Melbourne 2007
Im Februar dieses Jahres begann ich mein Auslandssemester an der La Trobe University in Melbourne (LTU Melbourne). Ein 4monatiges Semester an der Faculty of Law & Management am Bundoora Campus wartete auf mich.
Bereits ein Jahr zuvor begann die Vorbereitung. An der Georg-August-Universität in Göttingen fand eine Informationsveranstaltung des Instituts Ranke-Heinemann statt, die jede Menge Informationen über das Studieren in Australien und Neuseeland lieferte. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, einen solchen Aufenthalt im Ausland irgendwann während meines Studiums durchführen zu wollen, jedoch wo und wie, das war ungeklärt. Obwohl die Veranstaltung erste interessante Hinweise lieferte, blieben eine Menge Fragen. Beispielsweise spukten in meinem Kopf folgende Gedanken: Welche Universität passt zu mir? Wie läuft es wohl mit einem geforderten Sprachtest? Wie würde ich überhaupt mit der englischen Sprache in einem weit entfernten Land zurechtkommen? Wo würde ich wohnen? Wie erlange ich ein gültiges Visum? Erhalte ich eine finanzielle Unterstützung? Es schien als sei mein Vorhaben ein schwieriges Unterfangen, da eine Menge Dinge vorab zu regeln waren.
Mit der Zeit jedoch regelte sich sehr viel. Ich entschied mich für Australien als Studienland. Die Bewerbungen für 2 verschiedene Universitäten (QUT Brisbane und LTU Melbourne) liefen reibungslos. Das Institut Ranke-Heinemann klärte sämtlichen Schriftverkehr. Ich selbst unterzog mich einem TOEFL-Test, der jedoch nicht besonders gut verlief, aber letztendlich ausreichte. An dieser Stelle muss ich aus eigener Erfahrung darauf hinweisen, dass eine Bewerbung um einen Prüfungsplatz an einem der TOEFL-Prüfungsorte in Deutschland rechtzeitig erfolgen sollte, da freie Kapazitäten schnell vergeben sind.
Im Oktober letzten Jahres hatte ich dann die Bestätigung für meinen Studienstart an der LTU im Februar 2007. Das Visum konnte ich innerhalb von 24Stunden online erwerben. Mit meiner Universität in Deutschland unterhielt ich mich über mögliche Anrechnungen von in Australien erbrachten Studienleistungen. Jedoch erhielt ich keine definitiven Zusagen, es wurde kein learning agreement vereinbart. Der Nebel der Ungewissheit klarte trotzdem allmählich auf.
Dann war es soweit! Der Tag der Abreise stand kurz bevor. Im Laufe der Zeit stieg die Nervosität mit jedem Tag. Die Frage der Unterkunft habe ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt. Von meiner Bleibe wollte ich mich vor Ort überzeugen.
Angekommen in Melbourne gegen ca. 22.00Uhr, ohne Kenntnis von der Stadt, erfuhr ich die berühmte australische Menschenfreundlichkeit persönlich. Am Informationspunkt gab man mir den Rat, für die erste Nacht ein Hotelzimmer in einem günstigen Hotel (ca.40EUR) zu nehmen, 500 Meter vom Ankunftsterminal des Flughafens entfernt. Auf dem Weg dorthin traf ich eine in Melbourne ansässige ältere Dame, die mir im Laufe eines Gesprächs ihre Visitenkarte gab und Hilfe bei der Wohnungssuche und sonstigen Problemen anbot. So eine Nettigkeit ist mir bis dahin in meinem Leben noch nicht begegnet und ist ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft der Menschen in diesem Land, auf die ich im Laufe meines Aufenthalts immer wieder traf.
Am nächsten Morgen machte ich mich ausgeruht auf den Weg in Richtung Universität, um mich meiner Einschreibung und der Wohnungssuche zu widmen. An der LTU, wo die Hektik des Semesterstarts deutlich spürbar war, nahm sich das Personal der Universität für jeden Neuankömmling genügend Zeit, so dass meine Registrierung und Einschreibung innerhalb eines Vormittags abgeschlossen war. Die Wohnungssuche war der nächste Schritt. Hier ist allerdings Vorsicht geboten! Ich fragte bezüglich On-Campus Accomodation im dafür zuständigen Büro der Universität nach. Darauf antwortete man mir, dass die meisten Unterkünfte bereits vergeben seien, jedoch noch ein Zimmer zur Verfügung stünde. Meine Bedenkzeit sollte ich eingrenzen, da die Nachfrage sehr groß sei. Ich eilte also zu der Unterkunft und sah ein sehr kleines Zimmer zu horrendem Preis ohne Internet und Waschmaschine, was extra berechnet wurde. Glücklicherweise traf ich dort weitere Studenten auf der Suche nach einer Unterkunft und nach kurzer Beratung mit diesen beschlossen wir, gemeinsam eine günstigere Bleibe zu suchen. Zwei Wochen später erfuhr ich, dass mehrere Räume immer noch unbewohnt seien und zur Vermietung stünden. Dieses kommerzielle Vorgehen halte ich für nicht fair! Also, Achtung!!!
