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Ich habe vom 01. 02. 2001 bis 31. 12. 2001 Geographie an der University of Melbourne studiert. Um einen umfassenden Überblick der Erfahrungen des Studiums sowie des allgemeinen Lebens in Melbourne zu geben, möchte ich Euch mein Austauschjahr in Australien wie folgt vorstellen:

Vorbereitung und Ankunft:

Nach Ausfüllen aller Bewerbungspapiere sollte man diese so schnell als möglich an das Institut Ranke-Heinemann zurückschicken. Das Bearbeiten bei den Universitäten kann einige Zeit dauern, erst dann wird die ‚Confirmation of Enrolment‘ ausgestellt. Diese ist notwendig, um sich bei der Australischen Botschaft für ein Visum zu bewerben, dessen Ausstellung wiederum bis zu vier Wochen dauern kann. Sollte man einige Wochen nach Abschicken der Bewerbungsunterlagen noch keine Antwort des ‚International Office‘ erhalten haben, empfiehlt es sich dringend nachzufragen und um baldige Bearbeitung zu bitten.

Des weiteren sollte man sich für den Abholservice vom Flughafen anmelden und die Bestätigung des ‚International Office‘ abwarten. Durch diesen Service wird man in einem Hotel/ Hostel (muß vorher gewählt werden) in der Innenstadtgegend abgesetzt, von wo man sich nach Wohnung oder Zimmer umschauen kann. Eine günstige Bleibe für die ersten Wochen ist z.B. das Carlton College in der Drummond St nahe Victoria Rd in Carlton. Während der Semesterferien fungiert dieses als Jugendherberge mit Einzel-, Doppel- und Dreierzimmern in der Nähe der Uni. Die Dreierzimmer sind durch Stellwände abgetrennt, so dass man seinen privaten Bereich hat. Die Übernachtung kostet etwa $13 mit Frühstück. Trotz dieser günstigen Übernachtungsgelegenheiten sollte man mit Anfangskosten von mindestens $1000 für Übernachtungen, Transport, Concession Card (für die Trams und Züge), den Kauf eines Fahrrades (sehr zu empfehlen) etc. rechnen.

Der mit der Bewerbung an einer Universität angeschlossene Sprachtest ist im allgemeinen eine ausreichende Kontrolle der sprachlichen Vorbereitung. Man sollte jedoch nicht überrascht sein, wenn es in Australien am Anfang zu mehr als einer ‚Ich verstehe überhaupt nichts‘ – Begegnung kommt. Die ‚Aussies‘, wie sie sich selber gerne nennen, haben einen sehr eigenen Akzent und selbst die Menschen aus den Städten sind teilweise schwer zu verstehen. Dies ändert sich aber sehr schnell mit der Sprachpraxis vor Ort. Bei der Übertragung von Fachtermini vom Deutschen ins Englische sind Studenten und Angestellte am Institut von großer Hilfe. Die manchmal sehr umfangreichen Konversationen, die zum Teil durch Fragen zu einem Wort entstehen, helfen Studenten und deren Arbeitsgebiete besser kennenzulernen und Freundschaften zu schließen.

Die fachliche Vorbereitung ist bereits durch die Wahl der Themen bei der Bewerbung zum Stipendium gegeben. Trotzdem könnte es sich als hilfreich erweisen, die Literaturlisten der einzelnen Kurse über das Internet einzusehen und einige der angegebenen Texte so weit als möglich bereits in Deutschland zu lesen. Die Einarbeitungszeit in die einzelnen Kurse kann somit verkürzt und sehr erleichtert werden.
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Wohnungssuche:

Die Wohnungssuche kann ein wirkliches Problem darstellen. Hier sollten ein bis zwei Wochen eingeplant werden. Weiterhin empfiehlt es sich, so früh als möglich in Melbourne einzutreffen. Bereits Anfang Februar bewerben sich für ein Zimmer in einem Haus bis zu zwanzig Personen. Diese Zahl kann bis zum Unibeginn Anfang März aber noch drastisch steigen. Einzimmerwohnungen sind nicht üblich. Studenten wohnen in Wohngemeinschaften mit zwei bis sieben Personen je Haus. Die Kaltmiete der meist unmöblierten Zimmer liegt je nach Nähe zur Uni zwischen $ 280 und $ 450, meistens aber um $ 350 pro Monat. Hinzu kommen Kosten für Telefon, Warmwasser (Gas) und Strom. Heizungen gibt es in den wenigsten Wohnungen, obwohl es im Winter kalt werden kann. Wer kälteempfindlich ist, sollte sich einen Heizlüfter zulegen. In einigen Häusern existieren Kamine, die jedoch nicht immer funktionieren.

Die beste Aussicht auf bezahlbare Wohnungen hat man durch Anzeigen im Student Support Center in der Uni, Wohnungsanzeigen in der Mittwochs- und Samstagsausgabe der Zeitung ‚The Age‘, die Aushänge im Cafe ‚Friends of the Earth‘ in der Smith St im Bezirk Collingwood oder im Buchladen ‚Readings‘ in der Lygon St im Bezirk Carlton nahe der Uni. Beim letzteren empfiehlt es sich, nach dem Umschlag der Anzeigen der nächsten Woche zu fragen und nicht nur die Aushänge im Schaufenster zu lesen.

