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Erfahrungsbericht zum Study-Abroad-Semester
an der Macquarie University Sydney

von
Wolfgang von Hessling

19.02.2006 – 05.07.2006


Gliederung:

Vorbereitungen
Ankunft & Leben in Sydney
Finanzielles
Studieren in Australien
Reisen in Australien
Fazit

Hinweis: Dieser Artikel steht auch als PDF Version zur Verfügung (inkl. Bildern).

Vorbereitungen:

Es empfiehlt sich, frühzeitig mit den Vorbereitungen für ein Auslandssemester in Australien zu beginnen. Wichtige Deadlines sind in erster Linie diejenigen zur Bewerbung für das Study- Abroad-Programm sowie die zur Beantragung des Einreisevisums. Zudem muss man sich insbesondere bei Stipendienbewerbungen auf einen sehr zeitigen Einsendeschluss gefasst machen. Die jeweiligen Termine sind über die Webseiten der entsprechenden Institutionen leicht in Erfahrung zu bringen.
Bei der Auswahl der Universität sollte man sich insbesondere als Study-Abroad-Bewerber bewusst sein, dass die Zeit eines Semesters rasch vorübergeht. Aus eigener Erfahrung kann ich daher empfehlen, eine der bekannten Großstädte wie Sydney, Melbourne oder Brisbane zu wählen, um die Zeit wirklich optimal nutzen zu können.

Bei meiner Wahl der Macquarie University waren sowohl deren guter Ruf für Kompetenzen im Bereich Finance als auch die internationale Ausrichtung ausschlaggebend. Die Bewerbung als Study-Abroad-Student wurde sehr effizient über das Institut Ranke-Heinemann vermittelt. Auf die Bewerbung, deren notwendige Bestandteile man den Webseiten der jeweiligen Universität entnimmt folgte der Offer Letter als Angebot eines Studienplatzes. Diesen akzeptiert man durch Zahlung der Studiengebühren, worauf man die Einschreibebestätigung, die Confirmation of Enrolment (COE) erhält, mit der man wiederum das Visum online beantragen kann. Das Visum war zu meiner Überraschung vollkommen elektronisch.

Bewerbungen zu Stipendien sollten frühzeitig geplant und vorbereitet werden. Gerade für die beliebten Stipendien des DAAD ist der Bewerbungsschluss sehr früh, meines Wissens nach über ein Jahr vor Studienbeginn. Über die einschlägigen Fördermöglichkeiten findet man insbesondere im Internet ausführliche Informationen. Beim Studium der diversen Programme wird aber schnell klar, dass diese zum Großteil sehr spezifisch bezüglich Zeit, Universität und/oder Fachbereich sind. Nennenswerte Ausnahmen hierfür sind meines Erachtens hauptsächlich DAAD-Stipendien, Auslands-BAFöG und natürlich die Teil- und Vollstipendien des Instituts Ranke-Heinemann. Allerdings ist natürlich auch gerade deswegen mit starkem Wettbewerb um die Stipendien zu rechnen.

Die Anerkennung im Ausland belegter Fächer („Units“) an der Heimatuniversität lässt sich wohl im Großen und Ganzen durch geschickte Auswahl und Absprachen mit den verantwortlichen Professoren in Deutschland erreichen. Dieser Punkt war für mich jedoch insofern unwichtig, da ich bei meinem Auslandssemester gerade solche Fächer belegen wollte, die an meiner deutschen Universität nicht angeboten werden. In erster Linie ging es mir darum, bei dieser einmaligen Gelegenheit meinen Interessen nachzugehen, anstatt mich von meinem deutschen Studienplan verpflichten zu lassen. Dies kann ich auch jedem weiterempfehlen, da ich etliche Kommilitonen in Australien erlebte, die mit ihrer (quasi aufgezwungenen) Fächerwahl recht unglücklich waren.

Bei der Buchung eines Fluges nach Australien ist wiederum frühzeitiges Handeln wichtig. Die Schwankungsbreite der Preise ist beachtlich. Wer schon über ein halbes Jahr vorher bucht, bekommt einen Flug bereits ab ca. 850 €, später sind die Preise erheblich höher. Ein (Hin- und Rück-) Flug unter 1000 € sollte meines Erachtens auf jeden Fall als akzeptabel betrachtet werden.