Mit meinen Begleitern fanden wir dann am selben Tag auch ein Haus ca. 30 Minuten nördlich der LTU, was zu einem erschwinglichen Preis zu haben war. Aushänge sind überall auf dem Campus zu finden. Mit fünf Leuten zogen wir in ein geräumiges Haus für uns allein. Jedoch habe ich auch von weniger erfolgreichen Wohnungssuchen in den ersten Tagen erfahren, weshalb ich nur raten kann, nichts zu überhasten. Angebote gibt es genug. Ein wenig Geduld ebnet den Weg zur passenden Unterkunft.
Am Ende meines ersten Tages in Melbourne hatte ich also sowohl die Einschreibung als auch die Wohnungssuche erfolgreich abgeschlossen. Einem erfolgreichen Studium stand nichts mehr im Wege.
Das Studium an sich verlief problemlos. Meine Sorge, dass ich Sprach- bzw. Kommunikationsprobleme bekommen könnte, legte sich nach bereits zwei Wochen. Den Vorlesungen ist sehr gut zu folgen, da ein Standard Englisch, also kein Aussie-Slang verwendet wird. Ich selbst habe drei BWL-Kurse (Finance, Accounting, Marketing) gewählt und nebenbei einen English-Kurs belegt. ESL (English as a second language), so die Bezeichnung, hat mir persönlich allerdings keinerlei Vorteile geboten. Insgesamt ist es im Study Abroad Programm möglich, maximal 65 Kreditpunkte zu erwerben, was einer Anzahl von vier Kursen entspricht. Dieses Pensum ist durchaus machbar für jeden Studenten, auch wenn nebenbei das Land erkundet wird. Man sollte allerdings ab und zu einen Blick in die Lehrbücher werfen…!
Ansonsten bleibt mir bezüglich des Studiums an der LTU zu sagen, dass jeder Student jederzeit Hilfe am Lehrstuhl suchen kann. Jedes fachliche Problem findet umgehend eine Lösung. Auch hier ist die besondere Hilfsbereitschaft anzutreffen. Die Kommunikation mit den Studenten wird nicht gescheut. Ich hatte stets das Gefühl, dass der Lehrstuhl in Zusammenarbeit mit dem Studenten, in äußerst persönlicher Art und Weise, vorzügliche Leistungsergebnisse erreichen möchte. Diese Eigenheit beschert eine angenehme Atmosphäre während des Studiums.
Die Stadt Melbourne hat ihren ganz eigenen Scharm. Sie unterscheidet sich deutlich von anderen australischen Metropolen. Ein genießendes und entspanntes Lebensgefühl ist in den pittoresken Strassen der Hauptsstadt Victorias allgegenwärtig. Melbourne ist die Sporthauptstadt Australiens. Formel-1, Australien Open, Schwimm-WM, Football - eine Vielzahl von Events zieren den Kalender. Ich persönlich besuchte im März das Formel-1 Spektakel im Albert Park. Ein Besuch ist jedem zu empfehlen, besonders weil die Ticketpreise günstiger als in Europa sind. Das Nachtleben in Melbourne hat sehr viel zu bieten. Bars, Restaurants oder Clubs sind überall zu finden und bieten erhofftes Vergnügen neben dem Studienalltag. Empfehlenswerte Lokalitäten kann man im ISA (International Students Association) Büro auf dem Campus erfragen. Apropos ISA, dieser Organisation sollte man als ausländischer Student während seines Aufenthalts unbedingt beitreten, da diese Ausflüge, Touren und weitere Aktivitäten in und um Melbourne anbietet, auf denen man mit Sicherheit neue Freunde trifft und zusammen eine Menge Spaß hat!!
Was wäre ein Studium in Australien, ohne nach getaner Arbeit das Land zu bereisen? Die Antwort ist eindeutig – nicht komplett! Nach Abschluss meiner Klausuren an der LTU startete ich eine kleine Rundreise durch Down Under. Die letzten Prüfungen fanden Ende Juni statt. Ich persönlich hatte fünf Wochen Zeit, was nach einer kompakten Reise schreite, denn das Land hat sehr, sehr viel zu bieten. Mit Freunden, die ich während meiner Zeit an der LTU kennen lernte, ging es los. Der berühmte Uluru, Darwin und die Ostküste mit ihren traumhaften Whitsunday Islands vermittelten mir einen unbeschreiblich schönen, finalen Eindruck von Australien.
Was bleibt mir abschließend zu sagen…? Ich persönlich kann von mir behaupten, dass es die richtige Entscheidung war, Australien, insbesondere Melbourne als Studienort zu wählen. Wie eingangs beschrieben, steht jeder Interessent am Anfang vor einer Menge ungeklärter Variablen. Es scheint, als sei der Aufwand einer Bewerbung immens. Viele Fragen der Ungewissheit quälen einen. Aber so weit man einmal über seinen Schatten springt und den ganzen Prozess ins Rollen bringt, ist dieser nur schwerlich aufzuhalten. Vieles ist einfacher als es erscheint und mit der richtigen Hilfe, die das Institut Ranke-Heinemann bietet, ist der Traum von einem Studium am anderen Ende der Welt in Kürze Realität.
Die Devise lautet: Just do it – no worries!!
Grüße und Erfolg
Christian