Planung
Schon vor dem Beginn des Masterstudiums in Information Management an der Universität Koblenz, welches einen Auslandsaufenthalt von mindestens einem Semester im Curriculum vorschreibt, hatte ich davon geträumt, einen längeren Zeitraum in Australien zu verbringen. Bereits bei der Entscheidung, Ende der 90er Jahre ein High-School Jahr im Ausland zu verbringen, hatte ich zwischen Australien und den USA entschieden. Da ich mich damals für die Vereinigten Staaten entschied, stand mein Wunschziel für den Studienaufenthalt schnell fest. Verstärkt wurde dieses Vorhaben durch die interessante wirtschaftliche Konfiguration Australiens, über die ich während des Bachelorstudiums mehrfach gestolpert war. Das Land besitzt einen ausgeprägten Gründergeist, was sich in zahlreichen Unternehmensgründungen in der von Dienstleistungen dominierten Wirtschaft abzeichnet.
Für die Bond University entschied ich mich, weil sie in mehrfacher Hinsicht meine Kriterien erfüllte: Sie beherbergt einen Fachbereich („Business, IT and Sustainable Development“), der ähnlich dem an meiner Heimathochschule fächerübergreifend forscht und lehrt. Es ist eine kleine Universität, die ein hervorragendes Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten erlaubt, und der Semesterplan passt nahtlos mit dem deutschen zusammen, was eine volle Studienintegration erleichtert. Schließlich ist auch die Lage an der sonnenverwöhnten Gold Coast mit einem der schönsten Küstenabschnitte Australiens und spektakulären Surf-Stränden eine Attraktion.
Auf der Messe der australischen und neuseeländischen Hochschulen in Köln, die jedes Jahr an mehreren Hochschulstandorten vom Institut Ranke-Heinemann veranstaltet wird, hatte ich Gelegenheit, ein erstes Gespräch mit einem Vertreter der Bond University zu führen. Die Bewerbung um einen Studienplatz richtete ich später direkt an das Institut Ranke-Heinemann, das sich um die Korrespondenz zwischen Deutschland und der australischen Hochschule kümmerte. Das ist eine große Erleichterung für den Bewerber, da er seine Unterlagen so nur an eine deutsche Adresse senden muss, und die Korrespondenzwege werden erheblich verkürzt, da die Kommunikation zwischen dem Institut und der Hochschule überwiegend elektronisch abgewickelt wird. Ich wurde vom Institut Ranke-Heinemann stets schnell und mit großer Freundlichkeit betreut und kann diesen Weg der Bewerbung sehr empfehlen. Ebenfalls über Ranke-Heinemann bewarb ich mich für das „Bond University Study Abroad Scholarship“, das regelmäßig für das Herbst-Semester ausgeschrieben wird. Stipendiengeber ist die Bond University selbst, eine Bewerbung ist nur über Ranke-Heinemann in Verbindung mit einer Studienplatzbewerbung möglich.
Vorbereitung
Durch meine Erfahrungen in anderen angelsächsischen Ländern (USA & UK) fühlte ich mich auf kulturelle Unterschiede ausreichend vorbereitet, der englischen Sprache war ich bereits in einem Maße mächtig, die mich auf zusätzliche Kurse verzichten ließ.
Das Studentenvisum kann für Australien sofort nach Annahme eines angebotenen Studienplatzes („Confirmation of Enrolment“) online beim „Department of Immigration and Citizenship“ beantragt werden und wird innerhalb von 48 Stunden elektronisch bereitgestellt, weitere Schritte sind nicht nötig.
Auf der Webseite für Study Abroad Studenten bietet die Bond University ausführliche Hilfe für das Finden einer Wohnung an, es besteht die Möglichkeit zwischen einem Zimmer auf dem Campus oder der Teilung eines Appartments mit weiteren Studenten außerhalb des Campus zu wählen. Da in den Campuszimmern keine Kochmöglichkeit besteht und man mit dem Mietvertrag ein Kontingent an Mahlzeiten für die Verpflegungsbetriebe auf dem Campus kaufen muss, entschied ich mich für eine WG außerhalb des Campus. Es gibt zahlreiche Angebote rund um den Campus in wenigen Gehminuten Distanz, die Erfahrung früherer Austauschstudenten ließ mich Varsity Shores wählen, was ich als Unterkunft sehr empfehlen kann.
Die Immatrikulation an der Bond University beinhaltet für internationale Studenten eine Auslandskrankenversicherung (Overseas Health Cover), die für 100 € erworben werden muss.