Ankunft & Leben in Sydney:

Nach einem Flug von über 24 Stunden kam ich nun am anderen Ende der Welt an. Die Macquarie University bietet Vermittlung von Temporary Accomodation an, die in meinem Fall die Unterbringung in einem der recht schäbigen und teuren Backpacker Hostels in der Innenstadt bedeutete.

Die Wohnungssuche gestaltete sich als außerordentlich schwierig. Problematisch war vor allen Dingen die Tatsache, dass uninahe Wohnungen oder WGs gerade zum Semesterbeginn nicht zuletzt von anderen ebenfalls ankommenden internationalen Studenten stark nachgefragt wurden. Einige der neugewonnenen Freunde hatten sich bereits vor Ankunft dauerhaft in den Colleges der Macquarie University eingemietet und konnten entspannt ins neue Semester starten. Dafür zahlten sie allerdings die meines Erachtens absolut überteuerten Mietpreise der Universität.
Für mich war die Wohnungssuche relativ nervenaufreibend und häufig frustrierend. Gerade, wenn man sich kaum mit Buslinien einer Stadt auskennt, muss man einiges an Ausdauer und Geduld mitbringen. Die Macquarie University liegt etwa 45 Busminuten nördlich der Innenstadt. Einige Kommilitonen konzentrierten ihre Suche auf die City, während andere eine Wohnung am Strand wollten. Dies kam für mich nicht in Frage, da die Busanbindungen von den stadtnahen Stränden Manly oder Bondi Beach zur Macquarie University leider sehr dürftig sind. Von Bondi dauert eine Reise zur Macquarie wohl an die 1,5 Stunden.
Ich fokussierte mich auf die Stadtbezirke nahe der Uni, namentlich Marsfield, North Ryde, Eastwood und Lane Cove. Schließlich würde ich doch regelmäßiger zur Uni als in die Stadt oder zum Strand müssen. Für diese Bezirke waren die Aushänge an der Uni oder Suchen
auf einschlägigen Webseiten (z.B. Flatmates.com.au) am sinnvollsten.
Nach ca. 10 Tagen entschloss ich mich, in eine WG ca. 15 Gehminuten von der Uni zu ziehen.
Die Wohnungspreise sind deutlich teurer als der deutsche Durchschnitt. Ich zahlte für ein WG-Zimmer über 400 € im Monat, und das war noch recht günstig. Man bekommt sicherlich auch Wohnungen für um die 200 €, diese sehen dann aber entsprechend aus.
Generell kann ich an dieser Stelle jedem den Tipp geben, bereits vor der Abreise den einen oder anderen Gedanken an die Unterkunft in Sydney zu verschwenden – man erspart sich einigen Stress, indem man z.B. vor Abreise einige Wohnungsbesichtigungen arrangiert.

Das System der öffentlichen Verkehrsmittel in Sydney (Zug, Bus, Fähre) ermöglicht es, fast überall im Stadtgebiet auch ohne Auto hinzukommen. Gerade Busse fahren eigentlich allerorts, lediglich in Randgebieten oder spät nachts sowie am Wochenende wird die Versorgung heruntergefahren.
Ein Wochenticket, das auch für die Randzonen gilt kostet etwa 25 € und beinhaltet auch die Fähren und Bahn der Stadt. Erwähnenswert ist wohl auch, dass die Macquarie University gleich neben dem Macquarie Shopping Centre liegt, welches als einer der großen Knotenpunkte für den Busverkehr fungiert. Wer also nahe der Uni wohnt, hat keine Probleme in die Stadt oder in andere Stadtbezirke zu gelangen. Zudem befindet sich dort momentan die „Macquarie University Train Station“ in Bau.
Sich ein Auto für die Zeit eines Semesters anzuschaffen, halte ich für wenig sinnvoll, der Aufwand mit Versicherung und Zulassung etc. lohnen sich nicht, es sei denn man plant im Anschluss damit größere Reisen. Für das tägliche Leben in Sydney würde ich einen Autokauf aber wohl erst ab zwei Semestern Aufenthalt in Betracht ziehen. Zusätzlich lassen sich kleinere Distanzen wohl kostengünstiger mit dem Fahrrad überbrücken.

