Erfahrungsbericht MBA Studium an der Australian Graduate School of Entrepreneurship, Melbourne
Am 30.10.2003 machten sich meine Studienkollegin Susanne und ich auf den Weg zum großen Abenteuer: 15 Monate Auslandsstudium in Melbourne, Australien. Obwohl wir beide während unseres Studiums an der FH Reutlingen schon für Praktika im Ausland gewesen waren, war dieses Mal anders:
- anstatt wie vorher „nur“ nach Lateinamerika (9 Flugstunden entfernt), ging es diesmal ans andere Ende der Welt (23 Stunden reine Flugzeit);
- anstatt in einer Firma zu arbeiten, sollten wir nun unseren Master of Business Administration absolvieren, d.h. Projekte und Sachverhalte in Englisch verstehen und bearbeiten; und der größte Unterschied
- anstatt den zweimal sechs Monaten Auslandsaufenthalt sollte ich diesmal für 15 Monate unterwegs sein.
Ich fragte mich vor dem Abflug, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, den Master in Australien zu machen, oder ob der einfachere Weg nicht doch gewesen wäre, in Deutschland den Studienabschluss zu erwerben. Vor allem die Tatsache, dass ich meine Familie und Freunde für so lange Zeit nicht sehen würde machte mir irgendwie Angst.
Doch schon sofort nach der Ankunft waren meine Bedenken wie weg geblasen. An der Passkontrolle wurden wir mit einem breiten Lächeln empfangen und die Leute boten uns sofort ihre Hilfe an, als sie uns verloren in der Gegend herum blicken sahen. Allerdings hatten wir ein Problem: wir verstanden keinen Ton dieser braungebrannten, freundlichen Kreaturen mit ihren riesengroßen Sonnenbrillen, wenn sie mit ihrem undefinierbaren und stark ausgeprägten Akzent auf uns einredeten ...
Letztendlich fanden wir aber doch den Weg aus dem Flughafen und erlebten sofort die nächste Überraschung. Was kommt einem in den Sinn, wenn man an Australien denkt? Sonne, Meer, Hitze? Das mag für Sydney zutreffen, Melbourne allerdings empfing uns mit eisiger Kälte und Regen!! Wir waren heilfroh, als wir im Bus saßen und uns auf den Weg zu unserem vorübergehenden Zuhause machten. Es zeigte sich wieder einmal, wie wichtig es ist, Kontakte zu pflegen, denn wir konnten für die ersten Tage bei einer Freundin aus unserer Studienzeit in Reutlingen unterkommen.
Gleich am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach einer eigenen Wohnung. Wir fragten uns an der Uni durch, wo gute Wohngegenden sind. Durch diverse Aushänge fanden wir schließlich ein zweistöckiges, viktorianisches Reihenhaus in North Carlton, gleich in der Nähe der besten Barstraße in Melbourne, und in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Unsere drei Mitbewohner waren echte Melbourner Urgesteine, und sie führten uns nicht nur in ihren Freundeskreis, sondern auch in die australischen Gewohnheiten ein. Barbecues, VB Bier, Strandparties, Cold Chisel, Melbourner Livebands, Pub Food, Cricket, Footy vor allem der berüchtigte Cask Wine wurden genauso zum Alltag wie unsere unzähligen Stunden am Computer.
Denn nur unserem sehr gering gehaltenen Schlafpensum hatten wir es zu verdanken, dass wir die australische Lebensweise intensivst genießen konnten. 12 bis 13 Stunden studieren waren täglich eingeplant. Anders als in Deutschland basierte die gesamte Bewertung an unserer Uni auf Projekte, nicht auf Prüfungen. Wichtig war der Hochschule hierbei nicht nur die Arbeit in multikulturellen Teams (Inder, Deutsche, Engländer, Australier, Mexikaner, Afrikaner, Franzosen etc.), sondern auch die Kooperation mit der Geschäftswelt. Projekte wurden nicht über rein theoretische Inhalte geschrieben, sondern die Arbeiten verbanden Theorie und Praxis, indem wir z.B. einen Business- oder Marketingplan mit und für Unternehmen entwickelten, oder start-up Ideen sammelten, diese ausarbeiteten und mit ihnen auf dem offenen Markt um Investoren warben. Auch ein global gestartetes Unternehmensplanspiel war Teil des Programms. Das harte Studieren zahlte sich aus: meine Diplomarbeit - die ich mit Ericsson Australia schrieb - wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet, und durch mein gutes Abschlusszeugnis konnte ich zurück in Deutschland eine sehr gute Stelle bei DaimlerChrysler an Land ziehen.
Im Rückblick muss ich sagen, dass die Zeit in Melbourne einmalig war und ich keine Sekunde missen möchte. Es war ein riesiger Schritt, für so lange Zeit über den großen Teich zu fliegen, aber ich habe ihn nie bereut. Ich danke vor allem auch dem Ranke-Heinemann-Institut, denn ohne die Unterstützung wäre mir der Aufenthalt Downunder nicht möglich gewesen.