Situation in Australien
Die Auswahl von und das Einschreiben für Kurse war an der Bond University unkompliziert, fast alle angebotenen Kurse sind für internationale Studenten zugänglich und an der Heimathochschule erbrachte Vorleistungen werden anerkannt. Auf der Study Abroad Webseite informiert die Hochschule über das australische Punktesystem und wie es sich in die Systeme anderer Länder (bspw. ECTS für Europa) konvertieren lässt.
Das Lehrangebot war für meinen Fachbereich groß und unterteilte sich in einen „Undergraduate“- (Bachelor) und „Postgraduate“-Bereich (Master), vereinzelte Veranstaltungen werden für beide Bereiche angeboten. Das Anspruchsniveau ist für Postgraduate-Kurse deutlich höher, hier wird der Schwerpunkt auf den Erfahrungsaustausch der Teilnehmer und die gemeinsame Analyse komplexer Sachverhalte sowie die Entwicklung entsprechender Lösungsalternativen gelegt. Ich empfehle den Besuch von Veranstaltungen analog zum eigenen Studienfortschritt, da man sich sonst stark unter- bzw. überfordert fühlen kann. Im angelsächsischen Hochschulsystem wird generell mit mehr Präsenzpflicht und interaktiven Elementen in Form von Aufsätzen, Workshops und Präsentationen gearbeitet.
Die Lebenshaltungskosten an der Gold Coast unterscheiden sich im Gegensatz zu den australischen Metropolregionen (Sydney, Melbourne) nur unwesentlich von denen in Deutschland, manche Produkte sind etwas teurer, andere etwas billiger.
In Form von „Clubs“ bietet die Bond University ein großes Angebot an kulturellen und sportlichen Angeboten, das auch den internationalen Studenten offen steht. Ich selbst war im Surf Club, dem Soccer Club und dem AFL Club (Aussie Rules Football, eine rein australische Sportart, die sich aus Elementen von Rugby, Fußball und American Football zusammensetzt) aktiv. Soziale Kontakte zu Studenten aus aller Welt aufzubauen ist sehr leicht, denn gut die Hälfte der Studentenschaft kommt nicht aus Australien. Australier kennen zu lernen, die keine Studenten sind, ist sehr schwierig, wenn man auf dem Campus lebt. Außerhalb des Campus ist es jedoch einfach, mit den Nachbarn in Kontakt zu treten und so einen Einblick in das „normale“ australische Leben zu bekommen.
Situation nach der Rückkehr
Die Anerkennung der in Australien erbrachten Studienleistungen an meiner Heimathochschule war unproblematisch, was ich bereits im Vorfeld geklärt hatte. Von anderen internationalen Studenten habe ich auch Gegensätzliches gehört, es hängt also stark vom jeweiligen Prüfungsamt und den Absprachen vor Antritt des Auslandsaufenthaltes ab.
Für meine akademische Ausbildung war der angelsächsische Hochschulansatz vor allem im Postgraduate-Bereich mit seinem fallstudiengetriebenen Vorgehen und einem größeren Schwerpunkt auf Vermittlung von Unternehmergeist ein interessanter Einfluss, der mir den Strategie-Gedanken näher gebracht hat als Veranstaltungen an der Heimathochschule.
Interessant war auch, ein Wirtschaftssystem kennen zu lernen, das zu 80 % auf Dienstleistungen beruht und in der die Arbeitnehmer wesentlich häufiger die Stelle und auch den Beruf wechseln, als in Mitteleuropa üblich. Der stark ausgeprägte Gründergeist ist in Australien unter anderem ein Phänomen, das auf die wechselhafte Nachfrage nach Dienstleistungen und den Mangel an Beschäftigungsalternativen in der Industrie zurückzuführen ist.
Die australische Kultur ist der deutschen in vielen Aspekten sehr ähnlich, in anderen total verschieden. So ist es in Australien beispielsweise verpönt, ehrlichen Erfolg zur Schau zu stellen, das so genannte „Tall Puppy Syndrome“. Erfolgreiche Geschäftsleute bemühen sich daher, ihren Erfolg und ihren Reichtum herunterzuspielen, eine Ausnahme bilden lediglich Spitzensportler und einige wenige Künstler.
Mit dem Verlauf meines Aufenthaltes in Australien bin ich sehr glücklich, und ich bin froh mich für diesen Ort, diese Hochschule und diesen Zeitpunkt entschieden zu haben.