Von Juli 2008 bis Juni 2009 studierte ich für zwei Semester an der University of Sydney und machte dort meinen \"Master of Labour Law and Relations\", einen spezialisierten LLM- Studiengang. Im folgenden möchte ich euch ein paar Informationen zur Uni, dem Studiengang und dem Leben in Sydney geben.
DIE UNIVERSITY OF SYDNEY
Die University of Sydney ist eine zentral gelegene Campus-Uni und umfasst die Stadtteile Camperdown und Darlington. In den letzten Jahren wurden auf dem Campus einige Renovierungsmaßnahmen durchgeführt und neue Gebäude fertiggestellt. Vor allem für Juristen, BWLer und Naturwissenschaftler sind die Studienbedingungen durch neue Bibliotheken und Computerräume im Vergleich zu Deutschland sehr angenehm. Aber für die - auch innerhalb von Australien vergleichsweise hohen - Studiengebühren kann man ja auch bessere Ausstattung und höheren Service erwarten. Neben den schicken neuen Gebäuden befinden sich auf dem Campus auch viele gut gepflegte historische \"sandstone buildings\". Vor allem das Hauptgebäude, das so genannte \"Main Quadrangle\", mit seinem Ausblick über die Skyline von Sydney ist sehr beeindruckend. Zur netten Campus-Atmosphäre tragen außerdem viele Grünflächen und Sitzgelegenheiten im Freien bei. Für das leibliche Wohl wird auf dem Campus durch verschiedene Food Courts und etliche \"coffee carts\" gesorgt. Wem es auf dem Campus zu teuer ist, kann im nahe gelegenen Newtown mittags für 6$ thailändisch essen gehen. Toll für Sparfüchse ist außerdem die coffee card: nach sechs Kaffee gibts den siebten umsonst!
Sparen kann man auf dem Campus auch mit der so genannten \"Access Card\", die von der University of Sydney Union (USU) ausgegeben wird. Für 99$/Jahr spart man 15% auf Essen, Getränke, Schreibwaren, Uni-Souvenirs etc. Die Karte kann man auch in einigen Läden/Cafés außerhalb des Campus verwenden, lohnenswert ist sie also allemal. Die beste Campus-Atmosphäre wäre natürlich nichts ohne studentisches Engagement. Auch in dieser Hinsicht habt ihr an der Sydney Uni fast grenzenlose Auswahlmöglichkeiten: bei der USU sind ca. 200 studentische Clubs und Societies organisiert, die sich verschiedensten religiösen, politischen, sportlichen und sprachlichen Interessen oder einfach lustigen Hobbies verschrieben haben. Wer Heimweh hat, kann sich also dem German Klub oder der Chocolate Society anschließen; wer die Umgebung kennen lernen will, sollte mal bei der Bushwalking Society vorbeischauen. Speziell an international students richten dann zB noch Unimates, das Buddy Program und Australian Discussion Groups.
Für Sportbegeisterte empfiehlt sich außerdem das Sydney University Sports and Aquatic Centre (SUSAC), ein auf dem Campus gelegenes Soprtzentrum mit Fitness-Studio und Swimming-Pool, wo man auch Basketball-, Squash- und Tenniscourts buchen kann. Für Studenten gibts Rabatt, und wenn man einen mehrmonatigen Vertrag abschließt, kann man günstig (für ca. 10$/Woche) trainieren. Außerdem werden im SUSAC auch regelmäßig Tauchkurse angeboten. Somit sollte wohl für jeden genug Auswahl bestehen, wo und wie man sich ins Campus-Leben integrieren möchte!
