Bewerbung und Organisation in Freiburg
Knapp vier Monate bin ich nun schon hier in Sydney und studiere in North Sydney an der Australian Catholic University (ACU) "Human Movement Studies“, also
Sportwissenschaft.
Beworben habe ich mich für das Austauschprogramm für Australien im Juli 2000 und habe die Zusage von Freiburg schon im August erhalten. Das heißt aber noch nicht, dass dann alles unter Dach und Fach wäre. Die Zusage von der ACU ließ nämlich bis Mitte Dezember auf sich warten. Nicht das man sich großartig Sorgen machen müsste, dass man von der Austauschuni nicht genommen würde, sondern die Zusage ist leider unbedingt nötig, wenn man das Visum beantragt.
Denn, ohne die sogenannte 'confirmation of enrolment' (Immatrikulationsbe-scheinigung) geht bei der Australischen Botschaft gar nichts. Alle Unterlagen für den Visumsantrag bereit zu haben, ist das, was mich in der ganzen Vorbereitung am meisten gestresst hat. Der Arzttermin, das Führungszeugnis, etc.
Visumsantrag
Man sollte möglichst schon Mitte Oktober spätestens damit anfangen, alle nötigen Unterlagen zu sammeln. Und diese dann schon Mitte Dezember, sofern man die Imma-Bescheinigung schon hat, abschicken. Am besten alles schon parat haben und dann sofort in die Post damit, sobald die Imma-Bescheinigung eintrifft.
Am besten auch einen Brief an die netten BearbeiterInnen der Australischen Botschaft beilegen, mit der Bitte den Antrag so schnell wie möglich zu bearbeiten, es dürfte auch helfen den Abflugtermin für den Antrag um eine Woche vorzuverlegen. Denn, wie ich von anderen gehört habe, kann das bisweilen ziemlich lange dauern, bis das Visum letztendlich eintrifft. Das Visum am besten an die Adresse schicken lassen, wo man sich als absolut letztes aufhalten wird in Deutschland – bei mir war es meine Heimadresse. Dann kann eigentlich am wenigsten schief gehen.
Flug und Meilen sammeln
Was den Flug angeht, so würde ich mich auch da recht früh drum kümmern. Der Termin, den ich eigentlich als erstes anversiert hatte war komplett ausgebucht. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass im Februar hier in Down Under Hochsommer ist und sehr viele Traveller unterwegs sind. Man muss den Flug ja nicht gleich buchen, sondern kann ihn ha erst mal reservieren.
Für all diejenigen die nicht zu den Vielfliegern gehören, so wie ich, noch ein paar Tipps.
Es lohnt sich übrigens eine gute Fluglinie zu wählen. Der Service bei Singapore Airlines war echt gut. Weiterer Vorteil von Singapore ist deren Mitgliedschaft bei der Star Alliance. Wenn man die "Student Miles&More" der Lufthansa, kann man sich alle Flugmeilen, die man verfliegt – auch die anderer Mitgliedsairlines, auf die Karte gutschreiben lassen und dafür gibt es bei Frankfurt-Sydney-Frankfurt immerhin einen Inlandsflug in Deutschland. Man kann dann auch bei Ansett Australia auf Inlandsflügen hier in Australien Meilen sammeln, da auch Star Alliance Mitglied
Am besten auch gleich Übergewicht des Gepäcks anmelden. Die erlaubte Regel sind 20kg, nach Anmeldung immerhin 30kg. Ob die bei den Airlines pingelig sind kann ich allerdings nicht sagen. Ich hatte weit über 30kg, plus noch Surfbrett und musste nichts draufzahlen. Also verlasst Euch in der Hinsicht nicht auf mich.
Ach ja, versucht einen Platz am Notausgang zu reservieren. Ist verdammt viel bequemer, als wie in den Reihen dahinter.
Das am Rande, aber nun wieder zurück zu meinem Aufenthalt hier.
Erste Schritte in Sydney
Wer mit der ACU seinen Austausch hat, hat die Möglichkeit sich von David Quigley (International Officer der ACU) vom Flughafen abholen zu lassen, sowie sich die ersteUnterkunft hier in Sydney organisieren zu lassen. Aber Vorsicht! Die organisierten Lodges sind sehr teuer. Einige Leute haben AU$170-220 pro Woche gezahlt. Und das ist selbst für Sydney teuer. Vor allem wenn man bedenkt, dass es geteilte Zimmer sind. Die Lodges liegen zwar in der Nähe der Uni, aber wie gesagt, sie sind teuer.
