Masterstudium an der Australian National University in Canberra in Internationalen Beziehungen
Nach einer wundervollen zweijährigen Erfahrung als Entwicklungshelfer in Botswana, Afrika, und einem kurzen Zwischenstopp in Berlin in 2005 entschloss ich mich, meinen Wunsch nach einem Aufbaustudium in die Realität umzusetzen. Das Fachgebiet der Internationalen Beziehungen war derzeit der einzige Bezugspunkt und so begann meine Suche nach einer geeigneten Universität. Das Fachgebiet Internationale Beziehungen als Teil der Politikwissenschaft, so war mir klar, bedeutete ein Aufbaustudium in Englisch. Doch die Frage WO? sollte ich ein Studium unter diesen Grundvoraussetzungen absolvieren, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Ein Aufbaustudium ist in gewisser Hinsicht richtungweisend für die spätere Laufbahn, und so ist es nicht überraschend, dass es bei der Wahl vor allem darauf ankommt, eine geeignete Fakultät, welche die eigenen Interessen widerspiegelt, zu finden. Das Internet, wie sollte es anders sein, in einer Zeit des Cyberspace war hilfreich zur Stelle. Relativ schnell, in Bezug auf die bereits erwähnten Punkte, stand die Wunschuniversität fest; die Autralian National Universität (ANU) in Canberra mit ihrem weltweit renommierten Stand in Forschung und Lehre sollte es sein.
Über die ANU Webseite fand ich einen Link zum Institut Ranke-Heinemann, dass die Bewerbungsformalitäten regelt und eine super rund um Betreuung in Deutschland bietet. Nach einem sehr freundlichen Email Kontakt mit der Zweigstelle in Berlin, organisierte ich ein persönliches Gespräch. Viele Fragen, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, konnte ich vor Ort besprechen und klären. Mit den Bewerbungsunterlagen, die mir das Institut auf den Weg gab, begann der Bewerbungsprozess. Das Bewerbungspaket inklusive Referenzen, Sprachgutachten und Transkript leitete ich an das Büro- in Essen weiter. Das Institut stand zu jedem Zeitpunkt hilfreich zur Seite und ich fühlte mich zu jedem Zeitpunkt gut aufgehoben. Nach ewigen, zumindest schien es so, vier Wochen war dann meine Annahme von der ANU in meiner Mailbox. Nun konnte ich loslegen und meinen Umzug nach Canberra, inklusive der Flugreise, organisieren. Es galt auch ein Visum zu beantragen, der gesamte Vorgang konnte elektronisch abgewickelt werden, was vieles vereinfachte.
Die Zeit verflog, es kam der Tag der Abreise im Februar 2006 und meine Reise über Kuala Lumpur nach Sydney und dann Canberra war anstrengend, aber natürlich auch spannend. Nach ein paar Tagen der Aklimatiersierung in Sydney, verbunden mit einem Autokauf, erreichte ich mein neues zu Hause. Ein Auto, so lernte ich schnell, ist in Canberra der Hauptstadt Australiens unabdingbar. Die Stadt ist sehr weit gefächert und die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht gerade praktisch oder pünktlich. Angekommen in Canberra hieß es nun die ANU zu kontaktieren und die Immatrikulation in die Wege zu leiten und eine Wohnung zu finden. Die Immatrikulation ist problemlos, das Internationale Büro- an der ANU hilft einem bei allem und es sind dutzende ANU Mentoren auf dem Campus unterwegs, die einem bei der kleinsten Frage den Weg weisen. Die Fakultäten haben alle einen oder mehrere Administrator(en) als erste Anlaufstelle. In meinem Fall gab es auch einen Orientierungstag an dem ich meine Mitkommilitonen, Professoren, die Fakultaet, Bibliotheken, Bars und Cafes usw. auf einer Campustour kennen lernte.
Die Wohnungssuche allerdings erwies sich als etwas komplizierter, und ich rate jedem, sich schon in Deutschland um eine Unterkunft zu kümmern. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder sucht man sich ein College auf dem Campus, das Angebot ist allerdings begrenzt und so ist es sinnvoll sich vorzeitig über die ANU Webseite für eine Platz in den Wohnheimen zu bewerben. Die Monatsmiete liegt bei etwa 150A$ pro Woche inklusive aller Nebenkosten. Die zweite Möglichkeit ist die WG, also mit meist anderen Studenten in ein Haus rund um den Campus zu ziehen. Hier lohnt es sich im Internet schon vorab Kontakt zu knüpfen und dann bei Ankunft eine Besichtigung zu verabreden. Zum Anfang des Semesters sind alle auf der Suche, daher gilt die Regel: wer zuerst kommt, malt zuerst. Die Kosten hier liegen von 100A$ aufwärts. Ich für meinen Teil habe es vorgezogen ein kleines Appartement zu beziehen, mit Garten und Pfirsich und Zitronen Baum. Die Wohnungssuche beanspruchte viel Geduld und auch ein bisschen Glück. Zur Ueberbrueckung kann man in einem Backpacker, wie das YHA im Zentrum günstig unterkommen.
Nun zum Studium an der ANU. Das australische Hochschulwesen ist, nach meiner Erfahrung qualitativ sehr hochwertig. Die Uni steht nach meiner Erkenntnis auf den obersten Plätzen weltweit in Forschung und Lehre. Die Fakultäten, Bibliotheken sind alle auf dem neusten Stand und überall trifft man auf nette ‚Aussies’ die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mein Studium ist aufgeteilt in zwei Semester Coursework und ein Semester Thesis. Pro Semester absolviere ich drei Kurse, das heißt circa 100 Seiten pro Kurs und Woche lesen und zwei Stunden Seminararbeit. Das Studium ist sehr praktisch organisiert und so werden die Noten auf Grundlage von Präsentationen, Seminararbeiten und auch zum Teil Klausuren zum Ende des Semesters vergeben. Meine Fakultät hat ein eigenes Computer Zentrum, in dem die Arbeiten geschrieben werden, und viele anregende Gespräche mit den Mitstudenten haben das Studium sehr angenehm gestaltet.
Natürlich ist ein Masterstudium in einem fremden Land, in einer anderen Sprache nicht einfach und es heißt, viel zu tun, um den hohen Ansprüchen genüge zu leisten. Aber mit Spaß und Passion geht auch die schwierigste Zeit vorbei und am Ende kann man ich kaum Glauben, dass mein zweites Semester schon fast vorbei ist. Nun noch die Dissertation im nächsten Semester und mit etwas Glück ein Stipendium für eine Doktorandenstelle im Anschluss. Dies bereite ich gerade vor, in dem ich als Forschungsassistent an der Universität arbeite, um einen besseren Eindruck über eine akademische Tätigkeit zu sammeln.
Aber natürlich bleibt der Spaß nicht auf der Strecke. Canberra bietet, für seine relativ kleine Einwohnerzahl von 300 000, viel um sich zu entspannen. Bar’s und Cafe’s sind beliebt, aber auch das Nationaltheater oder die vielen Galerien in der Stadt sind einen Besuch wert. Canberra als Hauptstadt ist natürlich auch ein Zentrum von Politik und Diplomatie und so trifft man auf den Strassen eine multikulturelle Mischung aus allen Kulturen und Sprachen. Der See und die Berge rund um Canberra laden ein zum wandern und spazieren. Und das Meer ist nur circa zwei Stunden Autofahrt entfernt.
Alles in allem eine Erfahrung, die ich jedem der nachdenkt, seine Zelte in Deutschland für eine Zeit abzubrechen, nur waermstens empfehlen kann!
Jan Luedert September 2006