DER MASTER OF LABOUR LAW AND RELATIONS
Wie oben schon erwähnt, habe ich mich für einen spezialisierten LLM-Studiengang - im Gegensatz zu einem sog. General LLM - entschieden und war auch sehr zufrieden mit dieser Wahl. Meine Freunde unter den international students, die fast alle den General LLM gemacht haben, waren teilweise nicht so zufrieden mit dem Angebot an Kursen, unter denen sie auswählen konnten, und mit der Qualität (v. a. didaktisch) der Dozenten. In den Veranstaltungen zum internationalen Recht fühlten sie sich zT unterfordert, in Vorlesungen zum australischen Recht dann eher überfordert. Mein Studiengang war zur Hälfte australisches Arbeitsrecht, zur anderen Hälfte HR, also Human Resources/Personalwesen. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz hat mir sehr gefallen, und es war eine tolle Gelegenheit, nicht nur Juristen kennen zu lernen. Allerdings muss man darauf vorbereitet sein, dass unter den BWL-Studenten viel mehr Asiaten, vor allem Chinesen, sind als bei den Jurastudenten. Dort war die Herkunft der international students viel mehr gemischt - von Europäern bis zu Südamerikanern und Asiaten war alles vertreten. Die BWL-Vorlesungen and ich teilweise etwas weniger anspruchsvoll als die Jura-Vorlesungen, aber das lag wohl hauptsächlich an den Dozenten und nicht am Fach. Insgesamt gesehen waren alle Kurse gut zu schaffen, vorausgesetzt, man hat auch etwas dafür getan. Durch das System der \"intensive units\" (Blockkurse), welches ja in anderen Erfahrungsberichten schon mit seinen Vor- und Nachteilen beschrieben wurde, hat man zwar mehr Freiheit und Flexibilität, ist aber bei der Vor- und Nachbereitung auch mehr auf sich selbst und seine Selbstdisziplin angewiesen. Wenn möglich, sollte man also versuchen, eine Kombination aus intensive units und semester-length units hinzubekommen, aber das hängt natürlich immer davon ab, wann welche Vorlesungen in welchem Modus angeboten werden. Für mich hat es sich bewährt, zumindest den Großteil der empfohlenen \"reading materials\" auch wirklich zu lesen oder zumindest zu überfliegen, denn nur durch viel lesen bekommt man einen Einstieg ins australische Recht. Über das Bestehen von Essays, Take-home Exams und sonstigen Papers würde ich mir bei Beherrschen des Gutachtenstils und halbwegs ordentlichen Englischkenntnissen keine Sorgen machen. Ordentliches Zitieren sollte man während des Studiums in Deutschland ja ebenfalls gelernt haben, wenn auch die Regeln in einzelnen Punkten abweichen. Aber daran gewöhnt man sich schnell, genauso wie an die Arbeit mit unbekannten Suchmaschinen. Es sind - und das gilt für die Dozenten ebenso wie für die Bibliotheksmitarbeiter - an der Uni auch wirklich alle sehr hilfsbereit und helfen einem bei aufkommenden Fragen und Problemen gern weiter. Das Einarbeiten ins australische Recht war letztendlich nicht so schwierig wie befürchtet. Ich denke, dabei hilft es auch, wenn man sich von vornherein auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisiert und die Vorlesungen zum Teil aufeinander aufbauen. Außer dem Master of Labour Law and Relations gibt es unter anderem auch spezialisierte Programme im Umweltrecht und im Verwaltungsrecht.
LEBEN IN SYDNEY
Wie bekannt sein dürfte, ist Sydney eine Stadt mit hoher Lebensqualität und landet in derartigen Rankings häufig unter den Top Ten. Dazu tragen sicherlich der Hafen mit der berühmten Harbour Bridge und dem Opernhaus ebenso bei wie die vielen Strände, der Taronga Zoo, der Botanische Garten, sonstige Sehenswürdigkeiten und natürlich das (meistens) tolle Wetter. Auch in kurzer Entfernung von Sydney gibt es viel zu entdecken - die Halbinsel Manly mit ihrer Strandpromenade und den Surfshops; die Blue Mountains, die zwei Autostunden entfernt zum Wandern einladen und spektakuläre Ausblicke zu bieten haben; sowie das Hunter Valley, wo man nicht nur Wein, sondern auch viele andere kulinarische Köstlichkeiten, zB Oliven, Honig und Käse, probieren kann.Die Schattenseiten von Sydney dürften aus anderen Erfahrungsberichten ebenfalls bekannt sein - hohe Mieten und - jedenfalls im Vergleich zu deutschen Großstädten - überlasteter öffentlicher Personennahverkehr.