Teurere Bezirke nahe der Unis sind Carlton, North Melbourne, Fitzroy, billiger, aber dafür etwas weiter entfernte, sind Collingwood und Brunswick.
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Krankenversicherung:

Bei Ankunft muss die Krankenversicherung im Downtown Office von ‚Medicare‘ aktiviert werden. Kostenlose Untersuchungen und Behandlungen werden im Student Health Center durchgeführt. Hierbei gab es keinerlei Probleme.
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Einschreibung (Enrolement):

Der erste Anlaufpunkt für die Einschreibung ist das International Office, dessen Mitarbeiter sehr hilfreich sind und sich Zeit nehmen. Die Bürokratie wird schnell und freundlich erledigt. Bei Fragen zu Kursen sind die Professoren fast immer zu sprechen und nehmen sich trotz viel Arbeit im Vergleich zu Deutschland sehr viel mehr Zeit, so dass man nach den Gesprächen wertvoller Informationen gesammelt hat. Selbiges gilt im allgemeinen für alle Universitätseinrichtungen. Probleme oder Fragen werden offen und eingehend behandelt.
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Studienaufwand und –bedingungen:

Der Studienaufwand ist im allgemeinen größer als in Deutschland, die Aufgaben komplexer und zeitaufwendiger. Ein weiteres Problem stellt die Einbettung der an der University of Melbourne belegten Kurse in den deutschen Studienplan dar. Die beiden Studiensysteme sind in Geographie zu verschieden, dass eine problemlose Übertragung der belegten Kurse möglich wäre. Es dauert einige Zeit, bis man die ‚richtigen‘ Kurse gefunden hat. Es empfiehlt sich ebenfalls, mit den jeweiligen Dozenten über den geplanten Verlauf des Semesters zu sprechen, um gegebenenfalls eine andere Wahl zu treffen. Während der ersten zwei Wochen des Semesters ist ein Wechsel der Fächer möglich. Trotz intensiver Recherche im Internet im Vorfeld der Bewerbung und der dort ausführlich beschriebenen Inhalte sollte man sich auf jeden Fall eingehender vor Ort informieren. Nicht immer stimmen Beschreibung und tatsächlicher Inhalt überein. Diese Tatsache sollte man von deutschen Universitäten aber bereits mehr als gewohnt sein.

Meist erfolgt die Einschreibung als Undergraduate. Dies kann zur Folge haben, dass viele der angebotenen Kurse vom Inhalt bereits in Deutschland belegt wurden (trotz vorheriger anderweitiger Annahme). Meist gibt es jedoch weiterführende Kurse im Postgraduatebereich, für die man eigentlich nicht zugelassen ist, nach Gesprächen mit den ProfessorInnen des Instituts sowie dem zuständigen Sachbearbeiter für Enrolmentfragen dann aber doch besuchen darf.

Die University of Melbourne stellt auf dem Campus mehrere Bibliotheken zur Verfügung. Viele Insitute haben jedoch keine kleine Fachbibliothek, so dass gewünschte Bücher nach der Literatursuche am Bibliothekscomputer an den verschiedenen Plätzen gefunden werden müssen. Dies stellte sich oft als recht zeitaufwendig heraus, da die Bücher trotz anderslautender Aussage des Computers nicht vorhanden oder nur in einer Bibliothek auf einem anderen Campus erhältlich waren. Lange Fahrzeiten müssen hier eingeplant werden.

Das Computerlabor im Old Physics Building ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Zugang erhält man über eine Magnetkarte, die im Sekretariat des Gebäudes abgeholt werden kann. Mit dieser Karte ist ebenfalls das kostenlose Drucken von 10 Seiten pro Tag möglich.
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Wissenschaftliche Gesamtbewertung:

Trotz der oben beschriebenen Anfangsprobleme und Schwierigkeiten bei der Wahl der ‚richtigen‘ Kurse und des damit verbundenen Zeitaufwandes, ist der wissenschaftliche Wert des Studiums an der University of Melbourne als positiv anzusehen. Die Ausstattung der Universität ist sehr gut und verhilft zum schnellen und umfassenden Studium. Der Kontakt zum Lehrpersonal ist sehr intensiv, wodurch Fragen und Probleme schnell geklärt werden können. Die gelehrten Inhalte der einzelnen Kurse haben mein Studium bereichert. Dies wäre an einer deutschen Universität in einem solchen Maße nicht möglich gewesen.
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Freizeitangebot:

Melbourne bietet an Kultur- und Freizeitangeboten alles, was man von einer Metropole erwarten kann. Die University of Melbourne offeriert ebenfalls ein reichhaltiges Programm. Sportkurse aller Art sowie verschiedene ‚Clubs‘ ermöglichen die Kommunikation mit Studenten anderer Fachbereiche. Im Union House auf dem Campus erhält man einen guten Überblick sowie Rat zu jeglichen Fragen.
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Zusammenfassung:

Der Austausch mit der University of Melbourne bietet trotz einiger Anfangsschwierigkeiten eine unersetzliche Erfahrung im akademischen und persönlichen Bereich. Die Hilfsbereitschaft der Universitätsangehörigen und der Studenten ermöglicht die schnelle Lösung vieler Probleme; die Kommunikationsfreudigkeit der Menschen lässt einen schnell Freundschaften schließen.

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© by Institut Ranke-Heinemann - Studium/Studieren in Australien und Neuseeland, 2010