Da sich Bankgeschäfte bei mir in Australien im Wesentlichen auf das Geldabheben beschränkten, eröffnete ich zuvor ein kostenloses (Studenten-)Konto bei der Deutschen Bank.
Hintergrund dazu ist deren Kooperation mit der australischen Westpac-Bank, die es erlaubt, an den zahlreichen Geldautomaten der Westpac überall in Australien gebührenfrei Geld abheben zu können.

Obwohl ich allein nach „Down Under“ gekommen war, änderte sich das schnell. Die voll-kommen neue Situation und der „Schlamassel“ in dem alle Study-Abroad-Studenten zu Beginn gleichermaßen sitzen, lässt schnell viele und darunter auch tiefgehende Freundschaften entstehen. Dabei sollte man versuchen, nicht nur mit anderen ausländischen Studenten oder gar Landsmännern Kontakt zu bekommen, sondern auch auf Einheimische zuzugehen.
Dies dient neben der Übung in Englisch auch dem Kennenlernen der vielfältigen in Australien vertretenen Kulturen und Denkweisen. Leider musste ich feststellen, dass dieser Ratschlag „leichter gesagt als getan“ ist. Study-Abroad-Studenten bleiben an der Macquarie University relativ häufig unter sich, was wohl aber auch natürlich ist.

Meine Freizeit in Sydney verbrachte ich hauptsächlich mit Surfen. Bereits nach einem Einführungskurs kaufte ich mir ein gebrauchtes Board für umgerechnet 250 €. An den Strand zu kommen war allerdings jedes Mal ein Tagesausflug mit einer einfachen Fahrtzeit von
1,5 Stunden mit Bus und Fähre. Die Anschaffung eines Brettes lohnt sich für diesen Zeitraum wohl schon, natürlich je nachdem wie oft man surfen geht. Da Surfen relativ kompliziert zu lernen ist, darf man nach wenigen Monaten noch keine Wunder erwarten. Surfboards sind übrigens in Sydneys Bussen ein relativ gewöhnlicher Anblick.



Finanzielles:

Wie bereits erwähnt ist Sydney ein recht teures Pflaster. Das bezieht sich auf Lebensmittel ebenso wie auf Unterkunft. Wer einigermaßen angemessen in Sydney leben will, sollte mit mindestens 500 € Bedarf pro Monat rechnen, besser noch 600 €, und dies natürlich exklusive Studiengebühren.
„Exchange Students“, welche aufgrund einer Vereinbarung zwischen beiden Universitäten nach Australien kommen, sind dabei deutlich im Vorteil: Sie sparen sämtliche Studiengebühren und erhalten zudem eine Ermäßigung von 50 % auf alle öffentlichen Verkehrsmittel.
„Study-Abroad-Students“, welche sich sozusagen in die Uni „einkaufen“ zahlen volle internationale Studiengebühren von über 5000 € pro Semester. Zudem gelten im öffentlichen Nahverkehr die vollen Preise, so z.B. ca. 4 € für eine Fahrt per Bus von der Uni in die City.

Ich merkte den Unterschiede beim Preisniveau in erster Linie bei der Wohnungsmiete, welche anders als in Deutschland dort wochenweise bezahlt wird. Neben Lebensmitteln u.ä. ist die Abhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr sehr kostenintensiv.



Studieren in Australien:

Ein Studium in Australien bedeutet wesentlich mehr eigene Bemühung. Dies wird bereits in der ersten „Lecture“ (Vorlesung) klar, in denen meist neben einer Übersicht über die Themen und den Ablauf auch die einzureichenden „Assignments“ (Aufsätze/Aufgaben), deren Inhalte und Abgabedatum vorgestellt werden. Ich war ziemlich überrascht, welch großer Umfang oftmals gefordert wurde. Dabei sind die Themenstellung so vielfältig wie die angebotenen Units. Das reicht vom simplen Referat über das Erstellen von Internetprojekten oder Recherchen bis zur Durchführung regelrechter Marktforschungen o.ä..
In meinen drei Fächern wurden u.a. das journalistische Publizieren eines Artikels über die Australische Volkswirtschaft, eine komplette Fundamentalanalyse eines australischen Pharmaunternehmens im Team sowie die wöchentliche Abgabe von schriftlich beantworteten „Tutorial Questions“ (Seminaraufgaben) gefordert.
Die Tatsache, dass australische Studenten im Schnitt lediglich drei bis fünf Units pro Semester belegen, sollte also nicht über die teilweise große Arbeitslast hinwegtäuschen. Zu den erwähnten Aufgaben kommt Lesearbeit, die mich allein einen vollen Wochentag beanspruchte und zum Verständnis des Stoffes oft unabdingbar war.

