Durch die anfängliche Hilfe des Ranke-Heinemann-Institutes war ich in der Lage für ein Studienjahr in Australien zu leben und bin im Nachhinein super froh über diese Entscheidung.
In dem folgenden Bericht habe ich meine erste Massenmail von Australien mit eingebaut, um nicht den Eindruck zu vermitteln, dass immer alles perfekt läuft, was bei einer reiner Nachbetrachtung leicht den Anschein vermitteln kann. In den darauf folgenden Abschnitten gehe ich auf ein paar australische Gegebenheiten ein, die euch vielleicht helfen, die Situation besser einschätzen zu können.
E-mail-Ausschnitt nach einer Woche in Australien:
Wie es mir so gefällt, ist für mich momentan nicht einfach zu beantworten, da
ich es ja schließlich rechtfertigen muss, dass ich mich für 21 Stunden in
den Flieger gesetzt habe, um hierher zu kommen und dann auch noch ein Jahr
hier abhängen wollte oder will. Aber vielleicht ist nur aller Anfang schwer und
es wird mit der Zeit besser und besser. So erhoffe ich es mir auf jedenfall.
Nun möchte ich jedoch nicht den Eindruck hinterlassen, dass es mir hier
schlecht geht. Ich habe eine Wohnung gefunden mit einer netten Mitbewohnerin,
die Universität kümmert sich sehr intensiv um einen, so dass man schon mit
einigen Studenten in Kontakt gekommen ist, die auch alle nett sind und dafür
das Winter ist, habe wir jeden Tag milde 15 Grad. Wir Ihr seht, ist alles
rundum nett.
Das Problem ist wahrscheinlich nur, dass ich ein paar andere Bilder von Melbourne oder Australien im Kopf hatte. So musste ich nämlich feststellen, dass es dann doch nicht viel anders als in Deutschland (Hamburg) abläuft und aussieht, bis vielleicht auf den Strand mit der Palmenpromenade, wo ich mir leider aus finanziellen Gründen keine Unterkunft leisten konnte.
Das ich mir Melbourne anders vorgestellt habe als ich es vorgefunden habe, liegt wie nicht anders zu erwarten, an meiner wohl ein wenig spärlich ausgefallenen Recherche, die ich über Australien oder besser gesagt über Melbourne im vornherein eingeholt habe. Es gibt wie ich im Laufe des Jahres festgestellt habe, Ecken in Australien, die genauso sind, wie ich es mir vorgestellt habe: Strand, immer blauer Himmel, 25 Grad Durchschnittstemperatur, ... Leider lassen sich wenige von den genannten Assoziationen auf Melbourne anwenden, was aber nicht heißen soll, dass Melbourne keine schöne Stadt ist. Sie ist meines Erachtens nicht zu unrecht, als Nummer eins im Ranking für die am besten zu bewohnende Stadt der Welt ausgezeichnet worden. Es gibt tolle Sportveranstaltungen, schöne Shoppingmeilen, tausende Orte zum Weggehen, zum Besichtungen oder zum Entspannen. Es war bei mir nur der Fall, dass ich eigentlich andere Dinge in Australien vorhatte, während meines Aufenthaltes und somit sehr ernüchternd in meiner ersten E-Mail klinge.
Wie ich feststellen musste, verbringen die meisten internationalen Studenten ihre Freizeit mit anderen internationalen Studenten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie die gleichen Interessen während ihres Aufenthaltes besitzen. Gefördert wird dies von der Universität durch eine dreitägige Kennenlerntour. Sie findet unterschiedlich vom Semesteranfang einmal in einem Nationalpark oder in einem Surfgebiet statt. Meistens bilden sich dort schon die ersten Grüppchen, was aber nicht bedeutet, dass man ab diesem Zeitpunkt nur noch etwas mit diesen Personen zu tun hat. Im Laufe des Semesters lernt man eigentlich fast jeden internationalen Student kennen.
Durch außeruniversitäre Angebote, Gruppenarbeiten, die man an der Uni anfertigen muss sowie das Leben in Wohngemeinschaften, hat man aber auch sehr gute Möglichkeiten, die meist sehr gut gelaunten und immer entspannt wirkenden Australier kennen zu lernen.
