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Master of Media Management
Curtin University of Technology, Perth

Hinweis: Bitte beachtet, dass dies die “Nur-Text-Version” des Berichtes ist. Die pdf Version mit zusätzlichen Grafiken und Bildern findet Ihr unter folgendem Link (1.3 MB).

Über die letzten zehn Jahre positionierte sich Australien als fünftgrößter Anbieter von internationalen Bildungsdienstleistungen (hinter USA, UK, Deutschland und Frankreich). Die reine Tatsache in Australien studiert zu haben ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Dementsprechend sorgfältig sollte man sich den passenden Studiengang, die einzelnen Units und Extra Curricular Activities aussuchen.

Mein Versuch mir meinen Master of Media Management umzustrukturieren (u. a. kein Australian Media Law aber mit Human Resource Strategies und Financial Management zwei Units aus dem hiesigem MBA) wurde sofort unterstützt. Auch wenn die australischen Universitäten von Deutschland aus bürokratisch erscheinen, wenn man erst einmal angenommen und vor Ort ist, kann man (mit übersetzten Leistungsnachweisen) im persönlichen Kontakt noch eine Menge bewegen. Die legendäre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des australischen Lehrpersonals das sich mit Vornamen anreden lässt und jederzeit zu sprechen ist, kann ich nur bestätigen.

Schon in Deutschland hatte ich mir vorgenommen, in Australien einen Mannschaftssport auszuüben. Angekommen in Perth fiel meine Wahl dann auf den Curtin University Rowing Club. Inzwischen sind wir dreimal die Woche auf dem Fluss und trainieren für Regatten in denen wir gegen andere Universitäten antreten. Es ist ein unglaubliches Gefühl, nach über einem Jahr Planung und Papierkram in Deutschland, nun im ersehnten Australien vom Wasser aus die Sonne aufgehen zu sehen und Delphine um sich zu haben.

Ich habe meine Entscheidung für drei Semester in Australien zu studieren keine Sekunde bereut. Das erste Mal in meinem Leben wohne ich nah an einer Küste und noch immer kann ich es nicht fassen, wenn ich bei super Wetter mit dem Bus am Wasser und an Palmen entlang fahre. Beim Busfahrer bedankt man sich beim Aussteigen, die Kassierern will wissen wie es Dir geht und nennt Dich Sweetheart, Geldbeträge werden gerundet (Münzen geringwertiger als 5 Cent gibt es nicht), die Großstädte gehören zu den saubersten der Welt und führen ebenso in der Lebensqualität, Männer die man mit Sir anspricht lachen sich kaputt und bezeichnen sich gegenseitig als Bloke und rufen sich Mate, Deutschland vermisst man nicht wirklich…

Lebenshaltung

Auch wenn Western Australia einen lang anhaltenden Boom durchmacht und die Immobilienpreise explodieren, sind die Mieten in Shared Flats/Houses immer noch unter dem Niveau an der Ostküste. Die Lebenshaltungskosten sind abgesehen von Milchprodukten, manchen Gemüsesorten (z.B. Paprika) und temporär Bananen mit denen in Deutschland zu vergleichen. Da ich auf dem Campus lebe, komme ich bisher ohne ein eigenes Auto aus, was man generell in Australien nicht empfehlen kann. In Perth bekommt man als Vollzeitstudent Ermäßigung in den öffentlichen Verkehrsmitteln und bis Mitternacht sind diese auch eine gute Alternative. Man sollte sein Handy aus Deutschland mitbringen und dann schon am Ankunfts-Flughafen eine Prepaid-SIM-Karte kaufen. Damit vermeidet man in seinen ersten Tagen teure Münzetelefone benutzen zu müssen. Man kommt mit nur einem Stromadapter aus, wenn man eine deutsche Mehrfachsteckdose dabei hat.

Ich gebe durchschnittlich $1,000 AUD (ca. 600 Euro) je Monat aus, wobei ich meine Lebenshaltung als sparsam bezeichnen würde. Die Arbeitslosigkeit in Australien ist auf einem Langzeittief und der Boom überall zu spüren. Es ist interessant von Deutschland aus in diese Stimmung hier zu kommen.

Was spricht für die Curtin University?

In Western Australia gibt es die staatlichen Universitäten University of Western Australia (UWA), Curtin University of Technology, Edith Cowan University und Murdoch University sowie die private University of Notre Dame Australia.

