten) und natürlich Freitag und Samstag. Die einzige Disco, in der an wirklich jedem Tag der Woche etwas los ist, ist die Down Under Bar in der Nähe der Zentral Station. Dort gibt es keinerlei Kleidungsvorschriften seitens der Türsteher und es kostet keinen Eintritt. Allerdings werden ausschliesslich Studenten und Rucksacktouristen eingelassen. Nirgends sind die Getränke günstiger und es werden alle möglichen Musikrichtungen gespielt. Die Down Under Bar ist absolut empfehlenswert. Ansonsten sind die Discos und Bars in der City nicht weit aus einander gelegen, weshalb man an einem Abend auch ohne Probleme mehrfach den Ort wechseln kann.
Der zweite Partybereich ist der Stadtteil 'Fortitude Valley' (wird meistens nur „The Valley“ genannt). Dort finden sich ebenfalls viele Discos und Kneipen. In Brisbane müssen alle Clubs um 05.00 Uhr schliessen. Wer um diese Uhrzeit noch nicht genug hat, muss sich ins Valley begeben, da sich dort der einzige sogenannte 'Day Club' (Morning Glory) befindet, der erst viel später zu macht. Ein Taxifahrer hat mich darauf hingewiesen, dass man im Valley seine Getränke nie unbeaufsichtigt lassen soll, weil es dann passieren kann, dass jemand einem irgendetwas hinein tut. Wie weit das stimmt oder ob das nur 'Panikmache' war, weiss ich nicht. Ich möchte diesen Hinweis jedoch an dieser Stelle an zukünftige Brisbanebesucher weitergeben.
Reisen
Brisbane liegt direkt zwischen Gold- und Sunshinecoast. Es ist nah genug, um einen Tagesausflug zu unternehmen, es lohnt sich aber auch ein komplettes Wochenende dort zu verbringen. Dabei findet man an der Sunshinecoast im Norden vor allem bemerkenswerte Natur. Die Goldcoast im Süden, mit dem Zentrum 'Surfers Paradise', erinnert eher an Mallorca und ist sehr auf Tourismus eingestellt (Partytip: Wer ein Wochenende in Surfers verbringt, muss ins 'Shooters' gehen).
Ein Reiseziel, dass über Australiens Grenzen hinaus weitgehend unbekannt ist, ist 'Fraser Island'. Das ist die grösste Sandinsel der Welt und besticht durch phantastische Natur. Die Insel ist nicht weit von Brisbane entfernt, so dass ein geführter 2- oder 3 Tagesausflug recht günstig ist, und es lohnt sich wirklich!
Informationen über Trips aller Art bekommt man in der 'Roma Station', bei der Touristeninformation in der City oder in den Backpacker-Hotels.
Um das Great Barrier Reef zu sehen reist man am besten nach Cairns oder zu der Inselgruppe der Whitsundays. Bei letzterer spart man viel Geld, wenn man nicht ein Hotel auf einer der Inseln bucht, sondern am Festland in Airlie Beach in einem Backpacker Hotel (eine Art Jugendherberge) übernachtet. Von dort aus kann man dann Tagestrips zu den Inseln oder mehrtägige Ausflüge auf einem Segelboot buchen. Das kurzfristige Buchen vor Ort ist in der Regel kein Problem.
Überhaupt ist das Reisen innerhalb Australiens viel unkomplizierter. Während man in Deutschland im Februar bereits seinen Sommerurlaub bucht, braucht man in Australien lediglich wenige Tage vor Reisebeginn den Flug zu buchen, oder man setzt sich ganz spontan in einen Bus oder Zug. Wenn man am Ziel angekommen ist, findet man ziemlich sicher ein Zimmer in einem Backpacker Hotel. Da Studenten aus aller Welt durch Australien reisen, trifft man dort immer junge Leute und schliesst jeden Tag neue Bekanntschaften.
Das Fliegen innerhalb von Australien ist entweder sehr günstig oder sehr teuer: Für einen einfachen Flug nach Sydney habe ich $70 bezahlt, ein Hin- und Rückflug zum Ayers Rock kostet allerdings $700. Einige deutsche Reiseveranstalter bieten folgendes Angebot an: Man bucht den Hin- und Rückflug von Deutschland nach Brisbane und zugleich noch 2 oder 3 inneraustralische Flüge. Wenn man sich für dieses Angebot entscheidet, sollte man auf keinen Fall Flüge nach Melbourne oder Sydney buchen.
Ein besonderes Erlebnis war der Trip ins Outback. Dort sah ich erneut eine völlig neue Welt mit phantastischer Natur und unendlich viele wildlebende Känguruhs und Emus. Wer die Gelegenheit hat das Outback zu sehen sollte sie auf jeden Fall nutzen.
Den kompletten Bericht von Sven Burmeister und Fotos finden Sie auf der Webseite
www.sven-burmeister.de