Vorlesungen finden meist wöchentlich statt, haben aber anders als in Deutschland regelmäßig einen Umfang von 2-3 Stunden. Dazu kommen Seminare, die ähnlich den deutschen die Vorlesung vertiefen und praktische Anwendungsbezüge aufzeigen.

Der größte Unterschied zum deutschen Studium war vor allen Dingen die ständige Beschäftigung mit dem Stoff, auch unter dem Semester. Da die Inhalte meines Erachtens tiefer und gründlicher erschlossen wurden, sollte wiederum bei der Fächerwahl das persönliche Interesse absoluten Vorrang haben – es fällt in Australien wohl wesentlich schwerer, sich durch ein ungeliebtes Fach zu „quälen“.



Reisen in Australien:

Typische Reiseziele in „Down Under“ sind wohl hinreichend bekannt und stehen in jedem Reiseführer, z.B. „Lonely Planet Australia“. Das Auto ist wohl das Verkehrsmittel schlechthin für eine Reise in Australien, auch wenn selbst das für die teils gewaltigen Distanzen zu wenig scheint. Ideal scheint mir, die „Mid-Semester-Break“ (eine 2-wöchige vorlesungsfreie Zeit) oder aber die verbleibende Zeit nach Semesterende zu nutzen, um das Land zu erkunden.

Ich wählte mit einem Freund die wohl günstigste Variante; wir mieteten einen Kleinwagen für 14 Tage, dazu kauften wir ein kleines Zelt und campten teils wild, teils legal. Mietwagen sind bereits ab ca. 25 € pro Tag zu haben. Eine interessante Alternative ist allerdings auch, einen Campervan anzumieten und sich somit sämtliche Übernachtungskosten in Hostels o.ä. zu sparen. Eine weitere Möglichkeit bietet wohl auch die Reise per Bus. So werden z.B. sämtliche Städte der Ostküste mehr oder weniger regelmäßig befahren. Es existieren einige interessante Angebote wie zum Beispiel ein zeitlich beschränktes Ticket, welches Busreisen so gut wie überall in Australien ermöglicht.
Die Reise im eigenen Auto bringt so einige Tücken mit sich; Der Linksverkehr setzt einem besonders in der Großstadt zu, und auf dem Land werden nachts kreuzende Känguruhs zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahr. Das Benzin in Australien ist billiger als hierzulande, aber immer noch ausreichend teuer – besonders bei den gewaltigen Distanzen.
Für die relativ kurze Urlaubszeit im Semester ist z.B. die Ostküste Australiens ein lohnendes Ziel. Hier sind viele Sehenswürdigkeiten auf einer Strecke versammelt: Brisbane, Fraser Island, Magnetic Island vor Townsville, das Great Barrier Reef und Cairns sowie zahllose traumhaft schöne Nationalparks und einsame Strände.



Fazit:

Ein Auslandssemester in Australien ist die damit verbundene Mühe eindeutig wert. Neben der Erweiterung des eigenen Horizontes habe ich in erster Linie sehr von den belegten Fächern profitiert. Die Inhalte halfen mir vor allen Dingen bei der Orientierung für meine spätere Berufswahl.
Außerdem entstanden zahlreiche und anhaltende Freundschaften mit Studenten aus aller Welt. Wer auf diesem Wege bis ans andere Ende der Welt reist kann sicher sein, nicht lange auf sich allein gestellt zu sein.
Es gibt wohl zahlreiche Gründe, für eine solche Erfahrung Australien zu wählen: Ein einzigartiges Klima, einmalige Vielfalt in der Natur und großartige Landschaften. Die kosmopolitischen Großstädte im Kontrast zu den unendlichen Weiten des Landes bieten wohl für jeden Charakter die passende Umgebung. Australien als „Schmelztiegel der Kulturen“ garantiert zudem Erlebnisse mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Denkweise.

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© by Institut Ranke-Heinemann - Studium/Studieren in Australien und Neuseeland, 2010