David Quigley ist aber supernett und hilft einem, wo er nur kann. Man kann ihn auch ruhig mal von Deutschland aus anrufen, wenn man Fragen hat.
Ich persönlich hatte das Glück, dass ich jemanden hier in Sydney kenne und so mir schon einiges an Geld sparen konnte. Sowie einen leichten Start hier in Sydney hatte.
Lodges & Hostels
Diejenigen unter Euch, die Globetrotter-Erfahrung haben oder die nicht davor zurückschrecken, sich ins absolut kalte Wasser zu stürzen, empfehle ich eher, sich in einem der zahlreichen Hostels oder Backpackers niederzulassen, denn die gibt es schon ab AU$80 –110 die Woche. Einfach den guten "Lonely Planet" Reiseführer kaufen und die Hostels anrufen und buchen. Denn je nach dem, wie lange man hier auf Zimmersuche ist, spart man sich doch dann einiges an Geld. Allerdings ist es sicher ein bisschen problematisch, wenn man sehr viel Gepäck dabei hat oder evtl. einen teuren Laptop, Kamera, etc
Zimmersuche
Die Zimmersuche, war für mich glücklicherweise sehr einfach. Ich habe mir nur zwei Zimmer angeschaut, und gleich das zweite bekommen. Man holt sich hier am besten den Sydney Morning Herald (Mittwoch- oder Samstagsausgabe) oder man schaut auf der Website www.domain.com.au nach und klappert zusätzlich die schwarzen Bretter an der University of New South Wales, der University of Technology und die der Uni of Sydney ab. Mit einem Haufen Nummern ausgestattet, kann's dann losgehen.
Relativ viele Sydneysider wohnen in WGs und so ist durchaus üblich, dass nicht nur Studis in einer WG wohnen. Man darf sich aber nicht allzu sehr wundern, wenn die Preise hier einem sehr hoch erscheinen für das, was man letztendlich dafür kriegt. Und man sollte sich darauf einstellen, dass man hier gut mal eine Stunde unterwegs ist, von einer Besichtigung zur anderen.
Mietpreise
Man kann zwar ein wahnsinniges Glück haben und für wenig Geld ein schönes und gutes Zimmer kriegen. Viele Zimmer werden als "shared rooms" angeboten und selbst da kann es sein, dass man bis zu AU$120 pro Woche zahlt. Eine "Bond", die Kaution, in Höhe von (meistens) 4 Wochenmieten ist in den meisten Fällen auszurichten. (Alle Mietpreise werden hier AU$/pro Woche angegeben)
Man sollte ein gutes Zimmer allerdings schon für AU$100-150 bekommen, je nachdem wo man wohnen möchte und zu welchem Standard. Das man ggf. weite Wege hier in Sydney in Kauf nehmen muss, darauf sollte man sich einstellen. Ich persönlich wohne in Randwick, mit Blick auf den Pazifik, 15min Fußweg zum Strand und zahle AU$110 die Woche in einer 3er WG mit meinen eigenen 14qm. Dafür, dass ich so wohne, habe ich aber auch eine langen Weg zur Uni. Je nach Verkehr dauert es 45min – 1 Stunde, bis ich in der Uni bin. Aber die Zeit vergeht meistens wie im Flug, vor allem dann, wenn man sich, wie die meisten Sydneysider ein Buch mit auf den Weg nimmt. Ich möchte eigentlich nicht woanders wohnen. Vor allem ist der ÖPNV hier wahnsinnig gut. Busse fahren rund um die Uhr, zumindest in meine Richtung und so ist es dann auch kein Problem abends nach Hause zu kommen. Sollte mal kein Bus fahren - Taxi nehmen, denn die kann man sich hier sogar als Student leisten.
Handys
Für die Wohnungssuche noch zu empfehlen: bringt Eure 'mobiles' (Handys) mit!! Das Australische Netz funkt auf der gleichen Frequenz!! Und Vodafone, Optus, Telstra und Virgin haben Läden über die ganze Stadt verteilt, wo man dann auch ohne weiteres Pre-Paid Karten an jedem Kiosk bekommt, nachdem man sich einmal angemeldet hat. Außer für Virgin – bei denen ist es ein bisschen problematisch.