Europäer mit meinem Schwerpunkt auf Business Units sollten beachten, dass nur die Graduate School of Management der UWA und die Curtin Business School über eine EQUIS-Zertifizierung verfügen. Mit diesem European Quality Improvement System akkreditiert die European Foundation for Management Development (EFMD) Business Schools.

Bei Arbeitgebern in Western Australia galt die fast 100 Jahre alte UWA mit ihren teils ehrwürdigen Gebäuden traditionell als erste Wahl beim Recruitment. Die jüngere Curtin University erarbeitet sich derzeit den Ruf Praxis orientierter zu sein und hat mehr internationale Studenten. Ihr Hauptcampus mit ca. 35.000 Studenten gleicht einer Stadt. Nach einem Studium in Deutschland an einer kleinen Fachhochschule ohne wirklichen Campus war das genau wonach ich suchte: Fitness-Center, Sportstadien, ein Theater, Wohnheime auf dem Campus, internationales Flair, eine Taverne, 24/7 geöffnete Computerlabore teilweise mit W-LAN, viele Restaurants und Cafés sowie eine Vielzahl von Studentenorganisationen.
www.properties.curtin.edu.au/your_campus/maps/


Ebenfalls schon fest vorgenommen hatte ich mir, der weltweit größten von Studenten geleiteten Organisation beizutreten: AIESEC, die internationale Plattform für junge Leute die ihr Talent und ihre Führungsqualität entdecken und entwickeln wollen. Zu den über 800 Universitäten in 94 Ländern an denen AIESEC mit einem Local Committee vertreten ist, gehören in Western Australia die UWA und Curtin.

Egal für welche Universität man sich entscheidet, ich kann nur empfehlen, einer Studentenorganisation beizutreten. Somit hat man sofort einen Freundeskreis an der neuen Universität und ist zu zahlreichen Social Events eingeladen. Für mich ist es auch nach wie vor die beste Möglichkeit viel Zeit mit Australiern zu verbringen. Gerade in Perth studiert und lebt man mit sehr vielen Asiaten zusammen und kann die fantastischsten asiatischen Gerichte probieren. Wenn man jedoch gezielt Anschluss an Australier sucht, stellt man fest, dass die auf Grund ihrer noch aus Highschool-Zeiten bestehenden Freundeskreise und ihrer vielen Jobs kaum den Drang verspüren, außerhalb der Vorlesungen und Group Assignments noch Zeit mit internationalen Studenten zu verbringen. Selbstverständlich ist das eine Verallgemeinerung und es gibt auch abgesehen von Mitgliedern der diversen Studentenorganisationen Australier die sich zum Beispiel über das Buddy-Programm der Uni mit internationalen Studenten bekannt machen. Auch bei der Belegung der Studentenwohnheime wird auf eine gute Mischung Wert gelegt.

Wer an der Curtin University Anschluss sucht oder gerne mal auf dem Land ein Wochenende Zäune bauen möchte um auch diese Seite Australiens kennen zu lernen schaut am besten im Hub (Building 599) vorbei: http://community.curtin.edu.au/services/

Es ist schon merkwürdig zu sehen, dass die Australier teilweise mit 17 Jahren an die Uni kommen. Besonders wenn man in Deutschland 13 Jahre Schule und dann Wehrdienst hinter sich hat.

An der Curtin University kann man im Learning Support Centre und an der Curtin Business School zahlreiche kostenlose Workshops besuchen, die zum Beispiel in
die Kunst des Essay-Schreibens und in akademisches Englisch einführen.
http://is.curtin.edu.au/cgi-bin/seminars/index.cgi

Uns Deutschen eilt der Ruf voraus, sehr gutes Englisch zu sprechen, eine gute Bildung genossen zu haben und sehr fleißig zu sein. Die Ansprüche an Sprachkenntnis und wissenschaftliches Arbeiten sind gut zu erfüllen, nur der Workload ist um einiges umfangreicher. Vor dem Neukauf von Büchern sollte man im Second Hand Book Shop vorbeischauen. Bei der Suche nach einer Wohnung hilft das International Office. Wichtig ist die Immatrikulation (Enrolment), die Krankenversicherung und das Erfüllen aller Visumskriterien (z.B. 100 Credits pro Semester zu studieren). Die Aktivitäten der Orientation Week kann man auch auslassen. Schnell vertraut machen, sollte man sich mit den verschiedenen Onlineportalen mit denen man das eigene Studium verwaltet und durch die man wichtige Schreiben der Universität einsieht.