Zu den Mieten: Ich hatte Glück und habe campusnah, in Newtown (zehn Minuten zu Fuß zum Campus) ein WG-Zimmer für 150$/Woche (ohne Nebenkosten) gefunden. Das sind umgerechnet auch immerhin schon 350 €/Monat. Die meisten meiner Freunde sind allerdings kaum unter 200$/Woche ausgekommen. Darauf muss man einfach gefasst sein, da der Mietmarkt in Sydney sehr umkämpft ist, zumal, wenn man zentral wohnen will. Am Strand (Bondi, Coogee), sind die Mieten tendenziell noch mal höher, auch bietet es sich als Sydney Uni Student kaum an, dort zu wohnen, es sei denn, man ist bereit, für den morgendlichen Strandspaziergang oder Surfgang 60 Minuten Fahrtweg zur Uni in Kauf zu nehmen. Ganz Geschäftstüchtige mieten einfach eine komplette Wohnung und vermieten die freien Zimmer unter - dabei sind einige meiner Bekannten fast auf mietfreies Wohnen gekommen. Das bietet sich allerdings eher für diejenigen an, die länger bleiben wollen, denn viele Vermieter machen nur Mietverträge ab sechs Monaten aufwärts. Dann gibt es natürlich noch \"on-campus accommodation\" - colleges und residences. Die einzelnen Unterkünfte findet man über die Homepage der Uni. Dort wohnt man dann wirklich bequem auf dem Campus - muss sich allerdings sehr früh (mehrere Monate im Voraus) darum kümmern, und billiger als eine privat gesuchte WG ist es im Zweifel auch nicht. Trotz aller schlechten Nachrichten: Lasst euch bei der Wohnungssuche nicht verzweifeln! Letztendlich findet jeder was - seid euch nur im Klaren, dass es um die zwei Wochen dauern kann, und kümmert euch vorher um eine Unterkunft für diese Zeit.
Zum ÖPNV:
In Sydney gibt es - wie in jeder Stadt - Busse, Regionalzüge, eine Straßenbahn, und außerdem noch Fähren und eine Hochbahn. Für Ortsunkundige empfiehlt sich am ehesten der Zug, denn dort gibt es immerhin Übersichtskarten und die Haltestellen werden angesagt. Mit dem Bus fährt man dagegen erstmal ins Blaue - weder findet man an der Haltestelle eine Karte, wo denn welcher Bus hinfährt, noch gibt es eine Durchsage der Haltestellen. Auch dem Fahrer zu erklären, wo man hinwill, und dass er einem bitte bescheid sagen soll, wenn man aussteigen muss, funktioniert nicht immer. Die Hochbahn ist eher eine Touristenattraktion als ein Transportmittel und noch dazu ziemlich teuer. Vom einst mal umfangreichen Straßenbahnnetz in Sydney existieren momentan nur noch zwei Linien (von Leichhardt und Glebe in die City), aber die Straßenbahn soll wohl in Zukunft wieder ausgebaut werden, da die Busse mehr und mehr überlastet sind. Das gilt vor allem für die Linien aus Sydneys Osten (Bondi, Coogee), wo die Zuganbindung schlecht ist. Wenn man Pech hat, fährt auch mal der eine oder andere voll besetzte Bus an einem vorbei. Ach ja, hier gleich der Tipp, immer schön Handzeichen geben, sonst hält der Bus gar nicht! Geld sparen kann man mit sog. TravelTens, also Zehnerkarten, die es für verschiedene Streckenlängen gibt. Je nachdem, wo man wohnt und wie oft man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, lohnt sich natürlich auch eine Wochen- oder Monatskarte. Das Tarifsystem ist allerdings ziemlich undurchschaubar und die Homepages der einzelnen Transportunternehmen helfen kaum weiter. Besser: www.131500.info - dort findet man Streckennetze, kann eine Routenanfrage eingeben und Fahrpreise ausrechnen. Außerdem kann man dieselbe Nummer auch anrufen, falls man mal irgendwo gestrandet ist und Hilfe braucht. Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Taxi fahren ist in Sydney günstiger als in Deutschland und kann sich, zumal wenn man es mit mehreren teilt, durchaus im Vergleich zum ÖPNV lohnen. Vor allem auf dem Weg zum Flughafen, denn da ist der Zug extra teuer!
FAZIT
So, ich hoffe, ich konnte euch ein paar Tipps und Empfehlungen geben! Meine Zeit in Sydney und an der Uni war wirklich einmalig, ich habe den Lifestyle, die Internationalität und die Campusatmosphäre sehr genossen, viel unternommen, viele Leute kennen gelernt, viele neue Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Euch allen wünsche ich eine ebenso tolle Erfahrung!