Stadtteile zum Wohnen
Schöne und günstige Stadtviertel zum Wohnen sind Newtown, Glebe, Maroubra, Randwick, Bondi, sowie Kings Cross (ist allerdings das Rotlichtmilieu Sydney's) Ein bisschen teurer und schöner sind Surry Hills, Paddington, Darling Harbour, Darlinghurst und Coogee. Kirribilli und Neutral Bay sind wirklich teuer ($150 aufwärts), aber mit grandiosem Blick auf Harbour Bridge, CBD und Opera, und liegen in Fußmarschreichweite der ACU.
Lebenshaltungskosten
Sydney kann in mancher Hinsicht teurer sein. In der Regel decken sich die Preise aber mit denen in FR. Sehr anfällig sind die Preise für Obst und Gemüse, aufgrund der möglichen Naturkatastrophen. Tomaten waren dann schon mal bei $7 pro kg, und das in der Saison. Milchprodukte sind sowieso teurer. Und vor allem, abends auszugehen kann den Geldbeutel belasten.
Alles in allem, gebe ich pro Woche ca. AU$110-150 aus – Spaß inclusive. Wobei gerade die ersten Wochen sehr teuer waren, wenn man sich noch nicht so auskennt, alles entdecken moechte und viele Leute treffen moechte.
Einführungswoche
Da ich meine Kurse in Freiburg zuerst noch beenden musste habe ich die Einführungswoche für die Internationals verpasst. Ich kann also nicht sagen, ob es gut und hilfreich ist, diese auf jeden Fall mitzunehmen. Ich hatte wie gesagt einen leichten Start hier in Sydney und habe mich auch so relativ schnell zurecht gefunden. Sicher sollte man diese nicht verpassen, wenn man an einem der großen Unis ist, wieMacarthur, Uni of New South Wales oder Uni of Sydney.
ACU Sydney
Die ACU übrigens ist eine sehr kleine, aber schnuckelige Uni. Das heißt, sie weist am Mackillop Campus in North Sydney – meines Wissens nach – gerade mal 600 Studenten auf. Nicht viel, in Freiburger Maßstäben gemessen. Aber dafür ist es familiär und sehr übersichtlich. Vor allem mit den Dozenten, den SekretärInnen und dem Kantinenpersonal macht man sich sehr schnell bekannt. Man kennt sich in der Regel beim Vornamen. Das ist allerdings eine nette allgemeine australische Art.
Sie hat hier in Sydney zwei Campusse. Einer in North Sydney und der andere ein bisschen außerhalb, in Strathfield. Wer Sport, VWL, Informatik oder Bio studiert wird inNorth Sydney landen. Englisch, Geo und Pädagogik in Strathfield.
Kurswahl, Uniablauf und Anforderungen in Down Under
Die Kurswahl war ein Abenteuer. Ich hatte mir ein paar Kurse ausgesucht, die sich verlockend anhörten, aber beim Blick auf den Kursplan, im Grunde als das gleiche herausgestellt hatten, was ich in FR schon gemacht hatte. Also musste ich umwählen und dies ging nur in den ersten drei Wochen. Insgesamt hab ich drei Mal umgewählt, habe aber letztendlich die richtigen Kurse gefunden. Dazu muss man sich aber die Unterschrift des Kurs-Koordinators einholen, ohne die geht's nicht. Aber eigentlich kein Problem. Man muss mindestens drei Kurse machen, in der Regel sind es aber vier. Die Wochenstundenzahl überschreitet dabei aber selten 18 Stunden.
Die Uni, kann man sagen, ist hier doch anstrengender, hat aber auch seine Vorteile. Jede Vorlesung hat ein verpflichtendes Tutorat, mit einer oder mehreren Hausarbeiten, Mid-Semester und End-Semester Klausur.
Gerade die Hausarbeiten sind verdammt stressig, v.a. wenn es mehrere im Semester sind. Viele Dozenten schreiben eine Mindestanzahl von Wörtern vor, und da ist es unmöglich durch große Schriftart und doppeltem Zeilenabstand zu mogeln. Der Abgabetermin muss eingehalten werden und ohne Antrag, und in manchen Fällen sogar ohne ärztliches Attest, ist es unmöglich eine Verlängerung zu bekommen. Bei zu später Abgabe, ist mit 10%igem Punktabzug zurechnen. Man sollte sich also nicht über die Strenge wundern.