Die universitären Angebote zum Sporttreiben sind im Vergleich zu deutschen Verhältnissen ziemlich mies. Es läuft im Endeffekt darauf hinaus, dass man sich selbst um sein Sportprogramm kümmern muss. Das stellt aber kein Problem dar, da viele Studenten sich in selbstorganisierten Gruppen treffen und die verschiedensten Sportarten betreiben.
Empfehlenswert sind die von der Universität angebotenen Kurse trotzdem, auch wenn es nicht viele sind. Besonders loben muss man als Fleischesser den Barbeque-Club, der zwei Mal in der Woche stattfindet. Man muss zu Beginn des Semesters die ungeheure Gebühr von umgerechnet drei Euro abdrücken, um sich von da an zwei Mal wöchentlich den Magen mit meistens Würstchen, aber am Ende auch mit unterschiedlichsten Fleischsorten (z.B. Kängaruhfleisch) vollschlagen zu dürfen.
Für die internationalen Studenten werden des weiteren Surftouren, Weinproben, Besichtigungen, Stadionbesuche und andere schöne Dinge angeboten. Diese Angebote sind sehr empfehlenswert, da man einerseits mit den internationalen Studenten in engen Kontakt gelangt und anderseits sich die Touren zu kleinen Erlebnishighlights entwickeln.
Einer der Hauptgründe für die internationalen Studenten nach Australien zu fahren, ist das
Reisen. Alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen, die ich in der Lage war aufzusuchen und zu genießen, würde den Rahmen des Erlebnisberichtes sprengen. Es sei nur kurz gesagt, dass ich jedem Studenten raten würde, sich Zeit vor, zwischen oder nach dem Semester zu nehmen, um die atemberaubenden Orte aufzusuchen, die Australien zu bieten hat. Es wird sich wahrscheinlich lohnen sich einen Reiseführer zu besorgen und die für einen selbst am besten geeigneten Plätze herauszusuchen, da jeder Menschen andere Vorlieben besitzt und Australien eigentlich für jeden Menschen irgend etwas zu bieten hat. Eine gute Möglichkeit besteht auch darin, das Reiseangebot der Universität anzunehmen. Am Ende jedes Semesters wird eine zweiwöchige Tour mit 40 anderen Studenten angeboten. Die Touren sind sehr begehrt und aus meiner Erfahrung auch sehr empfehlenswert.
Hätte nun fast vergessen etwas über die australischen Universitäten zu schreiben.
Das Leben an den dortigen Universitäten ist sehr angenehm. Es kann fast wie ein Dienstleistungsunternehmen bezeichnet werden, dass alles dafür tut, dass der Kunde, in diesem Fall der Student, den bestmöglichsten Service erhält. Alle Personen nehmen sich Zeit für einen und es gibt viele Extra-Angebote, die einem helfen, wenn man etwas nicht verstanden hat oder in einigen Bereichen Probleme besitzt. Eine weitere Besonderheit liegt im Vergleich zu deutschen Universitäten in dem Anteil von Praxisbezügen während der Vorlesung. Während an deutschen Universitäten großer Wert auf wissenschaftliche Theorien gelegt wird, ist australischen Professoren es wichtiger, dass Wissen vermittelt wird, das sich auf die Praxis bezieht. Dies führt zu einem sehr anschaulichen und leicht verständlichen Unterricht. Ein weiterer Unterschied besteht in den vielen Seminararbeiten, die man während des Semesters anfertigen muss. In fast jedem Fach muss mindestens eine Seminararbeit angefertigt werden, was für die meisten deutschen Studenten sehr gewöhnungsbedürftig ist, da sie es gewohnt sind, während des Semesters viel Freizeit zu besitzen und erst zu Beginn der Prüfungsperiode ins Schwitzen zu geraten.
Ich hoffe, ich konnte eure Vorstellungskraft über das Leben, was euch in Australien (Melbourne) erwartet, ein wenig verbessern und kann somit nur jedem von euch viel Spaß bei eurem Australien-Abenteuer wünschen.
Hajo