Kulturschock?

Einen Kulturschock wird man als Deutscher in Australien wohl kaum erleben. Wir sind durch Medien oder auch Reisen so geprägt vom Leben in England und den USA, dass der australische Lebensalltag uns nicht extrem fremd sondern nur wesentlich relaxter vorkommt. Es sind also weniger Australier sondern wenn überhaupt studentische Mitbewohner aus anderen Teilen der Welt, die einen mit ihren Gewohnheiten schocken könnten. Vor dem australischen Akzent und Slang muss man an Universitäten keine Angst haben. Im Gegensatz zu Deutschland mietet man in Australien häufiger möbliert, was dann manchmal sogar Besteck einschließt. Kakerlaken (Cockroaches) lassen sich in Australien auch in Neubauten nicht ganz vermeiden.

Fernsehen

Es ist schon ein echter Unterschied zu Deutschland, dass es einem hier passieren kann, dass man von der Uni nach Hause kommt, sich in den Fernsehsessel setzt, von den in Australien etwas kürzeren aber wesentlich häufiger vorkommenden Werbeblöcke genervt ist und sich ein Spot der sehr aufwendig und futuristisch daher kommt, als Werbung für die eigene Universität entpuppt.

Die Deutsche Medienlandschaft gewohnt, fallen mir im australischen Fernsehen besonders die zahlreichen und durchaus kreativen Werbespots für Beerdigungsinstitute auf. In Deutschland auch noch nicht gesehen: Ein Werbespot, der den Zuschauer auffordert sich in einer gerade neu gegründeten Stadt anzusiedeln.

Tolle Momente

Meine bisher schönsten Momente hier hatte ich, wenn ich bei Australiern eingeladen war. In Western Australia gibt es das Council for International Students of Western Australia (CISWA). Diese Organisation ermöglicht es internationalen Studenten zum Selbstkostenpreis an Ausflügen und Aufenthalten in Gastfamilien teilzunehmen. So kann man z.B. in einer Familie Weihnachten feiern oder zusammen mit einem Männer-Verein auf dem Land in einer Garage ein ganzes Lamm essen.

Es ist eine tolle Erfahrung hier in Australien zu sehen, wie beliebt Deutschland ist und was für einen guten Ruf es genießt. Die Vorstellungen von der deutschen Konjunktur liegen jedoch weit über der Realität.

Viele Australier haben einen deutschen Hintergrund oder entfernte deutsche Vorfahren. Fast jeder kann einige Brocken Deutsch und manche hatten es sogar jahrelang in der Schule. Dementsprechend viele verbindet irgendetwas mit Deutschland oder haben es sogar schon bereist. Ständig wird man auf Deutsch begrüßt bzw. mit dem gesamten deutschen Vokabular der Person konfrontiert.

Ein Bekannter erzählte mir das ganze vergangene Semester über, dass er mich mal mit auf eine Boot- oder Motorradtour nehmen und mir „sein“ Australien zeigen würde. Eine andere Redewendung vom ihm lautet in etwa: „Am liebst würde ich jetzt von einer Klippe springen.“ Ich hatte dem Gerede nicht viel Beachtung geschenkt. Eines Tage rief er dann an und sagte nur ich bräuchte Shorts und er würde mich in 20 Minuten abholen. Zusammen mit anderen fuhren wir dann tatsächlich zu einer Felsenklippe. Obwohl der Zeitpunkt mitten im Winter lag, war es ein wunderschöner Tag. Nach einem Sonnenbad sprangen wir einer Mutprobe gleich wer weiß wie viele Meter in das verdammt klare Wasser. Unten warteten zwei Kajaks und in denen ging es dann vorbei an Yachten, Jet-Skis und Delphinen zum Haus eines weiteren Bekannten. Dort gab es dann auf dem Fußboden vor dem Fernseher sitzend einen Berg Fish&Chips. Als wir aufbrachen sagte er nur: „Es ist Zeit, dass Du lernst auf der anderen Straßenseite zu fahren. Du fährst Dich jetzt in meinem Auto selbst nach Hause.“

Was für ein Tag!

Paul Krajewski

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