Eine andere Sache mit der ich hier ein bisschen zu kämpfen hatte und über die ich nach wie vor den Kopf schüttle, ist die Versessenheit der Dozenten auf die Literaturangaben und das Zitieren im Text. Ich habe damit in Freiburg noch keine Schwierigkeiten gehabt, selbst wenn sie nicht immer richtig war, mit Kommas, Punkt, etc.. Hier aber wird nach jedem noch so kleinen Fehler akribisch gesucht und auch dann bewertet. Eine andere Sache in diesem Zusammenhang ist die große Angst vor Plagiat. Dies scheint hier wie ein Damoklesschwert über der akademischen Ausbildung zu hängen. Jede Quelle, jede Idee, die man irgendwo recherchiert hat, ist zu belegen.
Man gewöhnt sich dran.
Jobben
Neben der Uni kann ja auch noch jobben. Ist die Jobsuche in Deutschland wirklich einfach, d.h. man hat ein Vorstellungsgespräch und wird daraufhin eingestellt, so ist das hier leider nicht so einfach. Für fast jeden Job wird eine oder mehrere Referenz(en) benötigt und am besten noch mehrjährige Berufserfahrung. Ein Kommilitone wollte sich als Tellerwäscher bewerben, wurde aber nicht genommen, weil keine Referenz und keine Berufserfahrung. Lächerlich!
Will man in einer Bar arbeiten, so muss man sich meistens den sogenannten RSA-Schein holen. Für diesen muss man ein vierstündiges Seminar besuchen (Kostenpunkt $70-80) und er bescheinigt einem, dass man befugt ist Alkohol auszuschenken, betrunkene Personen richtig einzuschätzen in der Lage ist und ggf. den Ausschank zu verweigern.
Über vieles wird man hier in Australien den Kopf schütteln, aber diese Eigenheiten machen ein Land ja auch aus.
Klima in Sydney
Es ist auf jeden Fall super hier sein zu koennen.Sydney ist eine Wahnsinns-Stadt. Rund herum gibt es viel zu entdecken: Zahlreiche National Parks, Sydney's Strände, die Stadt selbst, etc.
Das Klima ist hier ideal. Wir haben es jetzt mitten im Herbst und wir haben hier immer noch 20-23°C. Noch immer (Juni) braucht man in der Regel nur einen Pullover abends.
Erst diese Woche konnte man noch immer an den Strand zum schwimmen gehen.
Als ich hier an kam, im Februar, hat es mich allerdings fast erschlagen. Die Hitze war unerträglich, weil es hier in Sydney zudem noch sehr feucht ist. Das Atmen fällt einem in der Stadt dann zu weilen ziemlich schwer.
Zu empfehlen ist sich entweder Sonnencreme en masse selbst einzupacken oder besser in einem Care-Paket nachschicken zu lassen. Man sollte meinen, die wäre hier billiger. Weit gefehlt!
Auch ist es ratsam sich in Freiburg im Winter im Studio vorzubräunen. Den Sonnnenbrand hat man hier wahnsinnig schnell, wenn man nicht aufpasst. Dem Ozonloch sei dank.
Heizungen – ein Fremdwort
Kälteempfindliche sollten sich dicke Sachen einpacken, denn hier in Sydney gibt es keine Heizungen. Aber nicht zu viel, denn es lohnt kaum, für die kurze Zeit. Selbst die öffentlichen Gebäude sind z.T. nicht beheizt. Wohnungen und Privathäuser haben generell keine Heizungen. Deshalb gibt es aber ab Mai überall Heizlüfter zu kaufen. Man muss also nicht unbedingt frieren!
Websites
Hier noch ein Paar nützliche Websites:
www.citysearch.com.au - Gelbe Seiten Sydney's Online, aber mit Intenet-Links, sofern vorhanden, z.B. für Hostels.
www.whereis.com.au - Stadtplan mit Suchfunktion (nach Strasse, Stadtteil), z.B. wenn man schon mal in FR einen Blick auf die Wohnungsanzeigen werfen möchte und sich schon mal orientieren möchte.
www.australieninfo.de - Umfangreiche Site über Australien. Handelt eigentlich alles ab.
www.tntmag.com.au - Site mit vielen Infos und Links für Backpacker und Events around Australia
www.smh.com.au - Site des Sydney Morning Herald, fuer die, die Lust haben schon mal einen Blick ins australische Tagesgeschehen zu werfen.
www.domain.com.au – Suchmaschine fuer Wohnungsanzeigen, mit Hilfreichen Funktionen, wie Preislage, Stadtviertel, WG oder nicht WG, etc.
www.google.com.au
www.altavista.com.au Letzten drei, die bekannten Suchmaschinen fürs australische
www.yahoo.com.au Internet